Die Goldenen Zitronen - Who's Bad
erhältlich ab
27.09.2010
Genre
  • Rock/Pop
  • Experimentalmusik
Label
Buback
Vertrieb
Indigo
Laufzeit
01:04:13
Redaktion
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Ungemütlich und (heraus)fordernd

Immer wenn man von den Goldenen Zitronen liest, erschrickt man ein bisschen, weil man fast schon vergessen hat, dass es die Band noch gibt. Sie sind im dritten Jahrzehnt ihrer Karriere, und früher ging es ihnen um spaßigen oder auch mal bösen Punk. Das macht natürlich heute keinen Sinn mehr, die Hafenstraße ist passé. Deshalb widmen sich die Hamburger Musiker verschroben experimentellen Tönen und fragen in Michael-Jackson-Manier kokett "Who's Bad?".

Sie hatten immer lustige Cover und/oder Albumtitel. Schön, wenn manche Traditionen bleiben. Doch davon darf man sich nicht täuschen lassen. Denn beim Hören ihres elften Studioalbums, das sie zwischen November 2011 und Mai 2013 zusammengebastelt haben, kommt einem öfter der Gedanke: Ist das Kunst oder kann das weg? Auf "Who's Bad" umhüllt dadaistischer Lärm den erwachsenen Protest.

Es soll an den Nerven zerren, wenn eine Unmenge an Instrumenten aufeinanderprallen. Hier ein irritierendes Moment, dort ein enervierender Beat, der sich unermüdlich durch den Song zieht. Die Goldenen Zitronen liefern klare Statements zu destruktiven Investorenideen und der Gleichförmigkeit von europäischen Fußgängerzonen und Baumärkten. Es darf gerne abseitig sein, kann aber auch mal richtig sitzen, siehe "Duisburg". Die Stadt, die Synonym ist für Katastrophe der "Loveparade".

Werke der Zitronen muss man goutieren. Man kann die Lieder nicht hintereinander weg konsumieren. Und bereits vor der Mitte des Albums - vielleicht bei den unangenehmen Zwischenattacken von "Echohäuser" mit den bayrischen Babyloniern "mit gutem Gespür für Dividenderegen und Kaviarträume" - hegt man Zweifel, ob man das bis zum Ende durchhält. Die Goldenen Zitronen liefern eine Menge Inhalte, ihnen ist Bequemlichkeit ein Gräuel. Sie werden sich nicht abfinden, sich nicht einrichten und sie lieben es ungemütlich. Genau so klingt "Who's Bad?" Lala-Musik gibt es schließlich genug.

Claudia Nitsche
teleschau | der mediendienst

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