David Bowie - The Next Day
erhältlich ab
08.03.2013
Genre
  • Rock/Pop
  • Rock
Label
Iso - Columbia - Sony Music International
Vertrieb
Sony Music
Laufzeit
00:53:22
Redaktion
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Im Hier und Jetzt

"Where Are We Now?" - Mit dieser Frage meldete sich David Bowie Anfang Januar, pünktlich zu seinem 66. Geburtstag, in der Popwelt zurück. Eine Frage, die in gewisser Weise die letzten zehn Jahre seines Lebens reflektierte. Nach einem Herzinfarkt 2003 verschwand Bowie von der Bildoberfläche, öffentliche Auftritte wurden immer rarer, persönliche Erklärungen über seinen Verbleib gab es keine. Es schien so, als habe er sich heimlich, still und für immer von der Popwelt verabschiedet. Und dann aus heiterem Himmel die Rückkehr, ein Rückblick, ein Innehalten: Wo stehen wir? Wofür kann man heute noch stehen? Immer noch für den stetigen Wandel, den er, das viel beschworene Pop-Chamäleon, stets nicht nur in seinen Kunstfiguren verkörperte? "The Next Day" gibt nun die Antwort: Bowie verspricht keine (Zukunfts-)Visionen mehr, er kann gut von seiner Vergangenheit und trotzdem bestens im Hier und Jetzt leben.

Die ersten Vorabeindrücke täuschten nicht: "The Next Day" ist ein kaum verhohlenes Selbstzitat. Bowie spielt mit den Bildern, den Orten, den Figuren seiner Vergangenheit. In "Where Are We Now?" lässt er fast meditativ Erinnerungsfragmente an seine Zeit in Berlin Mitte/Ende der 70er-Jahre ("Potsdamer Platz", "Nürnberger Straße", "Dschungel") an sich vorbeiziehen. Das Cover recycelt das legendäre Artwork zu "'Heroes'" (1977), im Video zum zweiten vorab veröffentlichten Song "The Stars (Are Out Tonight)" trifft er auf eines seiner jüngeren Alter Egos, den ausgemergelten, rothaarigen "Thin White Duke" der "Station To Station"-Ära. Und auch musikalisch sucht Bowie mithilfe seines Langzeitpartners, Produzent Tony Visconti, viele Plätze auf, an denen er sich im Laufe seiner über 40-jährigen Karriere bereits aufhielt.

Dementsprechend wirkt "The Next Day" wie ein buntes Fotoalbum: Bowie erinnert sich an Psychedelic-Pop ("I'd Rather Be High"), Glam und Funk ("Dirty Boys"), seine Krautrock-Phase der späten 70er-Jahre ("The Next Day") und seine Fähigkeit, unpeinliche Popsongs ("Valentine's Day") zu schreiben. Sogar die oft geschmähten Drum'n'Bass-Experimente von "Earthling" (1997) werden in Form von "If You Can See Me" erneut abgebildet. Und dennoch blättert Bowie nicht sentimental in Erinnerungen, wie man vielleicht nach "Where Are We Now?" noch hätte vermuten können. Denn er weiß zwar, dass früher alles (und auch er) besser war, ein grantiger oder gefühlsduseliger Nostalgiker will der 66-Jährige aber nicht sein.

"The Next Day" ist vielmehr die Aufforderung an sich selbst weiterzumachen - allen Hindernissen zum Trotz: "Here I am / Not quite dying", singt Bowie trotzig im eröffnenden Titelsong. Im Verlauf des Albums bestätigt sich dieser erste Eindruck: Hier arbeitet ein Künstler, der immer noch Spaß an Pop-Melodie und Rock-Lärm, an eingängigen Songs und experimentellen Sound hat. Einer, der jetzt und hier wieder Lust hat, Musik zu machen. Der den nächsten Tag erwartet. Und den nächsten. Und hoffentlich auch noch den nächsten.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc
Titel Unsere Songtexte
Like a Rocket Man Like a Rocket Man
Atomica Atomica
Disc 1
Titel Unsere Songtexte
1 The Next Day The Next Day
2 Dirty Boys Dirty Boys
3 The Stars (Are Out Tonight) The Stars (Are Out Tonight)
4 Love Is Lost Love Is Lost
5 Where Are We Now? Where Are We Now? (Übersetzung)
Where Are We Now?
6 Valentine’s Day Valentine’s Day
7 If You Can See Me If You Can See Me
8 I’d Rather Be High I’d Rather Be High
9 Boss of Me Boss of Me
10 Dancing Out in Space Dancing Out in Space
11 How Does the Grass Grow? How Does the Grass Grow?
12 (You Will) Set the World on Fire (You Will) Set the World on Fire
13 You Feel So Lonely You Could Die You Feel So Lonely You Could Die
14 Heat Heat
15 So She So She
16 Plan
17 I’ll Take You There I’ll Take You There
18 God Bless the Girl God Bless the Girl

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