Pur - Achtung
erhältlich ab
18.09.2015
Genre
  • Rock/Pop
  • Schlager-Pop/-Rock
Label
Music Pur
Vertrieb
Universal
Laufzeit
00:55:09
Redaktion
Eure Bewertung

Große Themen, große Gefühle

Drei Jahre sind seit dem letzten Pur-Album "Schein und Sein" vergangen. Es war das erste Werk seit "Abenteuerland" von 1995, das nicht auf Platz eins in die deutschen Album-Charts sprang. Dieser "Fauxpas" wird mit dem neuen Werk, das im Titel nur zufällig an ein in Berlin aufgenommenes U2-Werk erinnert ("Achtung, Baby", 1991), nicht passieren. Im Fahrtwasser der zweiten VOX-Musikshow "Sing meinen Song", bei der Sänger und Songwriter Hartmut Engler die Pur-Hits auch noch einmal der jüngeren Generation näherbringen konnte, dürfte sich "Achtung" verkaufen wie geschnitten Brot.

Gleich der Eröffnungstrack "Wer hält die Welt" ist ein dynamisch-poppiges und überaus modernes Duett zwischen "Sing meinen Song"-Gastgeber Xavier Naidoo und Engler. Im Background singt auch noch Caro Niemczyk von Glasperlenspiel mit. Man hat sich also verjüngt. Das Stück liefert Denkanstöße im zwischenmenschlichen Umgang. Alles modern und catchy. Aus dem "Abenteuerland" ist diesmal das "Heimwehland" geworden. Das klingt schon eher nach Pur, wie man sie kennt: "Alles, was ich je erreiche, liegt in meinem Heimwehland", singt Engler pathosschwanger.

In der mit Streichern dekorierten Akustik-Ballade "Vermiss dich" begibt sich Engler als "liebeskranker Held" in ein dunkles, promillehaltiges Kapitel seiner eigenen Biografie: "Ich sitz im weißen Zimmer, rede über dich und was da war. Der Mann da gegenüber macht mir meine Fortschritte klar." Mutige Worte in nettem Musikgewand. Der Refrain des Titelsongs besticht durch ein Streicherloop, während Engler zu mehr "Achtung und Respekt" aufruft. Den Song gibt es als Bonus-Track auch noch mit Kinderchor zugunsten der Toni-Kroos-Stiftung. Auch eine Version mit allen "Sing meinen Song"-Kollegen ist erhältlich. Bei "Guter Stern" wird es zum ersten Mal rockig und rhythmisch. Man möchte gar miteinstimmen in die mitreißenden "Ohohoho"-Chöre - ein echter Ohrwurm!

Ausgerechnet "Lichter aus" beginnt mit einem feiertauglichen Synthesizer-Riff, dabei versteckt sich hinter dem Party-Beat ein Song, der auf die Flüchtlingssituation anwendbar ist: "Ach, wie gut das tut, wir helfen", singt Engler anfangs, um dann später hinterzuschicken: "Die bleiben draußen, wir sind drinnen. Die Party steigt in unserem Haus." Ein politischer Song, der sich durchaus als Neuland für Pur bezeichnen lässt. Mit "Land in Sicht" darf aber auch der aufmunternde, hoffnungsvolle Pur-Durchhalteparolen-Song nichr fehlen.

"Anni" erzählt die frühe Lebensgeschichte von Englers heute 90-jähriger Mutter als Kriegsflüchtling aus dem Sudentenland - eine vertonte Biografie sozusagen. Der Rausschmeißer ist eine leise Piano-Ballade, in der Engler zum Besten gibt: "Manchmal wenn ich traurig bin, höre ich dieses Lied." So sind Pur nun mal. Ein bisschen was fürs Herz, ein bisschen was fürs Hirn. Da bleiben keine Wünsche offen.

Katja Schwemmers
teleschau | der mediendienst

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