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Von deinen Lippen lesen
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Von deinen Lippen lesen
Am Bahnhof hast du mich abgefangen, ich war ganz froh darum. Du hast so verzweifelt ausgesehen, als du mich darum gebeten hast, mit dir noch einen Kaffee trinken zu gehen. Und du hast ganz verschämt zur Seite geschaut, als ich dich angelächelt habe und dir gesagt habe, dass ich noch Zeit hätte. Nur ganz kurz habe ich Erleichterung in deinem Gesicht gesehen. Jetzt sitzen wir hier, ich rühre verträumt in meinem Kaffee herum, starre auf deine sinnlichen Lippen, die sich öffnen und schließen, denn du redest mit mir. Ich wünschte, ich würde dir zuhören, aber ich bin zu verzaubert von dir. Im Café ist es sehr leer, ich glaube, jeder könnte dir zuhören. Nur ich nicht. Ich betrachte dein Gesicht, bleibe an deinen Augen hängen und stütze mich ein wenig auf die Tischplatte, schaue dich weiter an. Ich frage mich, ob du es bemerkst, dass ich dich so anstarre, dass ich dir nicht zuhöre, dass ich so sehr mit dir beschäftigt bin, dass ich es schon wieder nicht sein kann. Du schaust mir in die Augen, irgendwie siehst du ein wenig gequält aus. Du leckst dir über die Lippen, erzählst dann weiter und bedankst dich wohl kurz bei der Kellnerin, die dir deinen Cappuccino bringt, dann richten sich deine Augen wieder auf mich, während du dir noch zusätzlich viel Zucker in den Cappuccino hinein schüttest. Ich betrachte deine schönen Hände, erinnere mich an unseren letzten Urlaub zusammen mit den anderen, den Urlaub am Strand. Es war ein schöner Urlaub gewesen, wir hatten sehr viel Spaß gehabt. Und ich konnte dich ohne Angst anfassen, denn die anderen haben dich ja auch angefasst, als sie dich einfach ins Wasser geschmissen haben. Mehrmals. Also habe ich dich im Wasser geärgert. Ich frage mich, ob du es bemerkt hast, dass ich dich bewusst aus Versehen an manchen Stellen angefasst habe und dass ich nicht nur aus Spaß Spaß mit dir haben wollte. Ich drifte wieder zurück in die Gegenwart, du redest immer noch, ich höre dir nicht zu. Hast du Tränen in den Augen? Ist etwas passiert? Du redest nicht mehr, merke ich, denn du schaust mich nur noch an, deine schönen Lippen haben sich jetzt endgültig geschlossen. Du schaust so auffordernd, ich verstehe nicht, warum. Mein Blick driftet kurz von dir ab, zu der Uhr, ich sehe, dass mein Zug gleich kommt. Also lächle ich, erhebe mich von dem Stuhl und streife mit meiner Hand an deiner Schulter entlang, mit der anderen Hand trage ich meine Tasche. „Es war schön, dich noch einmal zu sehen, Ruki.“, sage ich und verlasse das Café, gehe zu meinem Gleis und überlege, warum du so auffordernd geschaut hast. Ob du jetzt noch im Café sitzt, während ich in den Zug einsteige? Ich überlege weiter, was du mir gesagt hast, ich war so auf dich fixiert gewesen, es muss doch etwas zu mir durch gekommen sein? Ich denke nach, beiße mir auf die Lippen, schaue aus dem Fenster, als ich mich hingesetzt habe und versuche, mich an die Bewegungen deiner Lippen zu erinnern. Zwar habe ich noch nie von Lippen lesen können, aber vielleicht habe ich mir deine Lippen so eingeprägt, dass ich die Silben erkennen kann. Ich lecke mir kurz über die Lippen, schaue weiter aus dem Fenster und runzle die Stirn, als ich weiter überlege. Deine Augen waren etwas feucht, du hast mich auffordernd angeschaut, als ob du etwas erwartet hast, was ich erwidern könnte. Deine Lippen. Ich weite meine Augen, ich verstehe. Ich glaube, dass ich verstanden habe. Der Zug soll gleich losfahren, das sehe ich an der jetzigen Uhrzeit. Ich stehe schnell auf, haste zur Zugtür um noch schnell aus dem Zug zu steigen und zu dir zurück zu kommen. Mein Atem ist schnell, als ich im Café am Bahnhof ankomme, denn ich habe meine Tasche im Zug vergessen, musste sie noch schnell holen, aber durfte nicht im Zug bleiben. Im Café sitzt du, auf dem Stuhl, an dem Tisch, dir gegenüber noch dein Cappuccino, dem gegenüber mein Kaffee und ein leerer Stuhl. Du schaust starr auf den Tisch hinab, ich sehe das salzige Wasser, das von deinem Kinn tropft. Als ich meine Tasche neben den Tisch fallen lasse und mich dir wieder gegenüber setze, warst du kurz zusammen gezuckt, hast mich angeschaut und hast schnell deine Tränen weggewischt. Ich lächle dich an, als du leise „Reita?“ fragst, schaue kurz in meinen Kaffee, dann wieder zu dir. „Ich mich auch.“, sage ich dir lediglich und du schaust mich erst perplex an, bevor du leicht erstickt einatmest, „Du hast dich..-?“ Als ich dich einfach weiter anlächle und in deine verweinten Augen schaue, redest du gar nicht weiter, erwiderst nach kurzer Zeit das Lächeln und gibst ein „Okay.“ von dir. Bewertung
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Kommentare
schöne geschichte, schön geschrieben... was kann man da mehr sagen
Die geschichte ist wirklich schön.
Ich schließe mich Derik an
Wirklich schön, habe ewig keinen Slash mehr gelesen und bin froh, mit einer so
guten Geschichte wieder angefangen zu haben. Es hat mich um ehrlich zu sein
überrascht, ich hätte nicht so viel von dieser Seite erwartet...du hast noch ein
paar Stellen drinen, bei denen man etwas umformulieren könnte, aber ich mag
deinen Schreibstil und Ausdruck, weil du nicht versucht hast,die Situation bis
zum Kitsch zu romantisieren(wie es leider sehr viele tun), sondernehr sachlich,
distanziert beschreibend bleibst.
Also, Lob von mir & weiter so