ClickClickDecker - Ich glaube dir gar nichts und irgendwie doch alles
erhältlich ab
17.01.2014
Genre
  • Rock/Pop
  • Songwriter/Pop
Label
Audiolith
Vertrieb
Brokensilence - finetunes.net
Laufzeit
00:47:36
Redaktion
Keine Wertung
Eure Bewertung

Nicht denken, lieben

Es ist beängstigend, mit welcher Leichtigkeit das neue Album von Kevin Hamann alias ClickClickDecker daherkommt. Natürlich besitzt der Singer/Songwriter aus Hamburg inzwischen genug Erfahrung, es ist sein fünftes Album in zwölf Jahren. Und doch ist "Ich glaube dir gar nichts und irgendwie doch alles" für die Ewigkeit gemacht. Es ist Liebe auf den ersten Blick.

Die große deutsche Welle ist längst abgeebbt. Und auch wenn sich in den letzten Jahren einige neue Songwriter etabliert haben: Das Feld an spannenden Acts ist überschaubar. Alles schon mal gehört, die Ideen wiederholen sich, es ist schwer, als deutscher Künstler individuell zu wirken. Doch Hamann schafft es.

Wie kommt's? Das fängt schon mit dem Namen des Albums an. Wenn man sich das Ungetüm von einem Titel merken kann, weil man sofort einen Menschen damit verbindet, wird man auch den Inhalt mögen. Wer darüber zunächst stolpert, wird höchstwahrscheinlich vom Inhalt beruhigt: Der Wahlhamburger operiert mit seiner sanften Stimme direkt am Herzen, die Songs wirken sofort vertraut. Was sicherlich auch daran liegt, dass ClickClickDecker das Gefühl vermittelt, als würde jedes Instrument, samt dem Menschen, der es bedient, direkt neben einem sitzen. Der Zugang zu Details, jedes Quietschen der Saiten radiert jede Distanz weg. In dieser weichen Schönheit gefangen, hört man erst mal kaum auf den Text - und hat dann noch so viel zu entdecken.

Im Presseinfo zu diesem Album kommt die Beschreibung "offensiv verletzlich" vor, eine Formulierung, die natürlich nach vielen Seiten interpretierbar ist. Aber es ist eine Formel, die passt. Für einen Mann und Musiker, den man grob zwischen Songwriter-Kollegen wie dem etwas offensiv zupackenderen Bosse und gefühlvoll-verletzlichen Philipp Poisel verorten mag. In diesem Zusammenhang sei auch angemerkt, dass ClickClickDecker sich einmal, bei "Im Wahljahr", ein wenig zu nah an Letzteren kuschelt. Aber richtig wichtig ist das nicht, nicht so wie der attraktive Schwarz-Weiß-Film, den es als Geschenk in einer Sonderedition zum Album gibt und der das Phänomen ClickClickDecker noch etwas besser beschreibt. Wobei: Man denkt eine Weile nach, warum man bei "Ich glaube dir ..." so wenig denkt und das Album einfach mag. Und wenn man lange genug überlegt hat, hört man auf und weiß: So soll es eben sein.

Claudia Nitsche
teleschau | der mediendienst

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