Wolfgang Niedecken - Zosamme alt
erhältlich ab
13.09.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • Country/Blues
Label
Vertigo - VEC
Vertrieb
Universal
Laufzeit
01:01:11
Redaktion
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Liebe ohne Kitsch

Plötzlich ist es Herbst - er kam viel schneller, als man ihn erwartete. Wenn Wolfgang Niedecken diese Feststellung macht, im Opener und Titelsong seines neuen Soloalbums, dann redet er vom endgültigen Herbst, nicht dem, der jährlich wiederkehrt. Die Melancholie ist auf "Zosamme alt" nicht wegzudiskutieren. Sie ziert das akustische Werk des Kölner Urgesteins, das er ohne seine Band BAP eingespielt hat.

Wolfgang Niedecken und BAP haben jahrzehntelang allgemeingültigen Regeln getrotzt. Obwohl sie kaum einer jenseits des Refrains versteht, sind die Kölner mit den 17 Alben nationale Stars, wohlgelitten und verehrt. Als Niedecken Ende 2011 einen Schlaganfall hatte, hatte er richtig viel Glück. Danach macht sich auch ein Mann, der vielleicht weniger ausließ als die meisten, daran, vergessene Ideen auszugraben. Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen war, stöberte er in seinen Texten - und zwar ausschließlich in denen, die er in knapp 25 Jahren immer wieder über seine Frau geschrieben hat. Er nahm die Songs, die größtenteils schon in BAP-Versionen existieren, in Woodstock auf, gemeinsam mit amerikanischen Musikern wie Larry Campbell (ehemals in Bob Dylans Band) und Steuart Smith (Eagles).

Und diese Vorzeichen trügen nicht: "Zosamme alt" ist ein warmes, akustisches Country-/Blues-Album mit Tiefgang geworden, den man vielleicht hier und da erahnen oder sich übersetzen lassen muss. Die Instrumentierung ist eher spartanisch, die Grundstimmung beruhigend. Das gilt auch für die Texte: Wenn Niedecken sinngemäß "Es ist nicht alles rund gelaufen, wär auch ein wenig viel verlangt für zweieinhalb Jahrzehnte" singt, gelingt ihm kurz und prägnant, was bei anderen peinlich gerät. Das konnte er schon bei "Verdamp lang her". Er ist ein Mann der einfachen Wahrheiten. Das Besondere ist, wie gelassen er dabei bleibt. Auch wenn der Herbst vor der Tür steht.

Claudia Nitsche
teleschau | der mediendienst

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