Edward Sharpe & The Magnetic Zeros - Edward Sharpe & The Magnetic Zeros
erhältlich ab
30.08.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • Folk-Pop
Label
Gentleman Of The Road - Island
Vertrieb
Universal
Laufzeit
00:56:57
Redaktion
Eure Bewertung

Es war einmal ...

Die Vorstellung ist natürlich herrlich altmodisch, wildromantisch, ja fast märchenhaft. Es waren einmal drei Folk-/Country-Bands, die gemeinsam in einem alten Zug durch die USA reisten, gemeinsam ungezwungen musizierten und an ihren Haltestellen, teils auf offenem Feld, ausgelassene Konzerte gaben. So geschehen bei Mumford & Sons, Old Crow Medicine Show und Edward Sharpe & The Magnetic Zeros, die sich 2012 auf die Reise von Los Angeles nach New Orleans begaben, festgehalten in der sehenswerten Doku "Big Easy Express". Und schön auch, dass sich daraus scheinbar eine echte Freundschaft entwickelte: Das dritte, selbstbetitelte Album von Edward Sharpe & The Magnetic Zeros erscheint nun als erste Fremdveröffentlichung auf dem Mumford-&-Sons-Label Gentleman Of The Road. So weit die schöne Vorstellung. Denn von vielen liebgewonnenen Klischees bezüglich des Kollektivs um Frontmann Alex Ebert sollte man sich jetzt verabschieden.

Denn auch wenn ihre bisherigen Alben wie auch "Big Easy Express" diesen Eindruck hinterließen, die Band und ihr Frontmann wie freigeistige Tagträumer wirkten: Edward Sharpe & The Magnetic Zeros sind keine Hippies, die unter der kalifornischen Sonne Sitzkreise bilden. Das betont auch Ebert, der inzwischen mit Freundin und Tochter in New Orleans wohnt. Wenn sie "kurze Haare und Anzüge tragen würde", käme wohl niemand auf die Idee, die Band als "Hippies" zu bezeichnen, so der Sänger und Kopf der Band in einem Interview. Hinsichtlich ihres dritten Albums gilt es aber vor allem eine andere falsche Vorstellung abzulegen: Edward Sharpe & The Magnetic Zeros sind - streng genommen - keine Folk-Band.

Richtiger ist: Das vermeintliche Blumenkinder-Kollektiv liebt schlicht und ergreifend die (späten) 60er-Jahre in all ihren musikalischen Facetten. Sie spielen Rhythm & Blues mit Funkgitarre ("Better Days"), Psychedelic-Pop mit Gospel-Chören ("Please!"), Tropicalia mit Easy-Listening Bläsern ("Two"), Country mit Bluesrock-Licks ("Country Calling") oder einfach klassischen Soul ("This Life"). Frühere stampfende Folkrock-Hymnen wie "Home", die die Band tatsächlich ein wenig zu Freunden und Brüdern im Geiste von Mumford & Sons machten, sucht man bis auf "Let's Get High" vergeblich.

Aber man vermisst sie auch nicht. Die Spontaneität, Ungezügeltheit und Farbigkeit ihrer ersten beiden Alben wird allerdings, die wird von Ebert, der auch als Produzent fungierte, leider zurückgefahren. Er setzt auf ein einheitlicheres Erscheinungsbild in - wenn man so will - leichten Sepia-Tönen, Instagram-Style. Und so wirkt "Edward Sharpe & The Magnetic Zeros" einmal mehr herrlich altmodisch. Das schöne Klischee von den fahrenden Hippie-Folk-Musikanten hingegen war einmal.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc
Titel Unsere Songtexte
Let's Get High Let's Get High

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