Azad - Leben II
erhältlich ab
15.01.2016
Genre
  • Hip Hop/Rap
  • Rap/ Hip-Hop
Label
Bozz Music
Vertrieb
Groove Attack
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Es grüßt die Nordweststadt

Die Suche nach dem ersten authentischen Straßen-Rapper in Deutschland führt unweigerlich nach Frankfurt, genaugenommen in die dortige Nordweststadt, von wo Azad Azadpour 2001 einen Deutsch-Rap-Klassiker in Album-Form schuf. "Leben" ist bis heute unumgänglicher Einfluss für all die Rapper von Haftbefehl bis Celo & Abdi, die inzwischen vom Feuilleton als neu und innovativ gefeiert werden. Jetzt, 15 Jahre später, kommt der offizielle zweite Teil dieses Meilensteins. Und Azad klingt noch hungriger als auf seinem Debütalbum.

Eine ruhige, aber bestimmte Stimme, einige wenige Anschläge auf dem Piano: Der Mythos Azad ist schon innerhalb der ersten eineinhalb Minuten seines Intros erklärt. Es führt kein Weg an Gänsehaut vorbei, und alles färbt sich im Grau der Straße. Azad Azadpour, Jahrgang 1973, ist schon Anfang der 90-er einer der ersten Rapper, der mit einer starken Attitüde und aggressivem Battle-Rap der Straße eine Stimme gibt.

Während im Rest Deutschlands humorvoller Rap aus dem Mittelstand in die Charts drängt, respektiert der Frankfurter alle Elemente der HipHop-Kultur und ist martialisch, hart und in ruhigen Momenten immer wieder reflektiert und melancholisch. Auf "Leben 2" ist er so nah an seinem damaligen Sound wie schon lange nicht mehr. Zwischen Ausflügen auf Platz eins der Single-Charts ("Prison Break Anthem", 2007) und einem Kollabo-Album mit dem Aushängeschild des Berliner Battle-Rap Kool Savas ("One", 2005) schrieb er im Hintergrund immer wieder an den Songs, die sich jetzt auf dem Album finden.

Dort wird nicht lange gefackelt: Battle- und Straßen-Rap sind längst im Mainstream angekommen. Doch Azad klingt immer noch nach dem Regenwasser, das nachts in den Gulli läuft und sich mit Dreck und Kippenstummeln mischt, bevor es in den Untergrund fällt. Natürlich hat sich auch an seinem Pathos und der Sprachgewalt wenig geändert. Wer Azad nie mochte, sollte sich nicht in die hessische Metropole verirren. Doch wer Authentizität sucht, hört genau hin.

Neben den irrsinnig pressenden und wütenden Produktionen bleibt bei Azad immer noch Platz für dramatische Songs über Werte, Würde und Wahrheit. Wer ihn auf seiner Reise begleitet, bekommt ein genaues Gefühl für die Person, sein Umfeld, seine Ängste und Sorgen. Natürlich ist Azad immer noch auch ein Stück weit durchschaubar und "Leben 2" ist im Endeffekt genau das, was man sich erwartet - aber eben auch genau das, was Fans erhofft haben.

Nach über 20 Jahren Übung weiß der im Iran geborene Kurde genau, was für ihn funktioniert und was nicht. Einen weiteren Meilenstein hat Azad nicht geschaffen, aber einen beeindruckenden Beweis dafür, dass die Straße nicht vergisst. Auch im Jahr 2016 führt auf der Suche nach authentischem Straßen-Rap kein Weg an Azad Azadpour vorbei.

Arne Lehrke
teleschau | der mediendienst

0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.