Elton John - The Diving Board
erhältlich ab
13.09.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • Pop
Label
Mercury - UMI
Vertrieb
Universal
Laufzeit
00:57:41
Redaktion
Eure Bewertung

Über den Dingen

Ganze sieben Jahre ist es her, dass Elton John, klammert man Soundtrack-Arbeiten und diverse Kollaborationen mal aus, ein neues Studio-Album veröffentlicht hat. Doch was heißt das schon bei einem Künstler seines Kalibers? Hätte er nur ein Jahr für den Nachfolger zu "The Captain & The Kid" gebraucht, hätte man ihm vielleicht Schluderei vorgeworfen. Abgesehen davon könnte er ohnehin nur noch von seiner eigenen schillernden Legende und seinem teils fantastischen Back-Katalog zehren - ohne, dass es ihn auch nur ansatzweise kümmern müsste. Auch wenn gelegentliche Boulevardschlagzeilen manchmal ein anderes Bild von ihm zeichnen: Sir Elton John kann über den Dingen stehen. Umso weniger überraschend ist es also, dass er auf "The Diving Board" wieder einmal nicht auf potenzielle Hitsingles und kommerzielle Vermarktung schielt.

Das Album stellt nichts Geringeres als die Essenz von Elton John dar: Er zeigt große Gefühle am Klavier, inklusive jener unnachahmlichen Ambivalenz zwischen schmachtendem Pop-Kurzweil und nachhaltiger Hymne. Natürlich darf dabei sein Stammschreiber Bernie Taupin nicht fehlen, ohne dessen Texter-Genius Elton John sicher nicht der wäre, der er heute ist. "Your Song"? "Tiny Dancer"? "Candle In The Wind"? "Rocket Man"? Ohne Taupin undenkbar. Auf "The Diving Board" schreibt er seinem ewigen Freund wieder diese messerscharf beobachteten kleinen Geschichten zwischen Leben, Lieben und Leiden auf den Leib.

Roots-Produzent T-Bone Burnett (Elvis Costello, John Mellencamp, Kris Kristofferson) scharte ein kleines überschaubares Musiker-Team um den John-Taupin-Nukleus: Mit dabei sind Motown-Urgestein Jack Ashford an der Perkussion, Ausnahme-Bassist Raphael Saadiq und der sehr gefragte Session-Keyboarder Keefus Ciancia. Das Material wurde gemeinsam quasi live im Studio eingespielt, was den Klavier-Bass-Perkussion-Konstrukten des britischen Urgesteins einen vitalen Charakter verleiht. So rudimentär manche Songs auch auf der einen Seite klingen mögen ("My Quicksand"), die Versiertheit der Musizierenden führt trotz der selbst auferlegten Reduktion in ihrer Euphorie schließlich doch auch zu traditionell ausufernden Gospel wie bei "Mexican Vacation (Kids In The Candlelight)".

"The Diving Board" ist prall gefüllt mit einer tiefgreifenden Melodieseligkeit, die sich kaum zwischen einer locker dahin gleitenden Moll-Melancholie und einer aus dem Handgelenk geschüttelten Dur-Finesse entscheiden kann. Dafür muss man Elton John lieben, und besser als auf "The Diving Board" hätte er es eben auch nicht machen können. Ein Brocken von einem Werk, für das man sich - wie der Künstler selbst - ordentlich Zeit nehmen sollte.

Constantin Aravanlis
teleschau | der mediendienst

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