Jamiroquai - Automaton
erhältlich ab
31.03.2017
Genre
  • House/Techno
  • Acid Jazz / Funk
Label
Virgin
Vertrieb
Universal
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Virtual Insanity 2.0

Der Liebhaber exklusiver Sportwagen und extravaganter Kopfbedeckungen, der alltägliche Dinge auch gern mal per Helikopter erledigt, ist zurück. Ganze sieben Jahre nach "Rock Dust Light Star" gibt es tatsächlich mit "Automaton" ein neues Album von Mr. Jay Kay alias Jamiroquai. Nach über 25 Millionen verkauften Alben, die das Genre Acid Jazz in den 90er-Jahren entscheidend mitgestalteten - jene groovende Fusion aus Funk, Disco, Soul und eben Jazz -, hatte man Kays Truppe kaum noch auf dem Schirm. Zu nahe lag die Annahme, dass der Bandleader in seiner Rolle als Privatier aufgegangen sein könnte.

Doch die Leidenschaft zur Musik und die Geburt von mittlerweile zwei Töchtern gaben dem Künstler neue Motivation. Denn wie die Zukunft des Nachwuchses wohl mal aussehen könnte, darüber macht sich der frisch gebackene Vater so seine Gedanken. Sie wird vehement beeinflusst von einer rasanten technischen Entwicklung, die die Welt immer schneller rotieren lässt. So schnell, dass der Mensch vielleicht selbst bald von einer künstlichen Intelligenz überholt werden wird.

Vor gut 20 Jahren deutete dies Kay bereits in seinem Hit "Virtual Insanity" an. Hier und heute setzt sich das mittlerweile achte Album erneut mit dem Konflikt zwischen Menschheit und (virtueller) Maschine auseinander. Die gereichten Bilder zum begleitenden Videoclip des Titeltracks "Automaton" dokumentieren eine postapokalyptische Welt, in der Mr. Kay das Funk-Alien mimt. Mit einer fluoreszierenden LED-Neu-Interpretation seines bewährten "Headgear" streift er durch verlassene U-Bahn-Tunnel und entdeckt dabei ein wenig verwundert Relikte aus vergangenen Tagen. So, als würden Jamiroquai sich mittels eines futuristischen, vielleicht extraterrestrischen Alter Egos selbst fragen: "Wie war das damals, als diese Band ziemlich relevant war?"

Die Antwort gibt "Automaton" deutlich. Denn Kay und seine Mitstreiter schaffen es, ihre historische Relevanz via runderneuertem Sound hinüber zur heutigen Hörergeneration zu (tele-)portieren. Gegenüber dem gefälligen Vorgänger "Rock Dust Light Star" ist "Automaton" das gelungene Update des bewährten Jamiroquai-Sounds: Zwischen Daft-Punk- und Giorgio-Moroder-Verweisen bauen retrofuturistische Keyboard-Loops Luftschlösser in den Cyber-Himmel. Watteweiche Gitarren-Licks zirpen durch elektrifizierte Wolken, konterkariert von fluffigen Orgel-Hooks und harten Basslinien aus der Vergangenheit der schwarzen Musik. "Nights Out In The Jungle" klingt nach James Brown, "Shake It On" nach Earth, Wind & Fire, und doch befinden sich diese Songs klar im Zustand des Futur.

Den knackigen, mitreißenden Roboter-Rock des Titeltracks schaffen Jamiroquai indes nicht auf Albumlänge zu halten. So eine coole funk-schwarze Weirdness geht halt nicht am Fließband. Dafür geht die zweite Single "Cloud 9" als bester 90s-Reminder durch, "Cosmic Girl" (1996) lässt schwer grüßen. Manches haben Jamiroquai früher besser gemacht ("Vitamin" und "Superfresh"), anderes zündet nach mehrmaligem Konsum dann doch noch ordentlich ("Summer Girl" und "Dr. Buzz"). Seiner Erstgeborenen widmet Jay Kay übrigens mit "Carla" den finalen Track, eine zuckersüße Eloge, gebettet auf pechschwarzem Funk. Darauf wird die gerade Zweijährige bestimmt mal stolz sein!

Constantin Aravanlis
teleschau | der mediendienst

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