MS MR - How Does It Feel
erhältlich ab
17.07.2015
Genre
  • Rock/Pop
  • Dream Pop
Label
Columbia
Vertrieb
Sony
Laufzeit
00:43:48
Redaktion
Eure Bewertung

Echte Gefühlswallungen

Was waren die Vorschusslorbeeren groß, als MS MR mit ihrer ersten Single "Hurricane" neuen Wind in die Szene wehten. Ein Indie-Pop-Versprechen, dass das dazugehörige Album "Secondhand Rapture" allerdings nur bedingt einhalten konnte. Zwar funktionierte die Platte als düsteres Ganzes sehr gut. Allein die vorausgeschickte Single legte die Messlatte aber so hoch, dass man nicht umhin kam, später zumindest ein wenig enttäuscht zu sein. Dass das gemischtgeschlechtliche Duo aus New York doch zu Größerem berufen ist, zeigt es auf seinem zweiten Album "How Does It Feel" - es mischt überraschend viel Farbe ins Schwarz.

Klangen MS MR auf "Secondhand Rapture" noch düster und unbequem, sind die Anleihen aus Indie- und Dream-Pop sowie Dark Wave jetzt fast gänzlich verschwunden. Dafür finden sich etliche Disco-Elemente in den zwölf Songs. Allein wie das Piano auf dem Song "Reckless" immer wieder angeschlagen wird, während Sängerin Lizzy Plapingers Stimme jubilierend zuckt, würde das Herz eines jeden Disco Stus höher schlagen lassen.

Plötzlich machen MS MR Musik, zu der viel mehr getanzt als "geshoegazt" werden kann. Dabei geht das Duo ein hohes Risiko ein, stellt es doch die erste Single "Painted" wieder an den Anfang des Albums. Das treibende Stück geht gleich zu Beginn hohes Tempo, irritiert den geneigten Zuhörer, der womöglich weniger Geschwindigkeit erwartet hat und spielt mit dessen Verwirrung: "What did you think would happen?", heißt es da. Die Meta-Ebene grüßt freundlich.

Das funktioniert so allerdings nur durch einen reichlich ironischen Umstand. "Painted" hat nicht dieselbe Tiefe wie "Hurricane" anno 2013 und setzt dementsprechend die Messlatte nicht erneut zu hoch. Es ist ein guter Anfang für ein Album, der noch genügend Spielraum zur Steigerung lässt. Beispielsweise für einen Song wie "Criminals", der einlädt, sich unter der Glitzerkugel zu verlieben, sich zu küssen und schließlich gemeinsam durchzubrennen. Überhaupt findet lyrisch viel um das omnipräsente Thema Liebe statt. Zwar vermögen MS MR nicht unbedingt, ihre Hörer in Ekstase zu versetzen, aber immerhin die richtigen Knöpfe zu drücken, um die Pop-Maschine kräftig zu ölen und am Laufen zu halten.

Am Ende bleibt ein Konflikt: Selten war es so schwer zu sagen, ob das Zweitwerk einer Band besser ist als das Debütalbum. MS MR haben ihre Identität gewechselt. Als wäre die Decke ihres dunklen Kämmerchens aufgebrochen und ein Regen aus Glitzer hätte alles funkeln lassen. Nein, "How Does It Feel" lässt sich einfach nicht mit "Secondhand Rapture" vergleichen. MS MR gehen einen Weg, den die alten Freunde vielleicht nicht mitgehen, auf dem sie aber neue Treffen werden. So fühlt es sich jedenfalls an.

Arne Lehrke
teleschau | der mediendienst

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