Die Republikaner schlagen zurück.

Kategorie: diverses
Eingesendet: 26.06.2005
Wörter: 4767
Autor: Metabolic
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Die Republikaner schlagen zurück.

Nichts bleibt dem Zufall überlassen:


Wenn der Erzählgang verlangt, dass der tragische Held von hartnäckigen Albträumen gepeinigt wird, die ihm den tod seiner liebsten zeigen, wie filmt man das dann?


In „Star Wars, Episode 3- Die Rache der Sith“ hat dafür jemand einen Damenstrumpf über die Kameralinse gezogen, rund um das Gesicht der bedrohten schönen ein loch geschnitten und die Nebelmaschine angeworfen: Fertig, paßt.


Wenn illustriert werden soll, dass ein Diktator die Demokratie verachtet, wie bebildern wir’s?


Indem wir ihn nach böser Herzenslust mit Parlamentssitzen um sich werfen lassen, als wären es Briefbeschwerer, einzig zu dem Zweck, den letzten greisen Verteidiger der legitimen Ordnung damit zu erschlagen.


Wen sich zwei heftig heterosexuelle junge Leute mächtig nach liebe sehnen, aber nicht zusammenkommen können, wie führt man’s vor?


Erst filmt man seinen kopf, dann ihren, dann wieder seinen, dann ihren, statisch, minutenlang, zu Jaulmusik vom unerfülltesten.


Mit anderen Worten:


Alle, die in George Lucas, dem Vater des Monumentalmärchens „Star Wars“, nach den beiden letzten folgen seiner Saga einen kaltherzigen Kalkülkünstler sehen wollen, der nur noch sinn für Computereffekte, aber keinen mehr für schwulst und Melodrama hat, sollen und werden sich nach diesem Abschluss des Werkes schämen:


Altmodischer kann man erstklassigen Bombast nicht inszenieren.


Sogar die 1977 für „Star Wars, Episode 4: Eine neue Hoffnung“ eigens erfundenen, liebenswert plumpen Szenenübergänge, bei denen die normalerweise für den schnitt zuständige schere durch den Scheibenwischer ersetzt und das zu verabschiedende bild vom je neuen buchstäblich weggeklappt wird, hat Lucas dringelassen- soll doch eine von Computerspielen und Videoslips an ganz andere Schnittkünste gewöhnte Jugend, die es ohne ihn nicht gäbe, darüber murren, ihn kümmert’s nicht mehr.


Denn hier schlägt einangegrauter Samurai mit wässrigen Augen, schwerem Bierbauch, kindlichem herzen und vorpubertären verstand seine letzte schlacht.


Wer das ablehnen muss, der soll es ablehnen; nur bekritteln darf er es nicht, weil er sich bloß lächerlich macht; Wer neunmalkluge Beckmesser, wie in einigen Kritiken bereits geschehen, etwa beanstanden, das in „Episode 3“ mehrfach deutlich untermotivierte dinge geschehen und sogar an nichts gescheiterem als an einem ominösen „Verlust des Lebenswillens“ gestorben wird, ist mahnend daran zu erinnern, dass auch die Kameliendame oder Madame Butterfly keine gehaltvollere gründe für ihr lärmaufwendiges ableben vorbringen können als ebenjene; Tuberkulose hin, herzfehler her.


Guter Kitsch hat seine eigene strenge, von der des Lehrers törichte Kritik nichts weiß.


Handlung? Epik? Wer den Untergang Weimars, Bertolt Brechts „Arturo ui“, die Geschichte Chiles nach dem zweiten Weltkrieg oder die nordamerikanische Gegenwart verstanden hat, wird ich in „Episode 3“ leicht zurechtfinden:


Der tückische Kanzler (Ian McDiarmind) einer Sternenrepublik lässt sich mit immer neuen voll machten ausstatten, weil er der angedrehte Popanz einer „dunklen Bedrohung“ die Sicherheit der Bürger bedroht.


Die Jedi-Ritter, eine Mischung aus mönchischem Zen-Orden und republikanischer Grenzschutztruppe, können nicht verhindern, dass der intrigant einen der ihren, den jungen Anakin Skywalker (Hayden Christenesen), auf seine Seite zieht.


Der charmante Brite, den das interstellare Actionkino derzeit zu bieten hat, Ewan McGregor als Obi-wan Kenobi, brüllt seinem verwirrten Schüler Skywalker zwar mit väterlicher strenge mehrfach ins gewissen und schneidet ihn, als das nichts hilft, in kleine streifen. Aber die Dominosteine fallen, wie sie sollen: Obwohl der sich auf irgendeiner drittklassigen Randwelt (lies: Afghanistan) in unzugänglichen höhlen versteckende vorgebliche Staatsfeiend Nummer eins General Grievous )lies: Usama bin ladin) gefunden und ausgebombt wird, womit der krieg gegen den Terror eigentlich bereits gewonnen scheint, stachelt Kanzler Palpatine (lies: Dick Cheney) seine aufbrausenden, ehrgeizigen und mit schlechtem Kurzzeitgedächtnis gestraften knecht Anakin (lies George W. Bush) zum Überfall auf alles mögliche (lies: Irak) an, das Militär macht mit, ein Ermächtigungsgesetz zur Behebung der Not von Volk und Galaxis wird verabschiedet, und die Republik ist im Eimer.......

Anmerkung des Einsenders: Stay fucking (sic)

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