Duran Duran - Paper Gods
erhältlich ab
11.09.2015
Genre
  • Rock/Pop
  • Pop
Label
Warner
Vertrieb
Warner
Laufzeit
00:57:22
Redaktion
Eure Bewertung

Dance-Party mit XXL-Gästeliste

Ist das wirklich schon über 35 Jahre her, dass die britischen New-Wave-Helden Duran Duran mit Hits wie "Girls On Film", "Wild Boys" und dem James-Bond-Thema "A View To A Kill" weltweit die Charts eroberten? Man mag es kaum glauben, wenn man sich ihr neues Album "Paper Gods" anhört. Denn die vier Herren, mittlerweile Mitte 50, geben auf ihrem 14. Studiowerk alles, um mit dem Zeitgeist zu gehen.

Mit Nile Rodgers, Mark Ronson und Mr. Hudson scharen sie drei Produzenten um sich, die wissen, was in den Charts gerade angesagt ist. Als stimmliche und musikalische Unterstützung sind Janelle Monáe, Kiesza, Lindsay Lohan und John Frusciante (ehemaliger Gitarrist der Red Hot Chili Peppers) mit dabei. Bei so viel Bemühung um Berufsjugendlichkeit mutet es fast schon ironisch an, dass es in der funkigen, mit Rodgers und Monáe veredelten Vorab-Single heißt: "It's time to take the pressure off" - zu deutsch: "Höchste Zeit, den Druck rauszunehmen ..." Aber egal, denn die Kombo um Sänger Simon Le Bon hat offenbar Lust, die Clubs von London bis Los Angeles zu beschallen, denn genau danach klingt "Paper Gods".

Deutlich wird das vor allem im Song "Danceophobia", in dem Hollywood-Schauspielerin Lindsay Lohan in einer Spoken-Word-Performance die Domina-Doktorin gibt, die Patienten von ihrer Tanzphobie kuriert. In dem Stück "Last Night In The City", indem die kanadische Sängerin Kiesza die Sirene gibt, geht es folgerichtig ums Feiern bis zum (Welt-)Untergang, weil es ohnehin niemand kümmert, ob es ein morgen geben wird. Damit könnten sie es sogar wieder in Deutschland ins Radio schaffen.

Wurde Duran Durans letztes Album "All You Need Is Now" (2010) noch in Gänze von Mark Ronson produziert und orientierte man sich darauf bewusst an ihren Songs der frühen Achtziger-Dekade, hat ihnen diesmal maßgeblich Ben Hudson geholfen, einen elektronischen Sound zu finden, der nie nostalgisch anmutet. Mr. Hudson hatte zuvor mit Rapper Kanye West gearbeitet und soll sich laut Duran-Duran-Drummer Roger Taylor im Studio immer mal wieder gefragt haben: "Was würde Kanye jetzt tun?" Das scheint der Platte nicht schlecht bekommen zu sein.

Die vielleicht größte Überraschung ist aber, dass sich Duran Duran trotz XXL-Gästeliste und einigen Soundspielereien auch Platz für Gesellschaftskritik haben, die man so gar nicht von ihnen kennt. So wird im Titeltrack "Paper Gods" ein durch die Medien kolportierter Materialismus angeprangert. Und der Rausschmeißer "The Universe Alone" zeugt davon, dass sich die gereiften Männer doch einige Gedanken über den Zustand von Planet Erde machen.

Mit "What Are The Chances" und "You Kill Me With Silence" finden sich aber auch zwei melodramatische Balladen auf der Platte. Und das muss man Duran Duran einfach lassen: Sie tappen nie in die Kitschfalle! Und Le Bons Stimme hat einfach hohen Wiedererkennungswert, die sich auch besonders gut für dynamische Mann-Frau-Duette wie bei "Butterfly Girl" eignet. Dass das Album gemacht wurde, um wieder in den Popcharts vorne mitzuspielen, daran lassen die "Wild Boys" von einst jedenfalls keinen Zweifel.

Katja Schwemmers
teleschau | der mediendienst

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