Paul Kalkbrenner - 7
erhältlich ab
07.08.2015
Genre
  • House/Techno
  • Techno
Label
Columbia
Vertrieb
Sony
Laufzeit
00:01:02
Redaktion
Eure Bewertung

Das verflixte Siebte

Er ist eines der Aushängeschilder der deutschen Elektroszene. Für sein siebtes Studioalbum "7" hat sich Paul Kalkbrenner mal wieder etwas mehr Zeit genommen. Und dabei ist er - nach eigener Einschätzung - musikalisch näher an dem dran, was er eigentlich immer machen wollte. Zugegeben, das neue Album klingt dank sanftem Bass unaufgeregter und melodischer als vieles davor. Dem entgegengesetzt werden einige Tracks mit einer Prise Trance befüllt. So bietet Kalkbrenner auf "7" zwar einen abwechslungsreichen Sound - musikalisch spannend ist die Platte allerdings nicht wirklich.

Am Anfang stehen hallende Synthesizer, die lauter werden, an Fahrt aufnehmen. Immer mehr Klänge kommen hinzu, durch die sich der Opener "Battery Park" aufbaut, um am Ende nicht etwa auszubrechen, sondern sich wieder zurückzunehmen - ein klassischer Minimal-Track eben. Was Paul Kalkbrenner hier neu erfunden haben soll, bleibt zu Beginn seiner neuen Platte "7" unklar. Eine Sache wird jedoch deutlich: Man hört die Ruhe, die gerade in den ersten Songs steckt.

Das mag zum einen daran liegen, dass sich der 38-Jährige nach "Guten Tag" und "Icke wieder", die jeweils innerhalb von drei Monaten entstanden sind, für "7" eineinhalb Jahre Zeit genommen hat, um die Songs kennenzulernen. Zum anderen bringt vielleicht sein Alter genug Erfahrung mit sich, ihnen auch mal Luft zu geben und sie zu entschleunigen. Das Ergebnis ist ein einladendes und freundliches Album, das aber leider aufgrund fehlender Varianz den Hörer nicht wirklich mitnimmt. Lediglich ein paar Elemente, wie das Pfeifen auf "Cylence 412" oder die Vocals, mit denen einige wenige Tracks gespickt sind, bringen ein wenig Abwechslung.

Erst nach einiger Zeit nimmt das Album an Fahrt auf. Auf "Feed Your Head" sampelt der Wahl-Berliner den Jefferson Airplane Hit "White Rabbit" - vorteilhaft für ihn, dass er sich für dieses Album zum ersten Mal im Sony-Archiv austoben und Schätze wiederverwerten durfte. Der Song, den Kalkbrenner selbst als seinen bis dato besten Track bezeichnet, baut sich abermals Stück für Stück auf, entlädt sich dann aber voller Pathos in Grace Slicks Stimme. Mit wesentlich mehr Soul-Pop wird auf "A Million Days" dieses Motiv weitergeführt und mündet leider in einem Hauch von Kitsch.

Einen ganz anderen Ton schlägt Kalkbrenner allerdings auch noch an: Auf "Mothertrucker" kehrt das Aushängeschild der deutschen Elektroszene zu den Wurzeln des Techno zurück und schafft einen deepen, fast bösen und aggressiven Track, der gut in altbekannten Techno-Schuppen laufen könnte. Eine ähnliche Richtung schlägt auch "Align the Engine" ein - nur dass hier verzerrte Beats und außerirdische Töne einen Science-Fiction-Klang erzeugen.

Die siebte Platte des gebürtigen Leipzigers ist von allem etwas - aber nichts Richtiges. Sie bewegt sich zwischen eingängigen, melodischen und düsteren, fordernden Sphären, verleitet zum Träumen und schlägt mit Härte zurück. Doch leider zeichnet "7" zu oft Monotonie und Gefälligkeit aus. Obwohl das Album hin und wieder durchaus aufgeregt ist - sonderlich aufregend ist es nicht.

Julia Röhl
teleschau | der mediendienst

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