Janelle Monáe - The Electric Lady
erhältlich ab
13.09.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • SciFi-R'n'B
Label
Atlantic
Vertrieb
Warner
Laufzeit
01:08:59
Redaktion
Eure Bewertung

Luxus-R'n'B vom rebellischen Roboter

Klar, manchmal müssen Rebellen eben abtauchen. Wohl deshalb hat man in den letzten drei Jahren so gut wie nichts mehr von Cindi Mayweather gehört. Beziehungsweise von Janelle Monáe, die 2010 mit "The Archandroid" ihr in jedem Sinne fantastisches Debütalbum vorlegte. Bis auf einen mikroskopischen Auftritt in Fun.s Durchbruchsingle "We Are Young" blieb es ruhig um die R'n'B-Visionärin. Doch das heißt nicht, dass sie untätig gewesen wäre. Im Gegenteil: In der Stille feilte sie fleißig an der Fortsetzung des Konzeptalbums. Vielleicht sogar ein ganz kleines bisschen zu fleißig. "The Electric Lady" flitzt jedenfalls perfekt poliert durch Metropolis.

Ganz schön gewagt war es damals, mit dem Debüt gleich ein Konzeptalbum vorzulegen. Für alle, die Teil eins verpasst haben, hier die Kurzfassung: Im Metropolis des Jahres 2719 lebt der Android Cindi Mayweather. Verbotenerweise verliebt Cindi sich in einen Menschen. Da Beziehungen zwischen Menschen und Androiden verboten sind, muss sie fliehen. "The Archandroid" begleitete sie auf ihrer Flucht. "The Electric Lady" knüpft da an, wo der Vorgänger aufhörte.

Im Grunde ist das Album ein ziemlich typisches Hollywood-Sequel: Es gibt weniger Plot, doch der ist umso perfekter inszeniert. Eine Call-in-Radioshow begleitet den Hörer durch eine Partynacht in Metropolis. Cindi Mayweather ist inzwischen ein Untergrund-Idol. Aber bitte nicht zu politisch werden: "Don't throw no rock, don't break no glass, just shake your ass", so die Devise des Radio-DJs. Und der folgt man gerne.

So wie schon sein Vorgänger ist auch "The Electric Lady" eine Spielwiese für Musiknerds. Wer Spaß daran hat, kann die Stücke sezieren und die Einflüsse von Shirley Bassey über Bo Diddley bis hin zu Ennio Morricone (in einem Fall) extrahieren. Wäre aber schade drum, denn Monáe hat sich die Mühe gemacht, aus all den Bestandteilen - mit eigenem Genius und einem guten Schuss Soul - ein schlüssiges Ganzes zu formen und in der Produktion glatt zu polieren. Vielleicht ein bisschen zu glatt. Auch stimmlich bleibt Monáe eher seidig fließend, das ganz wilde Genre-Hopping bleibt aus, dafür taucht sie umso tiefer in die Black Music mit all ihren Spielarten ein.

Dazu hat sie auch wieder einige Gäste geladen - und hauptsächlich Volltreffer gelandet. Nach dem Spaghetti-Western-Intro gibt sich Prince in "Give Em What They Love" die Ehre, es folgen Erykah Badu in der Funk-Unverschämtheit "Q.U.E.E.N." und Beyoncé-Schwester Solange, deren etwas heiserer Rap der üppig inszenierten "Electric Lady" den nötigen Biss verpasst. Im vergleichsweise zarten "Primetime" verbindet sich die wunderbar weiche Karamellstimme von Miguel perfekt mit Monáes Vocals. Aber auch alleine macht Monáe alias Mayweather eine gute Figur, etwa im hypernervös-fröhlichen "Dance Apocalyptic".

So rast man an der Seite des Androiden durch eine wilde Partynacht in Metropolis. Die kann angesichts ihrer Detailfülle erst einmal überwältigen. Aber spätestens bei der sanften Eighties-Chill-Out-Nummer "What An Experience" bekommt man Lust auf mehr. Bleibt nur zu hoffen, dass die rebellische Roboterfrau nicht erneut lange abtaucht.

Sabine Metzger
teleschau | der mediendienst

0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.