Avantasia - Ghostlights
erhältlich ab
29.01.2106
Genre
  • Rock/Pop
  • Symphonic Metal
Label
Nuclear Blast
Vertrieb
Warner Music
Laufzeit
Redaktion
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Europäische Geisterstunde

Seine Worte wirken etwas unschlüssig, als er die Katze aus dem Sack lässt. Aber er nimmt es mit dem ihm eigenen Humor: "Logo, meine Mutter wird stolz sein. Oder vielleicht auch nicht ... Mal sehen." Nein, Tobias Sammet wird nicht Vater. Sondern führt sein Kind Avantasia zum Vorentscheid des Eurovision Song Contests. Kurz darauf bricht dann aber die Freude durch: Als Musiker müsste man schon "ziemlich bescheuert" sein, sich solch eine Möglichkeit entgehen zu lassen. In ein paar Wochen also wird ganz Fernsehdeutschland wissen, wer Avantasia sind. Und sich danach im Idealfall mit "Ghostlights" eindecken.

Heavy Metal beim ESC, da kommen einem vor allem die finnischen Monster von Lordi in den Sinn. So spektakulär geht es bei Avantasia, jenem "Rock-Oper-Projekt", welches mittlerweile mehr Publikum anzieht als Sammets Stammband Edguy, nicht zu. Der auserkorene Beitrag "Mystery Of A Blood Red Rose", gleichzeitig der Opener von "Ghostlights", erinnert mehr an Meat Loaf denn an Party-Metal. Ein Song, der ähnlich wie einst "Lost In Space" ein gefundenes Fressen für die Kritiker des Projekts sein wird. Dass sich danach zwölf Minuten Zeit gelassen wird, um mit "Let The Storm Descend Upon You" das Bild geradezurücken, spricht für sich.

Bleiben weitere zehn Nummern, in denen sich Sammet nicht nur meisterhaft, sondern auch als Maßschneider für die ihn begleitenden prominenten Damen und Herren präsentiert. Im Refrain von "Master Of The Pendulum" (feat. Marco Hietala) scheinen Nightwish durch, bei "A Restless Heart And Obsidian Skies" dürfte sich Sänger Bob Catley (Magnum) sofort heimisch gefühlt haben. "Seduction Of Decay" (feat. Geoff Tate) erinnert etwas an frühe Queensrÿche und "Isle Of Evermore" (feat. Sharon Den Adel) würde sich in einer ruhigen Within-Temptation-Minute wunderbar machen. Weiterhin auf der "Gästeliste": Ronnie Atkins (Pretty Maids), Bruce Kulick (ex-Kiss), Dee Snider (Twisted Sister), Michael Kiske (ex-Helloween), Robert Mason (Warrant), Jorn Lande und Herbie Langhans, der mit "Draconian Love" einer Nummer seine Stimme leiht, die in bester Gothic-Manier durch die von Geisterlichtern erleuchteten Gassen zieht.

Sammet adaptiert aber nicht fahrlässig in der Gegend herum. Er ist Gastgeber und bleibt Hausherr. "Ghostlights" steht den Vorgängeralben in nichts nach, toppt beispielsweise "The Mystery Of Time" (2013) durch eine größere Bandbreite. Wenn die Chancen auf einen ESC-Gewinn auch überschaubar sind - die Aussichten, dass Avantasia ihre Spitzenposition in Bezug auf europäischen Melodic Metal ausbauen, stehen verdammt günstig.

Alexander Diehl
teleschau | der mediendienst

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