Fort Minor bzw. Mike Shinoda

Kategorie: Biographie
Eingesendet: 02.12.2005
Wörter: 7102
Autor: sabse16
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Fort Minor bzw. Mike Shinoda

FORT MINOR: "The Rising Tied" Er war es, der den unverkennbaren HipHop-Drive in die massiven Vocalsätze LINKIN PARKs einbrachte und die Band, gemeinsam mit Sänger Chester Bennington, zu etwas besonderem machte. Jetzt tritt Mike Shinoda aus dem wahrhaft übermächtigen Schatten der Band heraus und lässt sein eigenes Licht leuchten: FORT MINOR ist Shinodas definitives Soloprojekt, das seiner Liebe zum HipHop unverfälscht Tribut zollt. The Rising Tied – der Schritt eines berühmten Mannes allein auf die Bühne...

Unbeeinflusst von jeder Bandpolicy und von Ansprüchen, die von den Fans einer Band so groß wie Linkin Park gestellt werden, liefert Shinoda mit FORT MINOR ein einzigartiges und sehr spontan wirkendes HipHop-Album, das der Musikalität und der lyrischen Tiefe seiner Texte breitesten Spielraum lässt. Die Vielfalt seiner Themen, der Styles und der Atmosphären, die der Mann ins Spiel bringt, geht weit über das hinaus, was man ein Side-Project nennt. Es zeigt Shinoda als einen Mann mit den Wurzeln im Rap, der weiß was fette Beats sind, wie ein perfekter Rhyme funktioniert und wie man sich  im HipHop bewegt, wenn man dort zuhause ist.

The Rising Tied erscheint auf dem Linkin Park-eigenen Label Machine Shop Recordings und führt Jay-Z, mit dem Linkin Park schon im Dezember 2004 den Supererfolg Collision Course vorlegten, als executive producer. An die Mixing-Regler setzte sich Shinoda selbst, der auch alle Tracks selbst schrieb und nahezu alle Instrumente im Alleingang einspielte. Zu den Gästen auf dem Album gehören die Machine Shop-Kollegen Styles Of Beyond und Holly Brook, sowie Common, John Legend, Kenna und Black Thought von The Roots, der bereits auf dem LP-Remix-Album Reanimation dabei war. Auf dieser Zusammenstellung beruht das Wortspiel im Albumtitel The Rising Tied  - denn sie alle sind Künstler, deren Weg aufwärts führt, und die in der Musikwelt aneinander gebunden sind.

FORT MINOR – auch dies ein Wortspiel, das die Dynamik von Gegensätzen im Titel trägt. Nämlich etwas Starkes, Mächtiges, Kämpferisches gegen etwas Geringes, Kleines und – musikalisch gesehen – dunkles, denn Minor bedeutet harmonisch „moll“.
Für Shinoda, der festes Bestandteil des Linkin Park-Mosaiks ist und bleibt, ist The Rising Tied die perfekte Chance, sein persönliches Ding als HipHop-Producer und MC auszuarbeiten, das er in seiner Zeit vor Linkin Park vorformulierte. Von vornherein war es ihm klar, dass er die Tracks organisch halten müsste, heißt, seine eigenen Samples und Breakbeats mit echten Instrumenten herzustellen, und dabei auf Sequencer-Keyboards zu verzichten. The Rising Tide ist voll und ganz sein eigenes Kind, das ganz klar die Linie zeigt, wie sehr einerseits der Sound Linkin Parks von ihm geprägt werden, welche Elemente aber andererseits urtypisch Shinoda sind, die im LP-Patchwork aus nachvollziehbaren Gründen keinen Platz finden. Eine umfassende und persönliche Hommage an seine HipHop-Roots. Und eine äußerst homogene Sammlung an Tracks noch dazu.

Eine Nummer wie Believe Me, die erste Single aus dem Album, erzählt auf einem packenden Breakbeat von einer zu Ende gehenden Beziehung, und lässt Shinodas Liebe zum Classic Rock durchscheinen, indem er Latino-Percussions und einen dramatischen Cello-Bass integriert. High Road dagegen bounct auf einem Pianolick, das von Billy Joel beeinflusst sein könnte – Shinodas Sinn für Humor, denn im Track geht es um jemanden, der ihm vor Jahren empfahl, beim Keyboard zu bleiben, statt zu rappen.
Remember The Name, ein Track der perfekt in einen coolen Club passt, hebt auf ein traditionelles HipHop-Argument ab: Respekt! Wie heißt die Formel für Erfolg? Antwort: 10% Glück, 20% Skills, 15% konzentrierte Willenskraft, 5% Freude, 50% Schmerz und 100% Gründe, sich an den Namen zu erinnern.
Auf Right Now, das von Robert Altmans Film „Short Cuts“ inspiriert wurde, präsentieren Shinoda, Black Thought und S.O.B. eine schnelle Abfolge von Szenen, die von einem fragmentierten Pianolick zusammen gehalten werden, das zudem die verschiedensten Lebenswege miteinander verknüpft. Back Home ist Mikes Hometown-Hommage an Los Angeles, wogegen Petrified eine Hymne voller tiefgründigem Sarkasmus darstellt, die den fettesten Beat seit Ice Cubes „Wicked“ haben dürfte.

Einer der beeindruckendsten Songs auf dem Album ist Kenji. Hier geht es um die in den USA internierten Japaner im zweiten Weltkrieg. Shinoda, dessen Familie selbst von der Kriegsstimmung in den 40ern betroffen war, samplete die Stimmen seiner Tante und seines Vaters für den Song und malt ein düsteres Bild von jenen, die alles verloren, weil sie in sogenannte „Relocation Camps“ gesperrt wurden. Mike: „Ich besuchte das Japanisch-Amerikanische Nationalmuseum und wurde an all die Geschichten erinnert, die mir meine Eltern erzählt hatten. Wie sie in Straflager gesperrt wurden – hier bei uns in den USA! – nicht weil sie ein Verbrechen begangen hatten, sondern weil sie einem bestimmten Profil entsprachen. Ich musste einfach einen Song darüber schreiben.“

Mike Shinoda macht sich Gedanken um die Welt, in der er lebt. In den letzten fünf Jahren engagierte er sich für Organisationen wie United Way, AIDS Project L.A., Densho, The Japanese American National Museum, Arthritis Foundation und die Make–A–Wish Foundation. Ende letzten Jahres gründeten Linkin Park die Organisation Music For Relief für den Wiederaufbau in Südostasien. Die Band beteiligte sich an einer ausverkauften Show in Los Angeles zum selben Anlass, die 2 Millionen Dollar für die Opfer des Tsunamis einbrachte.
Bereits vor ein paar Wochen erregte SHINODA als Solo-Künstler und Producer Aufsehen, als er den Großteil der Score-Musik zum MTV Video Music Award lieferte. Und schon im letzten Jahr war es SHINODA, der die Single-Auskopplung Enjoy The Silence aus dem Depeche Mode-Remix-Album Remixes 81-04 zu einem Hit reinterpretierte.

Als Mike bei Linkin Park einstieg, entschied er sich damit gegen einen Karriere als Maler und seine Ausbildung als Bachelor of Arts am Art Center Collage of Design in Pasadena. Nach zehn Jahren Klavierunterricht war schon vorher zum HipHop-Producer und MC umgeschwenkt und traf Mitte der Neunziger auf Gitarrist Brad Delson, Joseph Hahn, Rob Bourdon, Phoenix und Chester Bennington, die in der Folge Linkin Park gründeten. Das Debüt Hybrid Theory wurde  2001 zur weltweiten Nummer 1 und erhielt einen Grammy Award für Crawling als „Best Hard Rock Performance“. Die folgenden Alben Reanimation, Meteora und Live In Texas haben die Fanbase der Band konstant erweitert. Insgesamt kommen Linkin Park bis heute auf 35 Millionen verkaufte Alben.

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