Crosby, Stills, Nash & Young - CSN
erhältlich ab
19.07.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • Folk/Rock
Label
Rhino - Warner Music Entertainment
Vertrieb
Warner
Laufzeit
04:57:19
Redaktion
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Harmoniesüchtige Einzelkämpfer

Eine richtige Band waren sie eigentlich nie. Allein ihr Name deutet es an: Crosby, Stills & Nash waren seit ihrer Gründung 1968 immer ein Zusammenschluss von gleichberechtigten Songwritern. Eine eher lose Formation, der sich zeitweise auch Neil Young als viertes Mitglied anschloss. Aber auch wenn sie selten gemeinsam Songs schrieben, sich ihre Wege immer wieder trennten: David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash entwickelten zusammen eine harmonische Strahlkraft, die im Folkrock ihresgleichen suchte - nachzuhören auf dem lange Zeit vergriffenen, nun aber neu aufgelegten 4-CD-Boxset "CSN".

Die Tracklist der Neuauflage ist dabei deckungsgleich mit der des 1991 erschienenen Originals: In 77 Songs - und einem 68-seitigen Booklet mit kurzer Biografie, Kommentaren zu jedem Song und einer kompletten Diskografie - erzählt das Boxset mehr oder weniger chronologisch die Geschichte der Folk-Rock-Legenden lückenlos nach. Bis zu einem Zeitpunkt also, an dem die ursprüngliche Trio-Besetzung tatsächlich gerade mal vier Studioalben - ihr Debüt "Crosby, Stills & Nash" (1969) sowie "CSN" (1977), "Daylight Again" (1982) und "Live It Up" (1990) - veröffentlicht hatte. Doch wie bereits angedeutet: Crosby, Stills & Nash waren eben oft mehr - oder auch weniger - als eine richtige Band.

Sie waren Musiker, die zunächst von ihren alten Bands genug hatten: Wegen musikalischer und persönlicher Differenzen waren sowohl David Crosby bei den Byrds, als auch Stephen Stills bei Buffalo Springfield und Graham Nash bei den Hollies ausgestiegen. Drei Querköpfe, die auch äußerlich eigentlich nicht zusammenpassen wollten, wie "Rolling Stone"-Redakteur Chet Flippo im Booklet beschreibt: Crosby, der "herumstolzierende Buffalo Bill", Stills, der "heimliche Beach Boy" und Nash, "der einem Dickens-Roman entsprungen schien".

Tortz aller Gegensätze: Die unteilbare, harmonische Einheit ihrer drei Stimmen beeindruckte nicht nur das Trio selbst, sondern auch das Publikum. Ihr Debüt mit Songs wie dem poetisch-progressiven Siebenminüter "Suite: Judy Blue Eyes" (Stills), dem fernöstlich angehauchten "Marrakesh Express" (Nash) und dem Anti-Kriegssong "Wooden Ships" (Crosby und Stills) machte das Trio zu Folkrock-Superstars. Fast alle Songs des epochalen Erstlings sowie auch des zweiten, gemeinsam mit Neil Young aufgenommenen Albums "Déjà Vu" sind auch auf "CSN" zu finden - teilweise in alternativen Mixen oder Demo-Versionen. Ein Umstand, der das Boxset sowohl für Einsteiger als auch für Kenner der Band attraktiv macht.

Zudem geht "CSN" aber auch notwendigerweise in die Breite, um ein Gesamtbild ihres (gemeinsamen) Schaffens zu liefern. Denn so fragil der Zusammenschluss aufgrund von Soloaktivitäten, Streitigkeiten und Superstar-Allüren der drei (mit Young vier) Musiker auch gewesen sein mag: Die Protagonisten stellten ihr Songwriting-Talent immer auch jenseits der Band unter Beweis. So finden sich Solostücke von Stills ("Love The One You're With") und seiner Country-Band Manassas ("Johnny's Garden"), von Crosby & Nash ("Immigration Man") sowie von Crosby ("Music Is Love") und Nash ("Military Madness") auf dem Boxset. Und auch wenn kaum eine der Solo- und keine der 80er-Jahre-Nummern die Qualitäten ihrer frühen Songs besitzt: "CSN" zeigt, was für eine wichtige Band Crosby, Stills & Nash waren.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

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