Vampire Weekend - Modern Vampires of the City
erhältlich ab
10.05.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • Indie-Pop
Label
XL - Beggars Group
Vertrieb
Indigo
Laufzeit
00:42:55
Redaktion
Eure Bewertung

Wer bin ich?

Erst der College-Abschluss, danach die Welt erkunden - und dann? Zurück in der Heimatstadt beginnt mit Ende 20 der Ernst des Lebens. Mit all den Unsicherheiten: Woher komme ich? Was bringt die Zukunft? Und wen kümmert das alles? Auch Ezra Koenig, 29, studierter Literaturwissenschaftler aus New York, stellt sich diese Fragen. Doch mehr als (s)ein Leben abbilden kann der Sänger, Gitarrist und Texter von Vampire Weekend auch nicht. Auf "Modern Vampires Of The City" erzählt er von Figuren und Geschichten aus der Großstadt, während über allem die große Sinnfrage schwebt: Warum?

Das dritte Album der Indie-Pop-Band ist - vor allem textlich - eine konsequente Weiterentwicklung. Irgendwann lungert man eben nicht mehr auf dem "Campus" herum. Man kramt nicht mehr aus der Plattensammlung der Eltern Paul Simons Klassiker "Graceland" hervor. Und Fragen nach der richtigen Verwendung eines "Oxford Comma" werden irgendwie egal. Auch wenn Vampire Weekend dem Image, das ihr selbstbetiteltes Debüt 2008 von ihnen zeichnete, bereits mit dem vielseitig weltmusikalisch interessierten Nachfolger "Contra" (2010) gaben: Erst jetzt, mit "Modern Vampires Of The City", gelingt dem Quartett aus New York das Album, mit dem das Bild von den nerdigen Ex-College-Studenten mit Vorliebe für Afro-Beat-Rhythmen nicht mehr zu halten ist.

Denn Vampire Weekend beziehen ihre Inspiration nicht mehr länger aus mehr oder weniger offensichtlichen Quellen der Popmusikgeschichte oder schlauen (Grammatik-)Büchern. Stattdessen saugen sie die Energie der Großstadt auf, beleuchten ihre Komplexität, feiern ihre lauten wie auch die leise-nachdenklichen Momente. Koenig und Co. treiben ihren bekannten Indie-Pop-Sound in die Extreme: Der Opener "Obvious" ist eine anrührende, teilweise mehrstimmig vorgetragene Piano-Ode an einen arbeitslosen Freund, bei der man - dank sanfter Maschinen-Rhythmen - jenen fast beim Stempeln zuhören kann. "Diane Young" ist hingegen eine überdrehte, fast schon verstörend basslastige Rockabilly-Nummer, bei der Koenigs Stimme zudem teilweise durch den Autotune-Fleischwolf gedreht wird. Erzählt er die Geschichte eines verwöhnten Mädchens, das aus Langeweile einen Saab abfackelt? Oder ist der Text eher als Reflexion über den frühen Tod (ein Wortspiel: "dying young") zu verstehen? Egal. Wichtig ist, dass Koenig sich nicht mehr mit Nebensächlichkeiten aufhält. Seine Fragen nach dem "Warum?" richten sich nach ganz oben.

Nicht nur "Everlasting Arms" und "Worship You" spielen textlich mit religiösen Motiven. Im herrlich zu Piano und Streichern galoppierenden "Unbelievers" wünscht sich Koenig angesichts der kalten, ihn umgebenden Welt gemeinsam mit seinem Mädchen in das wärmende Feuer, das die Ungläubigen erwartet. Höhepunkt des Albums ist aber "Ya Hey": Der Sänger wagt die Zwiesprache mit Gott, fragt ihn, wie er angesichts des ganzen Hasses auf ihn überhaupt so leben kann. Es ist ein Song zwischen Ernst und Wortspiel-Witz, zwischen sakralem Pop mit großem Kirchenchor und Micky-Maus-Stimmen im Refrain. Antworten erhält Koenig natürlich nicht. Aber solange er sich solche Fragen stellt, muss man sich um die Zukunft von Vampire Weekend keine Sorgen machen.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc 1
Titel Unsere Songtexte
1 Obvious Bicycle Obvious Bicycle
2 Unbelievers Unbelievers
3 Step Step
4 Diane Young Diane Young
5 Don't Lie
6 Hannah Hunt Hannah Hunt
7 Everlasting Arms Everlasting Arms
8 Finger Back Finger Back
9 Worship You Worship You
10 Ya Hey Ya Hey
11 Hudson Hudson
12 Young Lion Young Lion

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