Kärbholz - Überdosis Leben
erhältlich ab
27.01.2017
Genre
  • Hard&Heavy
  • Hard Rock
Label
Metalville
Vertrieb
Rough Trade
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Es geht auch einfach

Das Gute an Kärbholz: Keiner braucht sich den Kopf zu zerbrechen, was uns diese Band sagen will. Sie sind direkt. Stehen für ihre Werte. Ziehen ihr Ding durch. Einzig bei der Liebe wird es kompliziert, ansonsten gibt es nur eine Richtung: geradeaus. Mit handgestricktem Deutschrock im Gepäck und einer "Überdosis Leben" im Blut.

Fest steht: Die Jungs haben einiges auf dem Kerbholz. Sieben Alben und eine ständig wachsende Fangemeinde. "Karma" (2015) knackte die Top Ten der Charts. Kein Wunder. Die Spielwiese der aus Ruppichteroth - rund 30 Kilometer östlich von Bonn - stammenden Herren ist eine, die gerne beackert wird. Von links und rechts, von Punkrock bis zu räudigem Straßenköter-Rock'n'Roll: Hauptsache deutsche Texte, Hauptsache bodenständig. Mit harter Schale und großem Herz.

Das von Eike Freese und Alex Dietz (Heaven Shall Burn) produzierte, brodelnde Machwerk stellt nichts in Frage. Ein paar Akkorde, durchziehende Grooves sowie Texte, die das Leben denn doch eher prosaisch betrachten: "Ich bin meinen Weg gegangen, hab' immer 100 Prozent gegeben" heißt es im Opener "Ich hoffe Du kannst mich sehen". Das macht einen Großteil der Kärbholz'schen Botschaft aus: Halte durch, sei du selbst, lass dich nicht beirren. Die musikalische Umsetzung reicht dabei von stolzem Breitwandkino ("Feuerräder") bis zu nachdenklichem Schwarz-Weiß-Film ("In Flammen stehen"). Daneben gerät die Internet-Abstumpfung ins Visier ("Evolution Umsonst"), und "Nur wir Beide" packt nicht etwa die Romantik auf den Tisch, sondern entpuppt sich als Ode auf eine echte Männerfreundschaft.

Es ist ein hartes Album, welches seine Höhepunkte ausgerechnet in weniger harten Momenten findet: Im munteren Duett von "Perfekt Unperfekt" und im Country-Stil, der das "Kind aus Hinterwald" begleitet. Eines verbindet die Songs jedoch miteinander: Die entwaffnende Ehrlichkeit, mit der Kärbholz zu Sympathieträgern werden, ist auf "Überdosis Leben" allgegenwärtig. Da wird geballert, eine Dose Bier aufgemacht und allen Gefühlen zwischen Partystimmung und Schmerz freier Lauf gelassen. "Ich sehe nicht perfekt aus, ach scheiß drauf. Meine Seele trägt Narben, doch ich steh drauf." Diese Zeilen aus "Perfekt Unperfekt" passen zum Gesamtbild. Sie wollen nicht um jeden Preis geliebt werden. Und sind vielleicht gerade deshalb beliebter als je zuvor.

Alexander Diehl
teleschau | der mediendienst

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