Das gezeichnete Ich - Hinter allen Dingen
erhältlich ab
21.02.2014
Genre
  • Rock/Pop
  • Pop
Label
Epic - Sony
Vertrieb
Sony
Laufzeit
00:43:01
Redaktion
Eure Bewertung

Poet und Perfektionist

Kaum war es da, hat es sich selbst wieder wegradiert: Es war bereits 2010, als der musikalische Philosoph namens Das gezeichnete Ich zunächst mit der Single "Halleluja" und dann mit dem selbstbetitelten Debüt in Berlin auftauchte und aus dem Stand die Pet Shop Boys, Ich & Ich sowie a-ha begleiten durfte. Trotz der großzügigen Unterstützung seines Majorlabel-Arbeitgebers fühlt sich jenes Ich als Querdenker und rastloser Poet. Er ist auf jeden Fall jemand, der alles will. Im März bewirbt er sich ein zweites Mal um die Teilnahme beim Eurovision Song Contest, zuvor veröffentlicht er nach dem bombastischen Debüt das zweite Album, mit dem er "in ganz große Gefühlswelten" entführen will.

Vielleicht bringt es ein Zitat des Künstlers selbst am besten auf den Punkt: "So wie ein Blatt im Wind, das mit dem Dasein ringt - so geht's mir". Der Mann ist ein philosophischer Intellektueller, der ein Konzept hat und sich als Gesamtkunstwerk versteht. Ästhetisch ist Das Gezeichnete Ich schon weit oben angekommen, die Optik, etwa das Cover, ist präzise und ganz wunderbar auf den Punkt gebracht.

Vor knapp vier Jahren wollte er ein Echo und er bekam es. Das schien seinem Ich nicht die Befriedigung gebracht zu haben. Der Geheimniskrämer brauchte drei Jahre Pause, um den Faden wieder aufzunehmen. Vielleicht war dies dem Perfektionismus geschuldet, den der Mann im diffusen Alter zwischen 30 und 40 entgegen seiner Attitüde an die Öffentlichkeit dringen lässt. Jener äußert sich auch in der Arbeitsweise: Täglich schreibt er an Versen, wie er sagt. Und hat deswegen rund 1.500 Ideen auf Halde. Wenn er da mal nicht den Überblick verliert.

Doch das Ich will jede Idee abklopfen, Gedanken spinnen, und damit sie sich nicht so klein fühlen, erhalten sie meist ein Bombast-Pop-Kostüm. Das Klavier, das sein Debüt dominierte, zieht sich zugunsten der Gitarre ein wenig zurück, das Klangbild wird aber nicht wirklich kantiger, denn die Streicher spielen weiterhin eine wesentliche Rolle. Damit wirken die Songs bequemer, als es sich Das gezeichnetes Ich wohl vorgestellt hat. Ein wenig Sperrigkeit würde dem Anspruch, besonders zu sein, vielleicht mehr entgegenkommen. Doch während der Protagonist das Blatt im Wind besingt, rollen die Streicher den hochflorigen Teppich in der Denkkammer aus.

"Bis ich die endgültigen Zeilen fertig habe, quäle ich mich sehr. Teilweise dauert es endlos. Und schließlich noch Wort und Musik zusammenbringen - das ist dann nackter Horror für mich", sagt er. Für einen Moment beschleicht einen das Gefühl, ob nicht eine andere Arbeit für ihn besser wäre, vor allem, wenn man die Lyrik als nicht sonderlich verklausuliert empfindet und sich über Formulierungen wie "Kleiner Fisch im Sonnensystem" eher wundert. Aber das könnte man mit intellektueller Unterlegenheit erklären. Darum noch mal der Künstler selbst: "Hinter beiden Alben steckt ein ähnliches Konzept. Es geht um das Echo des Urknalls, das Echo der Urmelodie". Manchmal nützen Zitate auch nichts.

Claudia Nitsche
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc
Titel Unsere Songtexte
Echo Echo
Weil du da bist Weil du da bist

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