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erhältlich ab
28.11.2014
Genre
  • Rock/Pop
  • Rock
Studio
Rhino
Vertrieb
Warner
Laufzeit
00:14 h
Untertitel
Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Niederländisch (nur Disc 6)
Bild
1,78:1 (anamorph)
Ton
Dolby Digital, PCM Stereo
Sprachen
Disc 1 und 6: Englisch (DD 5.1, DD 2.0, PCM 2.0), Disc 2-5: Englisch (DD 2.0, PCM 2.0)
Extras
Outtakes und entfallene Szenen (Disc 1, 2, 6)
FSK
ohne Altersbeschränkung
Preis
ca. 75 Euro

Bewertung

Bild
Ton
Extras
Gesamt

Eine eigene Geschichte

Die Frage ist natürlich rein hypothetisch: Was wären R.E.M. ohne MTV gewesen? Die Antwort liefert das 6-DVD-Boxset "REMTV" eher implizit: So ziemlich die gleiche Band. Denn der - damals noch meinungsbildende, den Musikgeschmack weltweit bestimmende - Sender war natürlich ein Multiplikator: Ob "Losing My Religion" ohne das dort in Dauerrotation laufende Video, ob das dazugehörige Album "Out Of Time" 1991 ohne das fast zeitgleich ausgestrahlte "MTV Unplugged" so erfolgreich gewesen wären, die Band damit ein Millionenpublikum erobert hätte, darf stark bezweifelt werden. Doch die hier versammelten Akustik-Sessions, Live-Mitschnitte, TV-Auftritte und eine neue Dokumentation vermitteln vor allem eines: Für R.E.M. zählte immer nur die Musik - und der eigene Spaß daran.

Den Beweis dafür liefert vor allem die fast zweistündige Dokumentation "R.E.M. by MTV", die hier auf Disc Nummer sechs zu finden ist: Sie zeichnet anhand von Archivmaterial und Interviews, aber ohne Erzähler die Geschichte der 1980 zunächst für eine Geburtstagsparty gegründeten Band nach. Vier Freunde, die durch ihren unerhörten Sound zwischen Folkrock und Post-Punk, mit den kryptischen Texten des schüchternen Sängers Michael Stipe schnell zu Lieblingen der College-Rock-Radios und Kritiker wurde. Eine Kultband, die von Kollegen wie Kurt Cobain und Eddie Vedder, dessen bewegende Laudatio bei der Aufnahme R.E.M.s in die "Rock'n'Roll Hall Of Fame" 2007 hier zu sehen ist, wegen ihrer Eigenwilligkeit geschätzt wurde. Und eine Band, die mit jedem Album etwas mehr Gehör fand, einen ungewöhnlichen Top-Ten-Hit ("The One I Love", 1987) und sogar bei einem Major-Label landete. Alles, so macht die Doku glaubhaft, ohne dass die Band dies beabsichtigt hatte - und eben auch ohne massives Airplay bei MTV.

Zugegeben: Ihr sensationelles "MTV Unplugged" 1991, das hier zusammen mit der zweiten Auflage zehn Jahre später, erstmals komplett samt Outtakes auf Disc 1 vorliegt, katapultierte R.E.M. in den Mainstream. Und dass der Musiksender von diesem Zeitpunkt an die Band auf Schritt und Tritt begleitete, zeigt nicht nur die Doku anhand zahlreicher Interviewschnipsel, sondern wird auch durch die auf Disc 2 versammelten TV-Auftritte (mit ihrem "VH1 Storytellers" und Performanches bei diversen MTV-Award-Shows) und Live-Mitschnitte (unter anderem mit Aufnahmen von Konzerte aus Dallas 1995, Köln 2001 und Athen 2008) auf den Discs 3 bis 5 deutlich.

Aber aller sichtbaren Freude an großen Live-Konzerten zum Trotz, spürt man eines doch: R.E.M. waren stets auch eine sich selbst genügsame und geschlossene Einheit, die sich nach dem Abgang von Drummer Bill Berry 1997 nur nicht auflöste, weil jener zur Bedingung machte, dass man zu dritt weitermachen müsse. Dass Stipe, Gitarrist Peter Buck und Bassist Mike Mills 2011 dann tatsächlich in aller Freundschaft das Ende der Band verkündeten, macht ihre Unabhängigkeit umso deutlicher.

Jenseits der Beantwortung hypothetischer Fragen liefert "REMTV" aber natürlich in erster Linie zum Großteil bislang nicht erhältliches Material, das bei eingefleischten Fans - und nur an solche dürfte sich die Box mit einem Preis von etwa 75 Euro richten - für helle Freude sorgen dürfte. Einziger möglicher Wermutstropfen: Die Konzert-Mitschnitte liegen nur in einer 2.0-Audiospur vor, in einem nicht immer ganz sauber abgemischtem Live-Klang.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

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