Kontra K - Aus dem Schatten ins Licht
erhältlich ab
06.02.2015
Genre
  • Hip Hop/Rap
  • HipHop
Label
Four Music
Vertrieb
Sony
Laufzeit
00:56:37
Redaktion
Eure Bewertung

Vom bissigen Dobermann zum zahmen Wolf

Nach seiner musikalischen Anfangszeit als eine Hälfte des Rap-Duos Vollkontakt betrat Kontra K vor fünf Jahren erstmals Solopfade: Der Berliner erschien mit seinem Debütalbum als "Dobermann" auf der Bildfläche - laut, bissig und aggressiv. Im vergangenen Jahr dann der erste Schritt zur Verwandlung: der einstige Dobermann wurde zum Wolf und fletschte dabei weit weniger Zähne als man es von einem rappenden Raubtier erwarten würde. Kontra Ks viertes Soloalbum "Aus dem Schatten ans Licht", sein erstes auf einem Majorlabel, ist nun die logische musikalische Weiterführung der "Wölfe"-EP aus dem letzten Jahr, und daran werden sich die Geister vermutlich scheiden.

Denn Kontra K war es bei dieser Platte wichtig, in Zusammenarbeit mit seinen Produzenten Dirty Dasmo und Matthias Mania, "Musik zu machen", was konkret bedeutet, dass eine deutliche Mainstream-Kompatibilität auszumachen ist. Fast möchte man es den neuen Four-Music-Trademark-Sound nennen.

Nach seinen Labelkollegen Casper und Chakuza kommt Kontra K nun auch mit "erhabenen Gitarrenflächen" (wie es so schön im Pressetext heißt), einem satt durchproduzierten Wohlfühlsound inklusive Emo-Chorälen und großem Augenmerk auf möglichst eingängige Hooks daher. Bestes Beispiel dafür ist "Atme den Regen": Man hört einen treibend halligen Schlagzeug-Beat, flirrende Gitarren und den bewährten Hipster-Chor, dazu eine textliche Zuspitzung auf interpretationsfähige Schlagworte und eine in bester Unheilig-Manier gesungene Hook zum Niederknien - ein Radiohit par excellence. Aber eben auch Pathospop allererster Kajüte.

"Der Himmel in grau / Wäscht den Dreck von meiner Haut" singt Kontra K, und tatsächlich: Jeglicher Dreck, jegliche Kante wurde aus dem jetzigen Soundbild des Berliners weitgehend fortgewaschen. Und das ist schade, weil es das neue Album in einen seichten Mainstreammantel aus Beliebigkeit hüllt - ein modischer Stilwechsel, an den man sich bei Kontra K wohl erst noch gewöhnen muss. Klar, es wird auch mal eine Spur härter wie in "Spring!", für das auf einen wabernden Synthie-Bass, fiepende E-Gitarren und rotzige Riffs zurückgreift. Letztere zeigen auch, wo er hinwill: auf die große Bühne bei "Rock am Ring". Und "Aus dem Schatten ans Licht" ist handwerklich keine schlechte Platte. Aber für den einen oder anderen HipHop-Fan hat der einstige Dobermann sicherlich ein bisschen zu viel Auslauf bekommen.

Daniel Schieferdecker
teleschau | der mediendienst

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