Little Boots - Working Girl
erhältlich ab
10.07.2015
Genre
  • Elektro-Pop
  • House/Techno
Label
On Repeat / Dim Mak
Vertrieb
Warner
Laufzeit
00:45:46
Redaktion
Eure Bewertung

Harte Worte auf weichen Beats

Deutliche Worte, die nicht zu überhören sind - das lässt sich Little Boots auch nicht vom gefällig-harmlosen Elektro-Pop im Hintergrund wegnehmen. "I didn't promise I'll be perfect, I didn't promise that I'll play the game" ("Real Girl") - das klingt wie eine verzweifelte Entschuldigung, während im Titeltrack schlicht nur noch eindimensional geklagt wird: "It's so hard, it's so hard for a working girl". Textlich hat Victoria Hesketh alias Little Boots auf ihrem dritten Album also einiges abzuarbeiten. Musikalisch jedoch bewegt sich die im englischen Blackpool geborene Künstlerin mit "Working Girl" auf festem Terrain.

Hintergrund dieser selbstmitleidigen Vorwürfe ist sicherlich die Tatsache, dass Hesketh als Sängerin, Pianistin und Produzentin nach ihren recht erfolgreichen Vorgänger-Alben "Hands" (2009) und "Nocturnes" (2013) der harte Gegenwind des Musikgeschäfts voll erwischte. Infolge des Verlusts ihres Majordeals, welcher noch das Debüt begleitete, und der Gründung ihres eigenen Labels, ist nun wohl die Zeit für eine Abrechnung gekommen.

So zieht Little Boots hart mit ihren ehemaligen Geschäftspartnern, der schnelllebigen Leistungsgesellschaft und der Monotonie gewöhnlicher Bürojobs ins Gericht. Dabei lässt sie sich selbst jedoch häufig außen vor, liefert Betrachtungen aus der Sichtweise einer enttäuschten, teilweise wütenden Beobachterin. Vieles davon scheint oberflächlich zwar nachvollziehbar, schützt letztendlich aber nicht davor, dass die Musik dabei auf der Strecke bleibt. Die lieblich-plätschernden Beats, die kleinen Synthesizer-Melodien, die vereinzelten Harmoniegesänge - daran hat man sich schon vor einigen Jahren bei Goldfrapp, Ladytron oder gar Kylie Minogue sattgehört. Und deren Songs blieben danach immerhin im Ohr.

Gerade die Kombination von austauschbarem, teils antiquiert wirkendem Sound und einer textlich stringenten Botschaft für das ganze Album wirkt unbeholfen. Es stellt sich die Frage, wohin die Reise für Little Boots gehen soll? Diejenigen, die sich für eine kritische Botschaft interessieren, suchen diese in einer anderen Musik-Spielart. Und im  Umfeld der Easy-Listening-Beschallung in Clubs und Cafés interessiert es höchstwahrscheinlich keinen Zuhörer, welche Probleme ein Popstar mit Schlagseite gerade zu verarbeiten hat. Die Hoffnung, dass diese Reinigung der Seele bei Little Boots zukünftig Platz für neue, kreativere Höhenflüge schafft, stirbt aber bekanntlich zuletzt.

Klaas Tigchelaar
teleschau | der mediendienst

0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.

Qmn