James Bay - Chaos And The Calm
erhältlich ab
20.03.2015
Genre
  • Rock/Pop
  • Singer/Songwriter-Pop
Label
Island
Vertrieb
Universal
Laufzeit
00:48:05
Redaktion
Eure Bewertung

Zu früh gelobt

Vorschusslorbeeren gab es bereits reichlich. Singer/Songwriter James Bay gewann den Kritikerpreis bei den Brit Awards und landete auf Platz zwei der renommierten BBC-Umfrage "Sound Of 2015", die in jedem Jahr die vielversprechendsten Newcomer kürt und dabei oft treffende Voraussagen macht. Jetzt, da mit "Chaos And The Calm" das Debütalbum des 24-jährigen Briten vorliegt, lässt sich feststellen: Das Pop-Orakel dürfte Recht behalten. Mit seinem gefühlvoll-gefälligen Songwriter-Pop sollte Bay der große Durchbruch tatsächlich gelingen. Innovations- oder Kritikerpreise verdient er sich allerdings damit (noch) nicht.

Und das muss er ja auch gar nicht. Er besitzt eine warme, leicht rauchige und bei Bedarf kraftvoll-soulige Stimme und muss sich deswegen auch nicht im stillen Songwriter-Kämmerlein verstecken. Er weiß hübsch melodiöse Songs zu schreiben und zapft dafür die richtigen Inspirationsquellen an. Dass er in der Plattensammlung seiner Eltern 60er-Folk-Alben und Motown-Klassiker fand und verinnerlichte, glaubt man ihm sofort. Überhaupt ist Bays musikalischer Werdegang fast schon mustergültig authentisch: Mit elf die alte Gitarre des Vaters entdeckt, wenig später mit seinem Bruder die erste Band gegründet, mit 16 die ersten Auftritte in Pubs. Es folgten ein (nicht abgeschlossenes) Studium der Gitarre in Brighton und zahlreiche Open-Mic-Auftritte, ein Umzug nach London und erste, größere Gigs und schließlich die Entdeckung durch einen A&R-Mann einer großen Plattenfirma.

Was Bay allerdings fehlt, sind Bruchstellen - nicht nur in seiner Karriere. Er ist der Typ potenzieller Mädchenschwarm, eine echte Type - wie etwa seine britischen Songwriter-Kollegen Jake Bugg oder Ed Sheeran - scheint er nicht zu sein. Und auch "Chaos And The Calm" liefert keinen wirklichen Aufschluss darüber, wer oder was er sein will. Denn dazu besitzt das Album zu wenige wirkliche Alleinstellungsmerkmale.

Natürlich kann man Bay und seinem Produzenten Jacquire King (Kings Of Leon) als konservative Bewahrer verstehen, die gekonnt mit traditionellen Folk- und Rock-Elementen spielen. Sie verwenden einen stampfenden Rhythmus hier ("Craving"), einen hymnischen Refrain da ("Hold Back The River"), mal Funk-Gitarren und 60er-Orgel ("Collide") oder Piano und soulige Chöre ("If You Ever Want To Be In Love") und dann wieder griffige Stadionrock-Riffs ("Get Out While You Can"), die an die Kings Of Leon erinnern. Aber auch eine andere Hörart ist denkbar. Denn so gefällig wie das Album sich insgesamt präsentiert, ist es eben auch Mainstream-Pop der besseren Sorte. Und dann ist James Bay "nur" die etwas sympathischere Variante von James Blunt.

So oder so: Man gewinnt den Eindruck, dass (sein eigener) Anspruch und (die musikalische) Realität noch etwas auseinanderklaffen. Vor allem aber, dass die ganz großen Vorschusslorbeeren wohl etwas verfrüht waren.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

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