Neil Young - Peace Trail
erhältlich ab
09.12.2016
Genre
  • Folk
  • Folk-Rock
Label
Reprise
Vertrieb
Warner
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Mit dem Mut der Verzweiflung

Wer das neue Album von Neil Young auf der Internetseite des Musikers bestellt, bekommt, wenn er denn möchte, ein Baseballcap dazu. 100 Prozent bio, versteht sich. Macht 30 Euro extra.

Die Rettung der Welt, bei Neil Young war sie schon immer ein etwas elitäres Vergnügen. Auf "The Monsanto Years" etwa beschäftigte sich der Musiker mit den Machenschaften des umstrittenen Biotech-Konzerns, auf "Earth" ging es ihm um den Umweltschutz. Durchaus sperrige Themen für ein Rock-Album. "Peace Trail", Album Nummer 37 in der langen Diskografie Youngs, ist wieder benutzerfreundlicher geraten, schlanker und zugänglicher als die letzten Alben. Seinen alten Themen bleibt Young dennoch treu.

"Peace Trail" ist, von einer Platte mit Coversongs abgesehen, das erste Soloalbum von Neil Young seit sechs Jahren. Untätig war der Kanadier in der Zwischenzeit allerdings nicht: Mit Crazy Horse, Jack White und zuletzt Promise Of The Real warf er ein Album nach dem anderen auf den Markt - mit Archivstöbereien und nun dem aktuellen Werk sind es neun in vier Jahren! Den Klangexperimenten der letzten Platten hat er auf "Peace Trail" nun abgeschworen. In nur vier Tagen nahm er das Album mit einem Drummer und einem Bassisten auf, und so spontan und reduziert klingt die Musik dann auch.

Eingespielt wurde "Peace Trail" noch vor der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Dennoch: "The world is full of changes / Sometimes all these changes make me sad", singt Young prophetisch im Titeltrack, der ersten Nummer des Albums. Grund zum Zornigsein gibt es für den 71-Jährigen auch ohne Trump genug; Protest scheint für ihn Lebensinhalt geworden - auch wenn es für einen Moment so wirkt, als habe sich Neil Young angesichts all der Schlechtigkeiten dieser Welt für den Rückzug ins Private entschlossen: "Think I'll hit the Peace Trail / Take a trip back home to my old town / 'Cause everyone back there says / Something new is growing", heißt es in den ersten Minuten des neuen Albums.

Doch der Mann wirkt gespalten: "Can't stop working" singt er im gleichnamigen zweiten Song, nur um im selben Atemzug doch wieder über eine Auszeit nachzugrübeln. Spätestens auf "Indian Giver" aber ist er wieder da, der Neil Young, der auch im fortgeschrittenen Alter noch immer überzeugt ist, Musik könne die Welt verändern. Er singt an gegen eine Ölpipeline, die quer durch Indianerland führen soll: "There's a battle raging on the sacred land", analysiert er, "I wish somebody would share the news", bettelt er - und wurde tatsächlich erhört: Das Projekt wurde kürzlich auf Eis gelegt. Das muss Wasser auf die Mühlen des umtriebigen Protestlers gewesen sein.

Noch viel zu tun gibt es dennoch. Den grassierenden Rassismus in den USA klagt Neil Young auf "Terrorist Suicide Hangliders" an: "I know who to blame / It's all these people with funny names / Moving into our neighbourhood". In "John Oaks" singt er über einen rechtschaffenen Schwarzen, der sich nach einer Demonstration auf dem Friedhof wiederfindet. "I'm lost in this new generation", heißt es einmal. Es ist sehr düster im Amerika des Neil Young. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie die Nachfolgeplatte zu "Peace Trail" aussehen mag, dann wohl tatsächlich unter einem Präsidenten Trump.

Sven Hauberg
teleschau | der mediendienst

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