Heaven Shall Burn - Veto
erhältlich ab
19.04.2013
Genre
  • Hard&Heavy
  • Metalcore
Label
Century Media
Vertrieb
EMI
Laufzeit
00:49:30
Redaktion
Eure Bewertung

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Ein Symbol des Widerstands: Im 11. Jahrhundert erhob Leofric, Earl von Mercia und Stadthalter von Coventry so hohe Steuern, dass die Bürger in seinem Bezirk hungern mussten. Seine Ehefrau Lady Godiva konnte das Elend nicht länger mitansehen und bat ihren Gatten, die Abgaben wieder zu senken. Der Earl wehrte sich standhaft gegen das Bitten seiner Frau, machte ihr aber den Vorschlag, dass er Steuersenkungen in Betracht ziehen würde, wenn sie splitterfasernackt durch die Straßen Coventrys reite. Der Legende nach zog sich Lady Godiva daraufhin komplett aus und ritt auf ihrem weißen Ross durch den Ortskern, um ihren Mann die Stirn zu bieten. Leofric war vom Mut seiner Frau so angetan, dass er nicht anders konnte, als die Steuererhebungen wieder rückgängig zu machen. Die Metalcore-Band Heaven Shall Burn, die seit jeher dafür bekannt ist, dass sie symbolträchtige Figuren des Widerstands gegen menschenverachtende Systeme in ihre Musik einbaut, griff für ihr neues Album "Veto" auf die Sage der entblößten Reiterin zurück.

Das Quintett aus Thüringen hatte schon immer den Anspruch, brachiale Musik mit intelligenten Inhalten zu kombinieren. Anstatt aber auf stumpfe Polemik zu setzen und zum offenen Kampf aufzurufen, weisen Heaven Shall Burn viel lieber auf die geschichtlichen Hintergründe einzelner Revolutionäre hin und fordern den Hörer zum Mitdenken und auch Weiterlesen heraus: Denn nur ein gut gebildeter und geschulter Geist hat die Möglichkeit, sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen und etwas zu verändern.

Lady Godiva ist nur eine von vielen historisch wichtigen Personen, mit denen sich die Band um Gitarrist und Texter Maik Weichert auf "Veto" beschäftigt: Im heftig lospreschenden "Land Of The Upright Ones" thematisieren Heaven Shall Burn das Wirken des schwarzen Sozialisten Thomas Sankara, der in Burkina Faso für ein besseres Leben seines Volkes einstand. Der Dampfhammer "Antagonized" widmet sich dem evangelischen Pfarrer Walter Schilling, der sich in der DDR aufopferungsvoll um randständige Jugendliche kümmerte. Und das klirrende Stakkato-Ungeheuer "53 Nations" handelt vom Aufstand gegen die spanische Franco-Diktatur am Vorabend des Zweiten Weltkriegs.

So weit, so Heaven Shall Burn. Denn wenn sich die Truppe aus Saalfeld eines anhören musste, dann ihre musikalische Stagnation, die sie seit ihrem Überwerk "Antigone" (2004) perfektionierten und über sämtliche Nachfolger mittrugen. Anders als seine Vorgänger beginnt die neue Platte nicht mit einem alles zermalmenden Metalcore-Brocken, sondern tastet sich in "Godiva" auf behutsamen Melodic-Death-Metal-Pfaden nach vorne. Und Sänger Marcus Bischoff wagt sich in "Die Stürme rufen Dich" erstmalig an deutsch vorgetragene Vocals heran, die entgegen aller Befürchtungen weder peinlich noch unpassend klingen. "Veto" ist das variabelste und melodischste Album der fünf Thüringer seit Langem geworden, ohne dass sie dabei an Härte verloren hätten. Eine musikalisch servierte Geschichtsstunde, die zum Nachdenken anregt.

Ben Hiltrop
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc
Titel Unsere Songtexte
River Runs Red River Runs Red (Übersetzung)
River Runs Red
Disc 1
Titel Unsere Songtexte
1 Godiva Godiva (Übersetzung)
Godiva
2 Land of the Upright Ones Land of the Upright Ones
3 Die Stürme rufen dich Die Stürme rufen dich
4 Fallen Fallen
5 Hunters Will Be Hunted Hunters Will Be Hunted
6 You Will Be Godless You Will Be Godless
7 Valhalla Valhalla
8 Antagonized Antagonized
9 Like Gods Among Mortals Like Gods Among Mortals
10 53 Nations 53 Nations
11 Beyond Redemption Beyond Redemption

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