Nine Inch Nails - Hesitation Marks
erhältlich ab
30.08.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • Indudstrial-Rock/Ambient/EBM
Label
Polydor - UMI
Vertrieb
Universal
Laufzeit
01:01:50
Redaktion
Eure Bewertung

Visionäres Klangdesign

Die Hoffnung? Ein Kartenhaus fein säuberlich platzierter Rechtecke. Stockwerk für Stockwerk aufeinander aufgebaut, immer höher, immer weiter. Ein selbstragendes, aber instabiles Gerüst, das durch jeden baulichen Fehler unweigerlich zum Einsturz gebracht wird. Konstrukteure benötigen eine ruhige Hand und viel Geduld, um ihren fragilen Traum so weit zu stabilisieren, dass er nicht unter lautem Getöse in sich zusammenkracht. Doch manchmal wirkt ein in sich zusammenfallendes Haus, mit all dem Lärm und dem Staub, das es aufwirbelt, befreiend und selbstreinigend. Das weiß niemand besser als Trent Reznor, der als Mastermind der Nine Inch Nails auf so ziemlich alle Höhen und Tiefen musikalischer Ingenieurskunst blicken kann. Mit "Hesitation Marks" versucht sich der Pionier des modernen Industrial-Rock nun weniger als Architekt, sondern vielmehr als Designer seiner Klangvision.

Von maßlosem Selbsthass regelrecht zerfressen, ließ Trent Reznor 1989 das Nine-Inch-Nails-Debüt "Pretty Hate Machine" auf die Menschheit los - ein Koloss unfassbarer Agonie und nihilistischer Gefühlsausbrüche. Das fünf Jahre später veröffentlichte "The Downward Spiral" fügte seiner von Todessehnsucht geplagten Seele eine Klaviatur schwärzester Poesie hinzu. Die Reise seiner autoaggressiven Apokalypse nahm die romantisierende Sichtweise von Goethes Werther an: musikalische Dekonstruktion als Katharsis.

Auf "Hesitation Marks" steht Reznor in einer Industrial-Ruine und filtert die kalte Asche elektronischer Tanzmusik durch ein feinmaschiges Rock-Sieb. Eingängige Pop-Beats balancieren leichtfüßig auf wackligen Piano- und Gitarrenrhythmen. Kein Schreien und kein klagendes Flehen weicht von Reznors Lippen, er bietet seinen Songs mit ruhiger und fast schon sanfter Stimme die Stirn. Keine misanthropische Bauhaus-Konzeption vergangener Tage, sondern vielmehr durchgestyltes und kühles Art déco.

Nur einmal droht ihm dann doch das Design-Biest, das Kartenhaus in sich zusammenzufallen: Der stromlinienförmige Alternative-Rocker "Everything" ist ein kleiner dunkler metallischer Fleck auf der sonst makellosen Plastikoberfläche. Aber das Kartenhaus steht. Und die instabilen Wände und die poröse Decke halten dem äußeren Druck der Erwartung stand. Die Nine Inch Nails widmen sich wieder ihrer Arbeit.

Ben Hiltrop
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc 1
Titel Unsere Songtexte
1 The Eater of Dreams The Eater of Dreams
2 Copy of A Copy of A
3 Came Back Haunted Came Back Haunted
4 Find My Way Find My Way
5 All Time Low All Time Low
6 Disappointed Disappointed
7 Everything Everything
8 Satellite Satellite
9 Various Methods of Escape Various Methods of Escape
10 Running Running
11 I Would for You I Would for You
12 In Two In Two
13 While I’m Still Here While I’m Still Here
14 Black Noise
18 Trent Reznor in Conversation With...

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