Sternenglanz
Sternenglanz
"Zugabe! Zugabe! Zugabe! ..." Das Publikum konnte gar nicht genug bekommen.
Zum 3. mal forderten sie nun schon ein Zugabe. Doch irgendwann musste auch mal
Schluss sein! Farrµ schrie ins Mikro:
"Berlin! Ihr seid wunderbar! Doch wir müssen jetzt gehen! "(Ooh-Rufe von Seiten des
Publikums)" Ja, uns fällt es auch schwer, doch wir geben ja bald schon unser nächstes
Concert ... "(Jubel aus dem Publikum)" ... und würden uns freuen, dort wieder ein
genau so tolles Publikum wie euch zu haben!"
Er drehte sich zu der Band um und nickte kurz. Das war das Zeichen für ihren Abgang.
Limura schlug ein letztes mal seine Saiten der extra angefertigten Gitarre an, woraufhin sich die Bühne in Rauch aus der Nebelmaschiene auflöste.
Als der Rauch sich verzogen hatte, war von der Band "The DyCons" keine Spur mehr zu
sehen...
Der Beifallsturm des Publikums hielt immer noch an. Die Bandmitglieder packten ihre
Instrumente ein, mit einem erschöpften Lächeln im Gesicht. Nur Farrµ war nicht zufrieden.
Wie üblich.
"Leute, ich muss ja wohl nicht sagen, dass wir heute nicht 100% gegeben haben, oder?
Mal wieder!", setzte er seine Strafpredigt an.
"Lass gut sein, Farrµ! Sieh dir doch nur mal all unsere Fans da draußen an. Reicht dir das denn nicht? Was willst du mehr?", versuchte Liz(zy) alias Talîa ihn zu beruhigen. Sie legte ihm eine Hand auf die Schulter und zeigte weit ausholend mit der anderen zu der Meute, die sich immer noch vor der leeren Bühne drängte.
Sie waren die erfolgreichste New-comer Band seit jeher. Innerhalb von wenigen Wochen
hatten sie bereits die gleichen statistischen Erfolgszahlen wie die Nummer 1 Plätze der
vergangenen Charts in ihrer gesamten Karriere. Doch Farrµ sah nur die Fehler. Er wollte
die "Perfekte Band" hervorbringen. Und da reichte ihm der bisherige Erfolg noch nicht
aus.
Er schnaubte und wandte sich ab.
"Pack lieber deine Gitarre ein.", meinte er nur sturr.
Jetzt meldete sich Utúhma zu Wort.
"Mensch, Farrµ! Reg dich ab, Alter! Wenn du ein Problem mit der Band hast, dann ist
das halt eben so. Aber das ist noch lange kein Grund, uns zu behandeln, als wären wir
deine Sklaven! Vergiss das nicht!" Er drohte Farrµ mit seinen Drum-Sticks.
Simaru hörte den Streithähnen noch nicht einmal zu. In Gedanken ganz wo anders packte er seinen Bass in die Tasche. Dabei bemerkte er nicht, dass er das Kabel noch nicht abgestöpselt hatte. Limura, der 2. Gitarrist, stupste ihn an.
"Hey, was ist los mit dir?"
Simaru erschrak und kehrte in die Realität zurück. Als er Limura anblickte, in dessen
braune Augen schaute, stieg ihm die Röte ins Gesicht.
"Eh-n ... nichts! ... Nichts, Limu. Was - soll denn sein?"
Limura schaute viel sagend auf Simarus E-Bass Tasche. Simaru folgte seinem Blick und staunte über das Kabel, was da heraus hing.
"Oh." Mehr konnte er nicht sagen. Zu peinlich war ihm die Situation. Was hätte er auch
sagen sollen? Den Grund, weshalb er so abwesend war, konnte er schlecht sagen. Ganz
besonders nicht Limura. Er wusste nicht, wieso. Immerhin waren sie schon seit Kinderbeinen an beste Freunde gewesen und hatten sich immer gut verstanden. Aber immer in seiner Gegenwart fühlte Simaru sich irgendwie unwohl und zugleich hatte er ein zum Teil flaues, zum Teil wohliges Gefühl in der Magengegend. Immerzu musste er darüber nachgrübeln. Und auch genau deshalb war er heute so miserabel gewesen. Zwar hatte es keiner der Fans gemerkt, die Bandmitglieder jedoch sehr wohl. Er hatte jeden 2. Ton vermasselt und oft seinen Einsatz verpasst.
Er traute sich nicht, Limura anzuschauen.
Doch dieser gab sich noch nicht zufrieden. Er kannte Simaru immerhin gut genug, um
zu merken, dass mit ihm etwas nicht in Ordnung war.
So legte er ihm einen Arm um die Schultern und flüsterte so leise, dass es selbst Simaru
in dem Lärm des immer noch tobenden Publikums kaum verstand:
"Ich muss 'mal mit dir reden. Nachher."
Damit überließ er ihn wieder sich selbst.
Doch die Berührung seines Arms blieb auf Simarus Schultern bestehen, obwohl Limura schon längst wieder mit seiner Gitarre herumspielte.
Erst die Worte ihres Managers "Dr. Who" ließen ihn wieder zurück kehren ins Hier und
Jetzt. "Okay, Leute! Ihr wart riesig, einfach super spitze! Aber jetzt ab in den Tourbus!
Ihr braucht euren Schlaf!"
Das ließ sich Simaru nicht 2-mal sagen.
Er packte seinen Bass und das noch daran hängende Kabel und folgte seinem Manager
in Richtung Ausgang.
Im Tourbus herrschte völlige Stille.
Sie hatten ein 3er Hochbett direkt hinter der Fahrerkabine und zwei nebeneinander
stehende Einzelbetten ganz hinten im Bus. Dazwischen lag das kleine Bad, ein Schrank
für die Instrumente und die Treppe für die obere Etage. Oben war eine bequeme Sitzecke
im hinteren Bereich und vorne nochmal eine weitere Doppelschlafcouch.
Farrµ, Utúhma und Talîa schliefen bereits im Dreierhochbett.
Simaru und Limura hatten die 2 Einzelbetten.
Doch Simaru konnte einfach nicht schlafen. Stattdessen war er nach oben geschlichen
und hatte sich dort auf die Couch gelegt.
Auf dem Rücken liegend, alle Gliedmaßen weit von sich gestreckt, schaute er durch
das Dachfenster in den Sternenhimmel und ließ seinen Gedanken, die ihn wach hielten, freien Lauf. Wieso konnte er sich nur nicht mehr auf sein Spiel konzentrieren? Er war doch immer ein so leidenschaftlicher Bassist gewesen... was war nur mit ihm geschehen?
Er konnte nur noch an Limura denken. Warum fühlte er sich nur so komisch unwohl
und doch auch zugleich wohl in seiner Gegenwart? Warum auf einmal? Das war doch
sonst nie so gewesen... Beste Freunde für immer, hatten sie früher immer gesagt.
Sie waren zusammen aufgewachsen, hatten alles zusammen erlebt, sind gemeinsam durch
dick und dünn gegangen. Sie waren wie Brüder gewesen. Doch seit einiger Zeit war da
etwas anderes. Was war geschehen? Wieso wurde er in Christians Gegenwart immer so
nervös? Wieso wurde er bei seinen Berührungen rot? Und wieso um alles in der Welt
konnte er mit seinem Bruder nicht mehr reden ohne zu stottern?
Und warum? Warum hatte er keine Antworten auf all diese Fragen?
Simaru war so in seine Gedanken vertieft. Er verfluchte sich selbst für seine Unwissenheit. So bemerkte er nicht, dass sich in der Dunkelheit der Nacht ein Schatten ihm näherte.
"Was machst du denn hier so ganz allein? Konntest du auch nicht schlafen?"
Simaru schrak auf und saß auf einmal kerzengerade aufrecht. Sein Herz setzte für
geraume Zeit aus und er befürchtete schon, es wäre stehen geblieben.
"Huh! ... Limu?", fragte er unsicher in die Dunkelheit. Seine Stimme bebte.
Limura trat einen Schritt näher und der Lichtschein einer Strassenlaterne fiel auf seine
weichen Gesichtszüge.
Seine ebenmäßige, jedoch blasse Haut... Im Lichtschein leuchteten seine dunklen Augen.
Durch das offene Fenster wehte ein leichter Windhauch und spielte mit den Strähnen
seiner schwarzen glatten Haare. Sein sinnlicher Mund formte vollkommen die Worte:
"Ja. Also was ist? Was bringt dich hier hoch?"
Simaru spürte sofort wieder das flaue Gefühl im Bauch und die Röte ins Gesicht schießen. Zum Glück war es dunkel, sodass Limura es hoffentlich nicht bemerkte.
"Ich konnte nicht schlafen. Ich musste fortwährend an d... äh ... an etwas denken.",
brachte er mühevoll hervor und versuchte dabei erfolgslos möglichst gelassen zu klingen,
seine Nervösitat zu überspielen.
"An etwas denken? An was denn?", fragte Limura, neugierig geworden.
Er ließ sich neben seinen besten Freund auf die Couch fallen und blickte ihn aufmerksam
an.
So, shit! Das war's jetzt! Jetzt saß er in der Scheiße. Was sollte er jetzt antworten?
Doch sein Schweigen und der verlegene Blick schienen Limura schon zu reichen.
"Ah, okay. Merk schon. Willst nicht darüber sprechen. - Ey, komm schon, Alter!
Wir sind doch Brüder! Kannst mir doch alles sagen! ... Oder ist es wegen mir?"
Bingo! Verdammt, was sollte er nur machen?
"Nein ... nein, das...", versuchte er sich rauszureden. Ihm wurde immer unwohler zu Mute.
Limura ließ jedoch nicht locker.
"Was ist es denn dann? Ist es etwa wegen vorhin? Da wollte ich ja sowieso noch mit dir
reden. Was ist nur los mit dir?"
Schweigen.
"Och, Simaru! ... Sima... komm schon! Ich mach mir langsam echt Sorgen! Ich erkenne
dich kaum noch wieder! Wo ist der Sima hin, der du einmal warst? Wo ist dein
Lachen geblieben? Du bist in letzter Zeit immer in dich zurückgezogen, so ernst, so
nachdenklich! Wo ist der Sima, der alle zum Lachen bringt, der mich immer ärgert,
der uns beide immer in Schwierigkeiten bringt? Wo bist Du?"
Die einzige Antwort, die Simaru darauf einfiel, war ein ratloser Blick.
Limura seufzte.
"Also, wenn du eine Antwort für mich hast ... lass dann hör'n. Du weißt ja, ich bin für
dich da, Bruder."
"Das ist es ja. Ich kenn die Antwort selbst nicht. Irgendetwas stimmt hier nicht ... und
damit meine ich nicht mich. Ich weiß nur nicht, was es ist!", rutschten die Worte leise
über Simarus Lippen, noch ehe er sie daran hindern konnte.
Verdammt! Schnell biss er sich auf die Lippen, als ob er damit seine Worte ungesprochen machen könnte.
Limura, der sich gerade noch zum Gehen gewandt hatte, drehte sich nun wieder langsam
zu ihm um. Doch er sagte nichts.
Eine ganze Weile lang starrten sie sich einfach nur in die Augen.
Dann legte sich Limura seufzend zurück neben ihn auf den Rücken und betrachtete seinereits die Sterne.
Mit einem unbestimmten Kribbeln im Bauch machte Simaru es ihm gleich.
***
Limura betrachtete die Sterne. Sie sahen heute Nacht so anders aus.
So hell, so leuchtend, so klar.
Er blickte zu Simaru hinüber, der direkt neben ihm lag und doch so unendlich weit
entfernt zu sein schien.
In seinen Augen spiegelten sich die Sterne, deren Licht ihn noch um ein vielfaches blasser
wirken ließen, als er ohnehin schon war. Doch das milderte seine Schönheit keineswegs.
Er war ein sehr attraktiver junger Mann. Die Mädchen lagen ihm tausendfach zu Füßen.
Doch hatte er sie nur selten angeschaut. Mit diesen wunderschönen Augen. Mit diesen
wunderschönen, traurigen Augen.
Was bedrückte seinen Bruder nur so dermaßen? Und warum redete er nicht mit ihm?
Das alles ergab doch keinen Sinn! Seit ein paar Wochen war er wie ausgewechselt, lachte
nicht einmal mehr. Und immer wenn Limura sich ihm näherte, blickte er anderswo hin.
Manchmal wurde er sogar rot. Er benahm sich so eigenartig!
Wenn er ihm doch nur helfen könnte!
Er verstand es ja noch, dass er mit den anderen aus der Band nicht über seine Gefühle
redete. Doch warum er sich auch vor ihm verschloss, blieb Limura ein Rätsel.
Er träumte. Er wusste, dass er träumte. Und doch, der Traum war so real, er hätte
schwören können, bei vollem Bewusstsein zu sein.
Er schaute von einem Felsen aus in ein Tal hinab. Dort unten saß eine sehr
zerbrechlich wirkende Gestalt. Sie schaute zu ihm auf - und er sah in die Augen von
Simaru. Er schaute ihn so flehend an, so verletzlich, so zärtlich.
Er wollte zu ihm hinunter, ihm helfen.
Doch der Felsen war sehr steil und das Tal war zu tief.
Er konnte ihn nicht erreichen.
Simaru schrie etwas. Er konnte nicht verstehen, was es war.
Doch es klang so gequält und gleichzeitig so voller Hoffnung.
***
Simaru lag seitlich da, neben Limura. Er stützte sich auf einem Ellbogen ab und
betrachtete das blasse Gesicht seines Bruders. Wie er so da lag und schlief, sah er fast
aus wie tot. Nur das sich seine Brust hob und senkte. Doch auch so schon war es eine
furchtbare Vorstellung.
Seit einiger Zeit schon lag Simaru so da und betrachtete sein Gegenüber ganz genau.
Jede kleine Regung nahm er wahr. Dabei überlegte er. Wieder die selben Fragen.
Doch diesesmal hatte er endlich eine Antwort...
Als Limura im Traum seinen Namen rief, stockte ihm der Atem. Er träumte von ihm!
Schnell ließ er sich zurück in die Kissen sinken. Denn Limura bewegte sich unruhig.
Er war kurz davor zu erwachen.
Und unter keinen Umständen sollte er mitbekommen, das Simaru ihn die ganze Zeit über
beobachtet hatte, über seinen Schlaf, seinen Atem gewacht hatte.
***
Schweißgebadet erwachte Limura. Wo war er? Wo war Simaru?
Es war nur ein Traum gewesen, doch so real ...
Er schaute sich um. Neben ihm schlief sein Bruder, ruhig, wie ein kleines Kind. Er sah so unschuldig, so süss, so unbeschwert aus.
Limura wollte, diese Ausstrahlung würde anhalten, nicht nur für die Träume Simarus.
Er sollte wieder fröhlich sein. Nicht so, wie in seinem Traum. Was hatte das zu bedeuten? Er blickte zu den Sternen auf. Doch eine dichte Wolkendecke hatte sich nun über den Himmel gezogen und verdeckte jegliche Sicht auf den glänzenden Wert dahinter. Langsam und vorsichtig schlich Limura sich so leise wie nur irgend möglich, um Simaru nicht zu wecken, zurück nach unten, in sein Bett. Er musste unbedingt die Bedeutung seines Traumes herausfinden. Doch nicht mehr jetzt. Jetzt musste er schlafen!
***
Simaru hatte den Blick seines besten Freundes auf sich ruhen gespürt. Doch er hatte sich weiterhin schlafend gestellt. Insgeheim hatte er gehofft, Limura würde nicht gehen. Nicht jetzt, da er endlich die Antwort auf seine Fragen gefunden hatte. Auch wenn es schwer zu verstehen war. Aber er musste es einsehen. Limura war mehr als nur ein Bruder für ihn.
Wann immer Simaru Hilfe brauchte, er war da.
Wann immer Simaru traurig war, er war da.
Wann immer Simaru einsam war, er war da!
Limura war schon immer da gewesen.
Doch er war noch nie so anziehend gewesen...
In seiner Nähe zog er Simarus Gedanken magisch an. Er konnte nur noch an ihn denken, hatte nur noch Augen für ihn. In seiner Nähe war ihm wohl zu Mute. Jetzt konnte Simaru auch das flaue Gefühl definieren. Es war Angst. Angst, Limura zu verlieren. Angst, ihn zu entäuschen. Angst, er fühlt anders.
Simaru erinnerte sich an Limuras Worte, ein paar Stunden zuvor.
Seine sanfte, melodische Stimme...
Seine geschwungenen, vollen Lippen...
Sein reines, stets fröhliches Geischt, mit den wirklich besorgten Fältchen auf der Stirn...
Seine Augen... oooh, seine wundervollen Augen! Wie sie im Licht der Sterne gestrahlt hatten! Die wunderschönen, kastanienfarbenen Augen! Mit diesem Glanz...
Ja, Simaru musste es sich eingestehen...
Da war mehr als beste Freunde und Brüder für immer...
Mit einem Kribbeln im Bauch und einem Lächeln auf den Lippen schlief Simaru ein.
Und er träumte... Er träumte sich sein Leben, wie er es gerne hätte. Doch das sollte nicht für lange wehren...
Ein Eimer Wasser beendete seinen seelischen Traumfrieden.
"Maaan, was soll der Scheiß denn? Noch unsanfter kann man einen wirklich nicht
wecken!", schrie Simaru völlig empört, wütend und trotzdem noch völlig verschlafen,
was dem ganzen etwas seine Schärfe nahm.
Vor sich hin murrend, rieb er sich die Augen und suchte seinen Wecker. Da stand Farrµ, den Eimer in der Hand, und grinste.
"Hat dir eigentlich mal jemand gesagt, das du im Schlaf redest?", er klang sehr schelmisch.
Simaru war verwirrt. Im Schlaf reden? Er? Was sollte er denn gesagt haben?
"Ach wirklich? Und was hab ich gesagt?", fragte er skeptisch.
"Du hast immer wieder nur einen Namen genannt... Limura! Also ich weiß ja nicht, was
du geträumt hast, aber was Anständiges war das bestimmt nicht!"
Wieder dieses Grinsen. Am liebsten hätte Simaru ihm eine gescheuert. Nicht nur, wegen dieses Grinsens, nein, das wäre noch zu ertragen. Aber er hatte von seinem bisher schönsten Traum erfahren. Und wenn er das falsch, oder eher gesagt richtig deutete, das wäre nicht auszudenken. Nein, keiner sollte davon erfahren. Nicht, ehe er alles geklärt hatte. Also überlegte er schnell.
"Ich hab geträumt, Limura wäre schwer verletzt ... bei einem Unfall. Und ich konnte ihm
nicht helfen. ... warum erzähl ich dir das eigentlich?"
In der Hoffnung, überzeugend genug gewesen zu sein, stand Simaru auf.
Ohne ein weiteres Wort ging er mit klopfendem Herzen an Farrµ vorbei, nach unten.
Limura schlief noch tief und fest und drehte sich unruhig im Schlaf hin und her.
Die Decke hing halb auf dem Boden. Und seine wundervollen Haare waren ganz verwuschelt. Doch auf eine belustigende Art und Weise war das Bild, das sich Simura da bot, auch wieder attraktiv. Schnell wandte er den Blick ab und ging zu seinem Schrank.
Er musste aus den nassen Sachen raus! Sein Shirt klebte auf der nackten Haut, ebenso wie die Jeans und alles andere. Ein sehr unangenehmes Gefühl.
Also zog Simura so hastig wie möglich das Shirt über den Kopf und warf es in die
hinterste Ecke des Busses.
In dem Moment nuschelte eine noch sehr verschlafene Stimme hinter ihm ein:
"Guten Morgen. Wie spät ist es?"
Simura wirbelte herum - und sah sich, den Oberkörper völlig entblößt, dem gerade
aufgewachten Limura gegenüber. Wie versteinert starrte er den nicht mehr Schlafenden an. Und die Schamesröte schoss mal wieder hoch ins Gesicht.
Jeder wäre okay gewesen. Aber vor Limura halb nackt zu stehen, wenn auch nur der Oberkörper... das war Simaru verdammt peinlich.
Doch das schien dem Verantwortlichen nicht aufzufallen, oder zumindest spielte er es
herunter. Worüber Simaru insgeheim auch sehr dankbar war.
"Hey, was ist los? Ich hab dich gefragt wie spät es ist. Nun schau mich doch nicht an
wie ein Karpfen!", sagte Limura, immer noch recht schläfrig. Das brachte Simaru zum Lachen. Ja, er vergaß all seine Sorgen. Er lachte. Zum ersten mal wieder seit geraumer Zeit. Das fiel auch Limura auf. Er lächelte.
"Hey, du Karpfen! Du lachst ja endlich wieder. Dann ist das, was immer dich auch
bedrückt hat, nun verschwunden?" Seine Stimme klang zum Teil freundlich, zum
Teil hoffnungsvoll.
Bei dem Anblick seines honigsüssen Lächelns und dem Klang seiner sanften Stimme
wurde Simaru ganz warm ums Herz und er fühlte sich zum ersten Mal seit einer gefühlten
Ewigkeit wieder wohl. Er nickte nur und erwiderte das Lächeln.
Nach kurzem Schweigen dann:
"Wir haben halb 10. Auf, zieh dich an, wir haben gleich Bandprobe."
***
Simaru war auf ein Neues wie ausgewechselt. Er war nicht mehr so ernst und nachdenklich, wie die ganze letzte Zeit. Doch ganz der Alte war er auch nicht. Irgendetwas war da noch. Aber er wirkte immerhin wieder fröhlich. Und das war ein gutes Zeichen. Ja, er brachte wieder Leben in die Band. Jetzt merkte Limura erst wirklich, wie sehr er den alten Simaru vermisst hatte. Das unbeschwerte Herumalbern... die Streiche... Ja, das war der alte Simaru. Und doch auch wieder nicht! Die Art, auf die er ihn, Limura, ansah, hatte sich verändert. Er wurde zwar nicht mehr nervös, wenn er mit ihm sprach, aber immer noch rot, wenn sie sich aus Versehen berührten. Doch vielleicht war das auch nur der Rest seiner ... "Depression". Vielleicht würde sich das auch wieder geben, innerhalb der nächsten paar Tage.
Die Bandproben liefen wieder hervorragend. Durch die neue gute Stimmung wurden alle
angesteckt, sogar Farrµ. Und alle gaben 200%. So gut waren sie noch nie gewesen. Nach dem 10. Song, der auf Anhieb geradezu perfekt klappte, trafen sich die Blicke von Limura und Simaru. Simaru lächelte. Es war ein unbeschwertes, freies Lächeln, voller Glück. Was war nur mit ihm in jener Nacht geschehen? Er war nun wieder genau das Gegenteil von dem, was er noch vor eben dieser Nacht war. Seine Augen leuchteten und er wirkte attraktiver denn je. Limura verlor sich in diesen strahlenden, dunklen Augen. Er war wie hypnotisiert. Und Simaru blickte ihm weiterhin in die Augen. Und lächelte.
"Leute, das war klasse! Kein Vergleich zum Auftritt oder geschweige denn den anderen
Proben! Simaru, so muss das sein! Echt spitze, Leute!"
Nach der Probe war Farrµ völlig aus dem Häuschen und konnte sich gar nicht mehr
einkriegen. So eine gute Laune hatte er selten. Und noch seltener gab es Lob für die Band. In dem Moment kam Dr. Who in den Proberaum.
"Leute, ich möchte jetzt Jubel hören. Ich habe für übernächstes Wochenende ein
Tonstudio klar gemacht. Wisst ihr, was das bedeutet?"
"Wir können endlich unser erstes Album aufnehmen?", fragte Talîa aufgeregt. Alle Blicke richteten sich auf Dr.Who. Limuras Herz pochte wie wild, als er den Atem anhielt und die Antwort abwartete. Doch es kam keine Antwort.
"Jetzt spann' uns doch nicht so auf die Folter!", forderte Utúhma gespannt.
"Ok, ok! Jaa! Ihr nehmt euer erstes Album auf!", trällerte Dr.Who. Allgemeiner Jubel brach aus. Alle riefen durcheinander.
"Wir haben es geschafft!"
"Wow, unser erstes Album!"
"Wir sind soo gut!"
"Schlagt ein!"
Sogar Simaru beteiligte sich an dem Wirrwarr. Und dann kam er direkt auf Limura zu.
"Ich muss dich nachher mal sprechen. Alleine."
***
Simaru atmete tief durch. Den ersten Schritt auf einem langen Weg hatte er getan. Am Vortag bei der Bandprobe war alles genial gewesen. Nicht nur, das alle Songs geklappt und sie es ins Studio schaffen würden. Nein, da war noch eine Kleinigkeit gewesen. Diese Kleinigkeit, die ihm wichtiger war, als die Erfolge der Band. Limura hatte ihn auf diese Weise betrachtet... ihm in die Augen geschaut... Und ihn angelächelt... Das alles sind ja eigentlich ganz normale, alltägliche Dinge, doch in jener Situation... Da war so etwas Knisterndes dabei gewesen. Sie beide hatten den Blick nicht voneinander lösen können. Und wieso sollte Limura das alles gemacht haben, wenn nicht aus dem Grund, dass er
ihn auch mochte? Also so richtig mochte, nicht im Sinne von Bester Freund oder Bruder.
Und selbst wenn nicht, so hat dieser eine Moment Simaru Kraft und Freude zurückgegeben und ihm auch ein wenig Mut gemacht, Hoffnung, dass es nicht ganz chancenlos ist. Und den neuen Mut hatte er gleich genutzt und Limura gesagt, er müsse mit ihm reden.
Jetzt saß er hier im Hinterhof eines halb verfallenen Hotels auf einer Mauer und wartete. Hier wollten sie sich treffen. Um alleine zu reden. Ohne die neugierigen Ohren der anderen. Besonders die Gitarristin Talîa war eine riesige Tratschtante. Nichts blieb lange vor ihr geheim. Und sobald sie etwas wusste, wusste es die halbe Welt.
Schritte auf knirschendem Kies schreckten ihn aus seinen Gedanken. Er blickte auf. Sah in das Gesicht Limuras. Er sah hinreisend aus.
"So, hier bin ich. Um was geht es?"
Simaru hatte den Ablauf des Abends genau durchdacht, an jedwede Kleinigkeit gedacht.
Nur nicht daran, dass er beim Anblick dieser Schönheit alles vergessen könnte. So stand er nur da, unschlüssig, was er machen sollte.
Schließlich entschied er sich dafür, erstmal näher an Limura heranzutreten.
So sprang er von der Mauer und schlenderte langsam und ein wenig unsicher in Richtung
Limura. Etwa einen Schritt vor ihm blieb er stehen, atmete tief ein und sagte:
"Es gibt da etwas sehr Wichtiges, was ich dir sagen muss."
Doch wie? Wie sollte er es ihm sagen? Simaru schaute Limura direkt in die glänzenden Augen. Dieser wartete geduldig auf die Erklärung, die jetzt kommen musste. Endlich fasste sich Simaru ein Herz und nuschelte leise in den Wind.
"Weißt du, wir kennen uns ja schon seit wir ganz klein waren. Wir sind zusammen
aufgewachsen, haben so manche krummen Sachen gedreht. Und wir waren schon immer
wie Brüder gewesen."
Er stockte. Wie sollte er weitermachen? Wo sollte er wieder ansetzen? Limura nickte aufmunternd, dass Simaru weiterreden sollte. Dieser atmete noch einmal tief durch.
"Doch in den Wochen vor unserem großen Erfolg mit der Band ist etwas mit mir passiert. Ich weiß nicht wie, ich weiß nicht was und auch nicht wieso. Ich weiß nur, dass es so ist. Ich kann natürlich verstehen, wenn du nicht das Gleiche fühlst, aber ich hoffe es natürlich. Weißt du, ich habe das wirklich noch nie gesagt. Und vor allem nicht zu einem Jungen. Aber..."
Simaru konnte nicht weiterreden. Ihm fehlten einfach die Worte. Als Limura merkte, dass Simaru nicht mehr weiterreden würde, schüttelte er langsam den Kopf. Schon allein dadurch rutschte Simaru das Herz in die Hose und ihm drohte schwindelig zu werden. Was hatte er auch anderes erwartet? Wie hatte er nur so dumm sein können?! Jetzt hatte er alles zerstört, wirklich alles!
Doch als Limura anfing zu sprechen, war seine Stimme sanft und weich, wie zuvor.
"Es tut mir wirklich Leid. Aber "(Jetzt sagt er, dass er nichts mehr mit ihm zu tun haben
will, hundert pro!)" ... aber ich verstehe kein Wort von dem was du da sagst."
Limura lächelte entschuldigend. Simaru viel beinahe ein Stein vom Herzen. Es gab also noch Hoffnung! Doch wo sollte er jetzt ansetzen, um seine letzte Hoffnung nicht auch noch zu verlieren? Limura sah ihn fragend an.
"Ach weißt du was? ... Ist doch nicht so wichtig. Ich sag das dir wann anders mal. Lass
uns jetzt zurück gehen. Es wird lansam kalt."
Jetzt war Limura vollkommen verwirrt. Doch ein Lächeln genügte, um seine Verwirrung zu zerstreuen. So machten sie sich auf den Weg zurück, spassten und alberten ausgelassen herum. Und ganz heimlich genoss Simaru die Nähe zu seinem Freund.
***
Limura fragte sich bei jedem Schritt erneut, was der Bassist ihm eigentlich hatte sagen
wollen. Und noch viel mehr überlegte er, warum er es nicht einfach gesagt hatte.
Wie er doch schon gesagt hatte, sie waren doch schon fast wie Brüder! ... Nein, sie
waren viel mehr als Brüder. Sie waren beste Kumpel, die ein festes Band wie Brüder
verband. Der eine wusste besser Bescheid über den anderen als der selbst... zumindest
war das bisher immer so gewesen! Jetzt war Limura sich da nicht mehr so sicher.
Vorsichtig wagte er einen Seitenblick auf seinen besten Freund. Dieser schaute gerade
zu den Sternen auf.
Simaru... was ist nur wirklich los mit dir?? Du bist zwar wieder fröhlich, zumindest nach aussen hin ... doch ich spüre, dass da noch etwas ist! Warum sprichst du nur nicht mit mir??
Wie als wenn der hübsche Bassist seinen Blick bemerkt hätte, schaute er ihm direkt in die
Augen. Und Limura war gezwungen, seinen Blick zu erwidern, konnte seinem Blick nicht
ausweichen. Diese großen, dunklen Augen, in denen sich die Sterne spiegelten...
Erst als ein Lächeln über Simarus Gesicht huschte, konnte Limura seine Anspannung
und die Hypnose abschütteln. Auch er lächelte. Und erst jetzt bemerkte er, dass sie stehen geblieben waren. Wie lange standen sie denn schon hier, und hatten sich gegenseitig in die Augen gestarrt?! Doch ehe er weiter darüber nachdenken konnte, hatte Simaru ihn auch schon wieder in die Seite geknufft und somit eine weitere Rangelei unter Brüdern heraufbeschworen.
***
Zurück im Tourbus wich Simaru geschickt den Fragen der anderen aus, die herausfinden wollten, wo sie waren. Limura schaute nur etwas überfordert drein, ehe er verkündete, dass er müde sei und nun schlafen gehe. Was Simaru nicht so ganz glaubte. Sie alle hatten einen Band-eigenen Schlafrythmus entwickelt. Es würde noch Stunden dauern, bis sie wirklich müde wurden. Doch fiel ihm auch keine bessere Ausrede ein, um jetzt nicht den anderen alles erklären zu müssen, ihnen nicht Rede und Antwort stehen zu müssen.
So sagte er einfach nur: "Ich bin auch schrecklich müde... Leute, wir sehen uns morgen, schlaft gut."
Und schon war er auf dem Weg in sein Sicherheit versprechendes Bett. Limura war noch im Bad und machte sich bettfertig. Zum Glück. Er selbst machte sich nicht erst noch groß die Mühe sich umzuziehen oder sonstige Maßnahmen für komfortables Schlafen zu treffen, sondern ließ sich einfach auf seine weiche Matratze fallen. Er musste unbedingt nachdenken. Die Ereignisse der letzten Stunde kreisten in seinem Kopf umher und ließen ihm keine Ruhe.
Was hatte er sich nur dabei gedacht? Er konnte doch nicht einfach hergehen und Limura sagen, dass er sich in ihn verliebt hatte! Wie hatte er nur so dumm sein können?
Hatte er denn wirklich allen Ernstes geglaubt, eine andere Reaktion zu bekommen?
Er konnte von Glück reden, dass Limaru nicht verstanden hatte worauf er hinaus wollte!
Obwohl... was hatte er dadurch gewonnen? Nichts! Es ging ihm nach wie vor beschissen! Und jetzt war es nur noch schlimmer!
Doch was war, wenn Limura es doch verstanden hatte? Was war, wenn er es nur nicht verstehen wollte? Und wieso hatte Limura ihn dann später auf dem Weg zurück so angeschaut? So schaute man doch nicht seinen besten Freund und Bruder an! Oder etwa doch? Es führte kein Weg daran vorbei. Simaru musste mit seinem Bruder reden. Selbst wenn das Ergebnis war, dass er seinen Bruder verlor. Aber er konnte diese schreckliche Ungewissheit nicht mehr aushalten!
Doch was war mit der Band? Wenn er etwas zu Limura sagte, egal was daraus folgen würde, es würde Auswirkungen auf die Band haben. Angenommen, Limura teilte seine Gefühle, was die unwahrscheinlichere der beiden Möglichkeiten wäre, so würden sie auf der Bühne, bei den Proben und sowieso die ganze Zeit wahrscheinlich über einander herfallen, was nicht gerade zum Erfolg der Band beitrug.
Oder aber, und das wäre die wahrscheinlichere Möglichkeit, Limura teilte seine Gefühle nicht. Und dann wäre Simaru am Boden zerstört, wie er schon nur durch das Kopfschütteln des Angebeteten im Hinterhof heute zu Spüren bekam. Und was noch schlimmer wäre, Limura würde auf Abstand gehen, ihn vielleicht sogar verachten. Und dann würde die Band zerreissen, ebenso wie Simarus Herz.
Nein. Er konnte Limura seine wahren Gefühle ihm gegenüber nicht äußern. Er würde ihm nicht mehr gehören! So blieb es wohl besser so, wie es war. Auch wenn es ihn verrückt machte!
Das Schloss klickte einmal kurz und die Badezimmertür öffnete sich. Heraus trat ein frisch geduschter, nur in ein Handtuch gewickelter Limura, dessen Anblick Simaru den Atem verschlug.
So musste ein Sexgott aussehen!
Warum musste Limura nur so überaus gemein sein? Es quälte ihn so sehr, ihn jetzt anzublicken und ruhig bleiben zu müssen!
"Schläfst du schon?"
Simaru schüttelte leicht den Kopf.
"Gut. Ich wollte nämlich noch mal mit dir reden."
Mit diesen Worten zog Limura die Zimmertür zu und schnitt damit jegliche Hoffnung auf Hilfe, sowie den einzig möglichen Fluchtweg ab. Verdammt! Was sollte Simaru jetzt nur tun? Langsam setzte er sich auf und schaute Limura frech direkt in die Augen. Er hoffte, er sah entschlossener aus, als er wirklich war.
"Über was?"
Limura legte den Kopf schief und lächelte doof.
"Über was wohl?"
Er kam langsam auf Simaru zu und setzte sich neben ihn auf dessen Bett. Woraufhin diesem sofort das Herz bis zum Hals schlug.
"Was war das vorhin? Was wolltest du mir so wichtiges sagen? Und hey, jetzt hast du keine Ausrede, wir sind im Warmen!"
Er schmunzelte. Mist! Was sollte er denn jetzt nur sagen? Die Wahrheit wollte er nun auf alle Fälle für sich behalten.
"Wie ich schon sagte, es war nicht so wichtig. Vergiss es einfach."
Simaru wandte sich ab. Er konnte dem durchdringenden Blick seines Freundes nicht standhalten. Doch dieser hob seine Hände an Simarus Wangen und zwang ihn so, ihn wieder anzublicken. Diese Berührung brachte Simaru fast um den Verstand. So sehr musste er sich zusammen reißen!
Er schaute Limura direkt in die Augen. Und sah dessen weichen, fast schon 'liebevollen' Blick. Sofort begann er, dahin zu schmelzen.
"Weißt du, eben unter der Dusche ... ich habe nachgedacht. Genau wie du wahrscheinlich. Du hast wohl entschlossen, was immer du mir sagen wolltest, es mir jetzt doch nicht zu sagen."
Sein Blick durchbohrte Simaru nun schon fast. Und immer dieser fragende Ausdruck darin, der zum einen seine Seele aufzufressen schien und zum andern so unglaublich weich und einfühlsam zu sein schien!
"Und das musst du auch nicht mehr! Denn ich weiß, was du sagen wolltest."
***
Limura hatte sich beim Duschen extra lange Zeit gelassen. Um nachzudenken. Das heiße Wasser war auf ihn niedergeprasselt, hatte dieses monotone Trommeln erzeugt. In seinem Kopf hatte sich immer wieder der Hof aufgebaut, immer wieder hatten sich die Worte Simarus in seinen Gedanken wiederholt. Und immer noch hatte er versucht, ihnen eine Bedeutung abzuringen. Plötzlich war ihm wieder die verletzliche und zugleich unsichere Haltung seines Freundes eingefallen, die er zuvor gar nicht so bemerkt hatte. Doch allmählich hatten sich die einzelnen Puzzleteile zusammen gefügt und endlich hatte er das Bild, das sie bildeten, erkennen können.
Wie hatte er nur so blind sein können? Die Zeichen dafür waren doch so deutlich gewesen!
Als er dann schließlich aus der Dusche stieg und ins dunkle Zimmer zurück kehrte, sah er Simaru mit ganz anderen Augen. Es war doch so offensichtlich!
So vorsichtig wie möglich griff er das Thema aus dem Hof wieder auf.
Aber anscheinend war es nicht vorsichtig genug. Denn Simaru schaute gequält aus, so als fühlte er sich in eine Ecke getrieben, er wusste nicht mehr, was er tun oder sagen sollte.
So übernahm Limura das Sprechen.
Als der Freund sich dennoch abwendete, atmete Limura einmal tief durch, biss sich auf die Lippe - und fasste den nötigen Mut. Er umfasste Simarus Gesicht mit beiden Händen und zwang ihn damit, ihn wieder anzublicken.
Dieser schaute ihm in die Augen - und sein Blick veränderte sich, wurde weicher, verträumter. Wieso hatte Limura das nie gemerkt? Es war doch so sonnenklar! So eindeutig!
"Weißt du, eben unter der Dusche ... ich habe nachgedacht. Genau wie du wahrscheinlich. Du hast wohl entschlossen, was immer du mir sagen wolltest, es mir jetzt doch nicht zu sagen."
Er machte eine Pause, um die Reaktion seines Gegenübers abzuwarten. Vielleicht rang er sich ja doch dazu durch, noch etwas zu sagen?
Doch dieser machte keine Anstalten, etwas von sich aus zu sagen, so fuhr er fort.
"Und das musst du auch nicht mehr! Denn ich weiß, was du sagen wolltest."
Jetzt klappte Simaru der Mund auf und seine Augen weiteten sich. Er sah richtig geschockt aus. Fast musste Limura darüber schmunzeln. Fast.
"Jetzt tu nicht so überrascht. Natürlich weiß ich, was du mir sagen wolltest! Meinst du etwa, man merkt das nicht? Ich mein, unauffällig ist etwas anderes!"
Er lächelte Simaru aufmunternd an.
"A-a-aber ... du ... ich ... wa-was? Wie?"
Sein Freund war urplötzlich knallrot angelaufen und bekam nun kein vernünftiges Wort mehr heraus.
"Nun beruhig dich doch erstmal wieder!"
Limura musste lachen. Simaru atmete mehrmals tief durch und wandte den Blick ab.
Diesmal ließ Limura es zu.
"Aber ... aber wie hast du ...? Und warum hast du nichts gesagt?"
"Ich hab doch gerade was gesagt, oder?"
"Und ... w-wieso ... wenn du ... doch wusstest ... Wieso kommst du SO hier rein wenn du es doch weißt?! Findest du es etwa lustig, mich zu quälen?"
"Hey! Jetzt hör mir mal zu! Schau mich an! Nur, weil du dich in mich verliebt hast und wir uns zufälliger Weise ein Zimmer teilen, werd ich doch wohl noch duschen dürfen, wenn du da bist!"
"Und ... wie geht es jetzt weiter? Ich mein, du bist ja ..."
Wieder biss sich Limura auf die Lippen. Und für einen kurzen Moment blitze etwas in seinen Augen auf - ehe er noch einmal die Hände um Simarus Gesicht legte.
Einen Augenblick lang schaute er tief in seine Augen, sah die Überraschung. Dann schloss er die Augen und versiegelte die Lippen des in ihn Verliebten mit ihrem zitternden Gegenstück.
Als sie sich wieder voneinander lösten, hauchte Limura die Worte:
" ... auch in dich."
Anmerkung des Einsenders:
Alle genannten Figuren sind ausgedacht, diese Geschichte beruht NICHT auf Tatsachen oder wahren Begebenheiten. Ich trage die volle Verantwortung für den Inhalt dieser Geschichte. Alle Rechte liegen bei mir, CasaDanceBlackLife.
Joa, das ist meine allererste Geschichte, die ich vor Jahren schon schrieb. Ich habe keine Ahnung, ob sie gut ist oder sonst was, meine anderen sind auf jeden Fall besser. Trotzdem bitte ich um Kommentare =)
ich LIEBE die geschichte
ich mag wie du immer die sichtweise änderst
echt tolle story
die story ist voll schöön...
bitte, bitte stell noch mehr geschickten on... (:
Das ist echt super geschrieben, sehr lebendig und ausgeschmückt..
ich bin jetzt schon fan!!
mach weiter so und stell noch mehr (vielleicht deine "besseren" geschichten?) on
;)
ich kann mich nur wiederholen: echt traumhaft schön geschrieben!!
wow echt gut geschrieben
weiter so
Hey ma Sweet Heart =)
also ich finds super!
... Wie alle deine Geschichten!!
Warum hast du nur die eine drin?
Ach, nur ein kleiner Tipp: mach ma ein paar Absätze rein, sonst ist es etwas
abschreckend... ;-)
Aber ansonsten brilliant wie immer, mein kleiner Geschichtenschreiber
Love, Flowi