Iggy Pop - Post Pop Depression
erhältlich ab
18.03.2016
Genre
  • Rock/Pop
  • Stoner/Garage Rock
Label
Rekords Rekords/Lomavista/Caroline
Vertrieb
Universal Music
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Sein geniales Alterswerk

Alterswerk ist ein gleichermaßen abfälliger wie ehrender Begriff. Zum einen zeigt er an, dass die künstlerische Karriere einer Person sich wohl bald dem Ende zuneigt, zum anderen spricht man nur bei großen Ausnahmekünstlern überhaupt von einem sogenannten Alterswerk. Und natürlich ist Iggy Pop mit seinen 68 Jahren, diversen legendären Platten und Hitsingles (solo oder mit seiner Band The Stooges) ein Ausnahmekünstler, dazu ein Held für die Punk- und Rockbewegung gleichermaßen. "Post Pop Depression" darf also ohne Murren als ein solches Alterswerk beschrieben werden.

Wie Herr Pop letztendlich auf die Idee gekommen ist, Josh Homme (Queens Of The Stone Age, Kyuss, Eagles Of Death Metal, ...) für einer Kollaboration zu kontaktieren, ist nicht klar überliefert. Aber die Eingebung, einfach ein paar Songs aufzunehmen, ohne weitere Pläne, und auch das Ergebnis in Form dieses 17. Soloalbums, sind so genial wie überzeugend. Immerhin haben sich auch Johnny Cash und Loretta Lynn im Alter mit Rick Rubin respektive Jack White jüngere Meister gesucht, um ihrem längst legendären Status noch eine frische Brise zeitgemäßer Innovation einzuhauchen.

Was im Fall von Iggy Pop vor allem heißt, dass sich das musikalische Karussell deutlich vom eindimensionalen Garagenpunk-Schwung entfernt, ohne an Biss oder Kraft zu verlieren. Homme überzieht Pops einzigartige Stimme und Aura mit einem kraftvollen musikalischen Energydrink-Guß, der mitreißende Hooks mit sich bringt, natürlich nach vielen schneidenden Gitarren klingt, gleichzeitig nach Mexicana-Orchester und Western-Coolness.

Für Homme ist dieses Album Ehrerbietung wie kreative Herausforderung zugleich, wofür er aus seiner umfangreichen Personalsammlung Musiker wie Dean Fertita (Dead Weather, QOTSA) und Matt Helders (Arctic Monkeys) fürs Studio, zusätzlich Troy Van Leeuwen (QOTSA) und Matt Sweeney (Chavez, Zwan) für die Live-Arbeit gewinnen konnte. Sicher, dieser Homme-Sound mit Iggy-Dramaturgie wird die mitgealterten Fans, die bei jedem Konzert bloß nach "I Wanna Be Your Dog", "Passenger" oder "Candy" verlangen, deutlich hörbar vor den Kopf stoßen. Aber für Homme-Fans und aufgeschlossenen Verehrern vom (angeblichen) Erfinder des Crowdsurfings kann "Post Pop Depression" nicht weniger als ein Anwärter auf die Platte des Jahres sein.

Klaas Tigchelaar
teleschau | der mediendienst

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