Broilers - Noir
erhältlich ab
07.02.2014
Genre
  • Rock/Pop
  • Rock/Pop/New-Wave
Label
People Like You - Century Media
Vertrieb
Universal
Laufzeit
00:52:03
Redaktion
Eure Bewertung

Gegen alle und doch für jeden

Etablierte Bands müssen manchmal einfach nur eines sein: egoistisch. Denn schließlich ist ein professionelles Musikerleben auch ein Job, mit dem sich Geld verdienen lässt, und da ist es wenig hilfreich, es immer allen recht machen zu müssen. "Egoismus ist die Zärtlichkeit der Ellenbogen", philosophierte passenderweise der englische Dichter Samuel Taylor Coleridge im 19. Jahrhundert über genau diesen Umstand. Auch die Broilers gehen zielstrebig vor: 2011 gelang dem Quintett mit "Santa Muerte" nicht nur der Durchbruch. Das fünfte Album bildete zugleich eine nicht zu unterschätzende musikalische Zäsur - vom einstigen Oi-Punk-Sound war nur noch wenig auszumachen. Die neue Platte "Noir" erscheint da nur als logische Weiterführung des bereits eingeschlagenen Weges. Ob die Fans der alten Tage mit so viel Egoismus ihrer Idole gerechnet haben?

Eigentlich ist der scheinbar kometenhafte Aufstieg der Düsseldorfer wenig überraschend. So spielte sich das Quintett im Laufe der letzten Jahre mit harter Arbeit von kleineren Clubgigs rauf in die großen Liederhallen der Republik. Nur verständlich, dass die vier Jungs und das Mädel auch in diesen Regionen bleiben möchte. Deutete bereits das letzte Album an, dass großflächiger Pop inzwischen zum Standardrepertoire der Broilers dazugehört, klingt "Noir" noch einmal um ein vielfaches eingängiger und opulenter. Nicht umsonst gilt die Band um den charismatischen Frontmann Sammy Amara als der veritable Nachfolger der Toten Hosen, mit denen sie sich erneut den Produzenten Vincent Sorg teilen.

Nur noch in den seltensten Fällen schieben die Broilers straighte Gitarrenriffs durch die Boxen, etwa im Spaß-Punker "Nanana (Ich Krieg' Das Hin)" oder in der flotten Honky-Tonk-Hommage "Grau, grau, grau". Hin und wieder blitzt auch Amaras Vorliebe für Bruce Springsteen ("Nur nach vorne gehen") auf. Dennoch: Auf "Noir" dominieren hymnenhafte und - passend zum Albumtitel - dunkle Nummern, die mit sattem Synthie-Anstrich oft an die englische New-Wave-Schule der frühen 80er-Jahre erinnern.

Den Mut zum Experiment kann und muss man den Broilers auf jeden Fall zugestehen. Nur wenige Bands ihres Formats hätten sich dazu entschieden, mit ihrer Sound-Neuausrichtung so zielstrebig auf Konfrontationskurs mit alten Fans zu gehen. Auch das zeichnet einen wahren Egoisten aus: Er entscheidet sich im Zweifelsfall für sein eigenes Zweckinteresse. "Noir" hätte aber ein paar Ellenbogen mehr vertragen können, um nicht irgendwann im poppigen Rock zu versinken.

Ben Hiltrop
teleschau | der mediendienst

Tracklist

Disc
Titel Unsere Songtexte
Ich brenn' Ich brenn'
Ist da jemand? Ist da jemand?

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