Lana Del Rey - Honeymoon
erhältlich ab
18.09.2015
Genre
  • Rock/Pop
Label
Vertigo
Vertrieb
Universal
Laufzeit
01:05:06
Redaktion
Eure Bewertung

Koketterie mit der Langeweile

Nur wenig erscheint dem geneigten Zuhörer unangenehmer als der gescheiterte Versuch eines Musikers, sich eine geheimnisvolle Aura zu verleihen. Beobachten lässt sich eine solche Entwicklung ausführlich an Hipster-Diva Lana Del Rey: Konnte man ihrem Hit-Album "Born To Die" 2012 noch eine gewisse unnahbare Lässigkeit abgewinnen, setzte bereits im vergangenen Jahr mit "Ultraviolence" ein Banalisierungs-Prozess ein, der auf ihrem vierten Langspieler "Honeymoon" nun seinen vorläufigen Höhepunkt findet. Darauf entfernt sich die 30-Jährige wieder von der rockigeren Attitüde der Vorgängerplatte, schmachtet sich dafür mit ihrer nach wie vor fantastischen Stimme wieder durch völlig ironiefreie Pathos-Arrangements. Man könnte das düster nennen, mystisch und geheimnisvoll. Dabei ist es doch die meiste Zeit nur: langweilig.

Am Anfang war da die divenhafte Erscheinung, die mit dunkler Stimme von "Video Games" sang. Das mochte man, es war neu, widersprüchlich, hip. Inzwischen liegt der Hype um Lana Del Rey drei Jahre zurück. Geblieben scheint von der damaligen Aufregung nur eine wunderbare Stimme. Deren Potenzial reizt Lana Del Rey auch auf "Honeymoon" wieder aus. Wäre er isoliert betrachtbar - man könnte diesen Gesang in seiner reizenden Monotonie wirklich genießen.

Doch er gehört ja zu jener Kunstfigur, zu der sich Del Rey in der kurzen Zeit ihres Superstar-Daseins stilisierte. Leider gelingt es der gebürtigen New Yorkerin auf "Honeymoon" nicht, ihrer recht eindimensionalen Schöpfung jenseits von Duckface-Verführung und esoterischer Geheimnistuerei etwas Wesentliches hinzuzufügen. Es geht, von sphärischen Streicher-Arrangements begleitet, wieder um die Schwierigkeiten der Liebe, die Genüsse der Liebe, Liebesschwüre und Liebesgeschichten von Hollywoodstars und die Liebe an sich - vom Titelsong "Honeymoon" über "Religion" ("Cause you're my Religion", gähn) bis zum leider recht misslungenen Cover von "Don't Let Me Be Missunderstood".

Keine Frage, man darf es Lana Del Rey hoch anrechnen, dass sie sich von den Ausflügen in Pseudo-Rockgefilde auf "Ultraviolence" wieder distanziert hat. Und es gibt sie ja auch, die tieftraurigen und wunderschönen Melodien wie in "God Knows I Tried", auf die Del Rey ziemlich großartig dichtet: "On Monday they destroyed me / But by Friday I'm revived". Selbst das naive "All I wanna do is get high by the beach, baby bye bye" könnte als hippieeske, doch gut gemeinte Dekontruktion herkömmlicher Frauenbilder durchgehen. Ihr "Baby, if you want to leave / Come to California, be a freak like me" in "Freak" nimmt man der in jeder Hinsicht konformen Konsensfigur dann aber schon nicht mehr ab.

Dass Lana Del Rey sich gesanglich in den ewig gleichen Harmonieabfolgen bewegt, dass ihre neuen Songkonzeptionen im schlimmsten Fall wie westliche Vorstellungen chinesischer Volksmusik, im besten wie Zehner-Jahre-Hipster-Versionen eines Tarantino-Soundtracks klingen: alles verkraftbar. Wenn sich Lana Del Rey doch endlich nur von dem naiven Frauchen-Bild verabschieden könnte, dass sie faktisch symbolisiert, mit dem sie säuselnd kokettiert. Oder wenigstens nicht mehr so tun würde, als wäre das tief und geheimnisvoll.

Maximilian Haase
teleschau | der mediendienst

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