Rihanna - Anti
erhältlich ab
28.01.2016
Genre
  • Rock/Pop
  • R'n'B
Label
Def Jam / Roc Nation
Vertrieb
Universal
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Gegen den Strich

Es kam nicht anders als erwartet: Rihanna wirft ihr neues Album "Anti" über Nacht auf den Markt. Zwar scheint die R'n'B-Schönheit künstlerisch nicht mehr ganz so relevant zu sein wie noch vor drei, vier Jahren. Und bei Künstlern wie Dr. Dre ("Compton", August 2015) ist ein solches Plötzlich-Release dann doch aufregender, da auch überraschender. Mit einem geheimnisvollen, längst enthüllten Artwork und immer souverän-anmutigeren Auftritten, fern von früheren beinahe-pornografischen Ausflügen, bekam man zuletzt aber das Gefühl, dass sich da jemand gefunden hat. Rihanna schien in ihrer Aufmachung auch kunstbewusster geworden zu sein. Und tatsächlich schlägt RiRi eine neue Richtung ein. Auch in der Vermarktung: "Anti" kann kostenlos geladen werden.

Da steht es nun bereit, auf Tidal. Doch nicht wie zuerst vermutet versperrt für die Mehrheit von Musikliebhabern. Wohl auch weil Jay-Zs Streamingrevolte nie aus dem Quark kam und auch Exklusiv-Releases von zuletzt Prince nichts änderten, kann das Album per Newsletter-Eintrag kostenlos angefordert werden. Wer das in Kauf nimmt, kommt in den Genuss eines "Good Girls", das nicht mehr allzu "bad", sondern allmählich "serious" wird. Die Tage, in denen Rihanna nur Bums-Beat-Disco-Braut war, scheinen vorüber. Gut so.

Natürlich hat "Anti" weder die musikalische noch die lyrische Tiefe von D'Angelos jüngster R'n'B-Vernichtung "Black Messiah". Jeder Vergleich wäre auch unfair. Doch ob es der karge doch anziehende Einstieg mit "Consideration" ist oder das wüstentrockene "Desperado": Aufsehen wird auf "Anti" mit Zurückhaltung erreicht. Anbiedernd ist nichts. Auch die Balladen gehen weg von adele'schem Brachial-Soul, der aber auch jeden gewünschten Gefühlszustand vorgibt. Eine Ausnahme ist vielleicht "Love On The Brain".

Auch wenn die Untermalung mit Dezenz und Besinnlichkeit spielt, kann Rihanna allerdings auch direkt und eindeutig: "Yeah, I Said It" ist zwei Minuten 13 Sekunden purer Sex - ohne alte Aufdringlichkeit, zumindest musikalisch. Ohnehin sind die kurzen Stücke wie "Higher" (2:00 Min.) und "James Joint" (1:12 Min.) richtiggehende Aufheller und lassen die zurückgefahrene Instrumentierung immer wieder abwechslungsreich klingen. Für null Euro bekommt man aktuell nichts Besseres.

Max Trompeter
teleschau | der mediendienst

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