HAIM - Something To Tell You
erhältlich ab
07.07.2017
Genre
  • Rock/Pop
Label
Universal Music / Vertigo
Vertrieb
Universal Music
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Doch nicht die wahre Liebe?

Vor knapp vier Jahren hätten wohl viele Musikfans dem kalifornischen Trio Haim gerne den Hof gemacht. Ihr Debütalbum "Days Are Gone" war 2013 eine der Überraschungen der Saison. Für viele kam der rosa glitzernde Pop-Rock der drei Schwestern so überraschend und frisch um die Ecke, dass Liebe auf den ersten Blick wieder real schien. Genau das war dieses sagenhafte erste Album von Haim: Musik zum Verlieben. "Something To Tell You", das neue Haim-Album, will das Liebesverhältnis nun zementieren.

Dafür verabschieden sich Este, Danielle und Alana Haim endgültig von den rockigen Momenten in ihrer Musik und suhlen sich in zeitlosem Pop. Genauer gesagt: zuckersüßen Pop-Singles, die sich verletzlich geben, aber ihre makellosen Klangkörper lieber in der Sonne räkeln, als sich Sorgen zu machen. Musikalisch gibt es neben den Gitarren stumpfe Drums und Snares zum Mitklatschen. Haim greifen sich unbedarft die Dinge aus dem Regal der Musikgeschichte, die zu ihnen passen - man erkennt Anleihen von Fleetwood Mac, fühlt sich ein andernmal an Michael Jackson erinnert.

Neonfarbene String-Bodies, Stirnbänder und Wollstulpen hätten Songs wie "Nothing's Wrong" nicht schlecht gestanden. Überhaupt klingen die Schwestern so, wie sich Kim Wilde die "Kids In America" wohl vorstellte: nicht völlig sorgenfrei, aber recht sorglos mit viel Liebe im Herzen umherspringend. Das schöne Äußere der Songs lenkt zumindest anfangs von der verblüffenden Leere ab, die hinter der sommerlichen Oberfläche wartet. Etwas Neues findet man auf Haims neuem Album leider nicht, und durch den eklektischen Charakter ihrer Musik rückt die eigene Identität deutlich in den Hintergrund - ein Problem, dass es so beim Vorgänger noch nicht gab.

"Something To Tell You" klingt schön genug, um sich das Album genüsslich anzuhören - auf begrenzte Zeit. Auf "You Never Knew" klingen die Drums nach Kaufhaus-Keyboard; "Right Now" liebäugelt mit dem R'n'B, ohne dass dieser so recht reagieren will; und in der ersten Hälfte des Albums ähneln sich die Songs so sehr, dass man die einzelnen Titel nur schwer auseinanderhalten kann.

Das alles spielt noch keine Rolle, so lange die Beine sich bewegen und der Kopf nicht nachdenkt. Um die Liebesbeziehung zwischen Haim und dem Hörer neu entflammen zu lassen, ist es jedoch nicht spannend genug. Der dreiköpfige Girlband hat es sich mit dem zweiten Album zu bequem in ihrer Komfortzone gemacht. Bei einigen Fans wird sich deshalb Ernüchterung breitmachen: War es vielleicht doch nicht die wahre Liebe? So wie Haim heute klingen, werden zumindest sie ohne Bad Feelings zum nächsten Lover weiterziehen können - irgendjemand wird schon mit ihnen glücklich werden.

Arne Lehrke
teleschau | der mediendienst

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