Aphex Twin - Syro
erhältlich ab
19.09.2014
Genre
  • House/Techno
  • Techno
Label
Warp
Vertrieb
Rough Trade
Laufzeit
01:04:38
Redaktion
Eure Bewertung

Erwachsen und erhaben

Auf den ersten Blick scheint es so, als ob "Syro" eine Sensation wäre: die erste Veröffentlichung aus den Händen von Elektro-Legende Richard D. James alias Aphex Twin seit dem letzten Album "Drukqs" von 2001. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn unter den Pseudonymen AFX, Analord, The Tuss, Caustic Window oder Polygon Window war er nach wie vor kreativ, nicht zuletzt auch mit zahlreichen Remix-Jobs. Dennoch: Die begeisterten Reaktionen auf die Meldung, dass nun mit "Syro" ein neues Aphex-Twin-Album erscheint, waren mehr als gerechtfertigt.

Exzentrisch, mit teuflischem Humor gesegnet, und zuweilen musikalisch an die Schmerzgrenze gehend - das sind die Charaktereigenschaften, die man dem 1971 in Limerick, Irland, geborenen Musikgenie gerne zuweist. Mit seinen zwei Alben der "Selected Ambient Works"-Reihe von 1992 und 1994 krempelte er den Markt der anspruchsvollen elektronischen Musik mit krachendem Dadaismus, irrsinnigen Rhythmen und viel Kreativität gehörig um. Zur Legendenbildung trugen wohl auch die verstörenden Musikvideos zu den Tracks "Windowlicker" und "Come To Daddy" erfolgreich bei.

Abseits der Exzentrik waren die Tracks und DJ-Setlists von Aphex Twin jedoch auch immer von völlig ernsthafter musikalischer Genialität durchdrungen. Das gilt auch für "Syro": Was zunächst auffällt, ist die Abwesenheit von kratzigen, schneidenden und penetranten Geräuschen, kakophonischen Lärmpegeln und verzerrten Basslinien, auf die man vielleicht aufgrund seines früheren Werks und vorab veröffentlichten Songtiteln wie "Papat4 [155][Pineal Mix]" erwartet hat. "minipops 67 [120.2][source field mix]" läuft als Eröffnungstrack ruhig rein, softe Elektro-Patterns und nur noch leicht verschrobenen Synthieflächen verbreiten entspannende und melodiöse Befriedigung, die auch im weiteren Verlauf beinahe nicht aufgerüttelt wird.

Nach etwa einer halben Stunde wird "Syro" zwar etwas technoider, das Tempo zieht an, ohne dass man jedoch aus dem bequemen Loungesessel aufstehen und auf die Tanzfläche stürmen möchte. Zumal der finale Track "aisatsana [102]" in Abwesenheit jeglicher Beats mit gedämpften Klavierakkorden ausklingt, die wie zufällig gewählt in die rauschende Stille hineinwirken. Letztendlich ist es eigentlich genau das, was man sehnsüchtig erwartet hat - ein neues Aphex Twin-Album, das die Vorfreude befriedigt und zudem die Erwartungen mit erwachsener Erhabenheit bei Weitem übertrifft.

Klaas Tigchelaar
teleschau | der mediendienst

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