Stefanie Heinzmann - Chance Of Rain
erhältlich ab
27.03.2015
Genre
  • Rock/Pop
  • Pop
Label
Polydor Island
Vertrieb
Universal
Laufzeit
00:46:47
Redaktion
Eure Bewertung

Vorsichtiges Vortasten

Manchmal reicht eben auch bloßes Talent für den Erfolg: Stefanie Heinzmann nutzte 2008 eine Semi-Blödel-Castingshow von Stefan Raab als Sprungbrett in die Charts. Ihre respektable Karriere bestreitet die sympathische Schweizerin seitdem ohne schickeren Künstlernamen und gerne auch mal im Holzfällerhemd. Heinzmann ist sowas von auf dem Boden geblieben, dass man schon glaubte, sie würde dort Wurzeln schlagen. Aber nein: Diesmal ist alles anders, verspricht die Plattenfirma. Für "Chance of Rain" reiste sie unter anderem nach Nashville, L.A., London und Berlin, um "ihr bisher ehrlichstes, offenstes und mutigstes Album" zu schaffen. Wer sich nun sorgt, Heinzmann habe ihn also demzufolge mit ihren bisherigen Veröffentlichungen verlogen und feige an der Nase herumgeführt, der sei beruhigt: "Chance Of Rain" unterscheidet sich gar nicht allzu sehr von seinen Vorgängern.

Mit der ersten Single "In The End" hätte man sich schon seit einer Weile übers Radio an den radikalen Wandel in Heinzmanns Sound gewöhnen können - wenn es den denn gäbe. Der Song ist dem gleichen Power-Pop-Rock verschrieben, der auch schon etwa "Diggin' In The Dirt" vom Vorgängeralbum prägte. Auch die klavierlastige Powerballade "On Fire" schlägt in die gleiche Kerbe.

Erst mit "Stranger In This World" gibt's eine echte Änderung: Mit weicher Stimme schmiegt Heinzmann sich hier in eine hallige Soundlandschaft, die mit ein paar Effekten angereichert, aber nicht überladen wurde. Siehe da - auch der wohlige Seelentröstersong steht ihr ganz gut, vielleicht sogar besser als die Rolle der Rockröhre. Hübsch gelungen ist auch "Glad To Be Alive", das mit Funk-Bass und Handclaps vielleicht zu entspannt für eine Gute-Laune-Granate ist, aber durchaus den einen oder anderen Fuß zum Wippen bringen kann.

Dazu gibt's noch ein wenig gutgelaunten Geradeausrock ("Devil On My Shoulder") und ein paar künstlich per Hall auf emotionale Größe aufgeblähte Mutmachhymnen ("Closer To The Sun", "Chance Of Rain") - teilweise vielleicht neu für Heinzmann, aber keinesfalls für den Hörer. Immerhin: Ein paar neue Richtungen hat die Sängerin hier tatsächlich zaghaft ausprobiert. Auf die nächste, dann vielleicht noch ehrlichere und offenere Veröffentlichung darf man also durchaus gespannt sein.

Sabine Metzger
teleschau | der mediendienst

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