Historischer Kontext des 19. Jahrhunderts

Kategorie: Kunst
Eingesendet: 04.10.2008
Wörter: 8179
Autor: Muellerix
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Historischer Kontext des 19. Jahrhunderts

Das 19. Jahrhundert

In kaum einem anderen Jahrhundert wurde politisch, gesellschaftlich wie künstlerisch so viel bewegt wie im 19. Jahrhundert. Geprägt von den napoleonischen Kriegen sowie der Idee der Demokratie, der deutschen Einheit und den Anfängen der Industrialisierung in England, entwickelte sich die Malerei von der Akademiemalerei hin zu mehreren verschiedenen Ausprägungen. Somit legte dieses Jahrhundert den Grundstein für die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst und hierdurch gleichfalls den großen Meisterwerken der Moderne. Im Folgenden sollen die bedeutenden Faktoren die zu dieser Entwicklung geführt haben veranschaulicht werden.

Die wichtige Bedeutung des 19. Jh. zeichnet sich bereits durch die Französische Revolution (1789) ab. Geprägt durch die Geisteshaltung der Aufklärung verlangte das Bürgertum in Frankreich mehr Macht und befreite sich schließlich von der absolutistischen Herrschaft durch eine Revolution. Auf die Französische Revolution folgte die Schreckensherrschaft der radikal-demokratischen Jakobiner unter Robespierre und Marat. Während dieser Zeit wurden allein in Paris mehrere Tausend Menschen hingerichtet.
Jedoch wird die junge Demokratie bald von Napoleon Bonaparte wieder abgeschafft, der sich zum Alleinherrscher ernennt (1799) und später zum Kaiser krönen lässt (1804).
Die Bildende Kunst dieser Zeit war hauptsächlich von der Aufklärung geprägt, bei der nun nicht mehr Gott oder ein Herrscher im Mittelpunkt stand, sondern vielmehr der menschliche Verstand in den Mittelpunkt rückte. Ebenfalls war die Kunstszene von der neuen Macht des Bürgertums geprägt, das sich von der barocken Kunst abgrenzte, da das Zeitalter des Barocks absolutistisch und streng katholisch regiert wurde (ausgenommen niederländischer Barock).
Mit Napoleons Herrschaft begannen 1803 auch die Napoleonischen Kriege, die bis ca. 1814 andauerten und gegen Österreich, Preußen, Russland und Italien geführt wurden. Als Antwort auf die Feldzüge Napoleons reagierten freiwillige Deutsche mit den Befreiungskriegen (1713-1715) und kämpften gemeinsam für Einheit, Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Nach der Niederlage Napoleons bei der Völkerschlacht bei Leipzig 1713 und dem darauf folgenden Wiener Kongress (1815) schlossen sich die 39 deutschen Einzelstaaten im Deutschen Bund zusammen.
Parallel zum Wiener Kongress 1815, der außerdem in Europa eine Aufbruchsstimmung aufkommen und die Hoffnung auf eine demokratische, liberale und nationale Gesellschaftsordnung aufkeimen ließ, schritten auch die Industrialisierung und die Restauration voran. Es begann eine Phase des Nationalismus, da der Deutsche Bund nicht zur verhofften Einheit verhalf, sondern die Großmächte Österreich und Preußen immer noch ihre Machtinteressen durchsetzen konnten. Fürst Metternich (Österreich, entschieden gegen die Revolution) ließ die vorrevolutionäre, monarchische und feudale Ordnung mit der Vielstaaterei wieder herstellen und jedes Aufkommen einer nationalen Bewegung unterdrücken, womit er den Beginn der Restauration in Europa einleitete. Die Hoffnungen auf eine nationale und liberale Ordnung die zuerst in Europa aufkam wurden nicht erfüllt, es kam zu einer Resignation und zu einer Verarbeitung all dessen in der Kunst. Durch die Darstellungen altdeutscher Trachten, ferner Länder, religiöser Themen und der Privatsphäre sowie verschiedenen Symbolen für Patriotismus kristallisierte sich eine Protestbewegung innerhalb der Kunst heraus, die nicht unterdrückt werden konnte. Aus diesen Gegenaktionen entwickelten sich schließlich Romantik und Biedermeier.

Die Industrielle Revolution die in England bereits 1800 begann (rund 50 Jahre früher als in Deutschland), prägte die Gesellschaft dort sehr, was sich auch auf die Kunst auswirkte. Mit Entwicklungen und Fortschritten wie der Dampfmaschine und dem mechanischen Webstuhl, der expansiven Kolonialpolitik Englands und dem immer umfangreicheren internationalen Handel (zum Beispiel mit Baumwollprodukten) kam es zwangsläufig auch zum Beginn der Landflucht, der Verstädterung, dem Industrieproletariat und zu sozialen und ökologischen Problemen in der Gesellschaft. Die soziale Frage wurde zu einem zentralen Problem, da die Arbeitsbedingungen höchst unzureichend und der Lohn niedrig war. Kinderarbeit und 14 Stunden Arbeit am Stück (oder mehr) waren Normalität. Diese Arbeitsbedingungen fanden lange Zeit keine Besserung. 1848 wurden mit der Märzrevolution die ersten Arbeiter in größerem Maße aktiv. Auch das zu dem Zeitpunkt erscheinende kommunistische Manifest trug zu einer (Teil-)Verbesserung der Arbeitsumstände bei. In Deutschland herrschten zu Beginn der Industrialisierung (hier etwa 50 Jahre später, um 1850, wegen einem losen Staatenbund und verschiedenen Einheiten, Zöllen und keinem Eisenbahnnetz zu nationalen Kommunikations- und Beförderungszwecken) jedoch oftmals noch klägliche Zustände, die eine mangelhafte Gesundheit und Ernährung der Bevölkerung zur Folge hatte. Im beginnenden zwanzigsten Jahrhundert führten diese Umstände zur Entwicklung des Realismus als Stilrichtung, die sich gezielt die gesellschaftlichen Probleme kritisiert. Die zunehmende Verstädterung löste bei vielen eine Sehnsucht nach Natur aus; die Maler orientierten sich an der gotischen Kunst, die ein harmonisches Leben mit der Natur symbolisierte (gotische Kathedralen wurden fertig gestellt, nachgebaut und auf Leinwänden verewigt – auch als Ruine, was für eine Hoffnungslosigkeit stand). Auch eine mittelalterliche Auffassung der Religion und Darstellung nationaler Brauchtümer weisen auf eine Orientierung an früheren Epochen hin. Merkmale/Motive der Romantik waren außerdem Subjektivismus, Pantheismus, Patriotismus und Idealismus.

Im Jahr 1862 wurde Bismarck zum preußischen Ministerpräsidenten berufen. Deutschlands Position international verändert sich im Zusammenhang damit 1870/71 erneut gravierend mit dem Deutsch-Französischen Krieg, in dem Preußen mit seinen Süddeutschen Verbündeten als Sieger gegen Napoleon III. hervorging. In diesem Krieg beteiligte sich Bismarck wesentlich an der Lösung der Deutschen bzw. Kleindeutschen Frage und war entsprechend auch an der Gründung des Deutschen Kaiserreiches beteiligt. Bismarck gelang es König Wilhelm I. zur Annahme der Kaiserkrone zu bewegen und schaffte es durch seine Politik für einige Jahrzehnte den Frieden in Europa zu sichern. Bis zu seiner Entlassung 1890 durch Kaiser Wilhelm II. wirkte Bismarck auch intensiv an der Politik des jungen Kaiserreiches mit. Dazwischen regierte Friedrich III. das Kaiserreich, dieser überlebte jedoch nur 99 Tage seiner Regierungszeit.
Mit diesen Ereignissen kam es also zur Wilhelminischen Ära, d.h. die Herrschaft Kaiser Wilhelms II. die insgesamt von 1888 bis 1918 reichte. Zu dieser Zeit wurde in der Kunst der Idealismus immer verstärkter umgesetzt.

Auf die Industrialisierung mit ihrem Realismus und die anderen vorangehenden Ereignisse folgte der Impressionismus, der, wie der Name bereits erkennen lässt, Eindrücke (insbesondere die Darstellung des Lichts) vermittelt. Diese neue Wirklichkeitsauffassung wird in der Kunst mit einer Abstraktion entgegen der etablierten Salonmalerei thematisiert. Der Impressionismus nahm seinen Anfang in Frankreich, verbreitete sich jedoch als Wegbereiter der modernen und unter anderem auch der abstrakten Kunst als solcher relativ schnell weltweit. Auf diese Stilrichtung wirkten sich auch regionale Einflüsse aus, weshalb der Impressionismus verschiedener Länder nicht absolut vergleichbar ist. Bedeutende und bekannte Maler dieser Zeit waren unter anderem Claude Monet (1840-1926) oder Edgar Degas (1834-1917). Es kommt zu dieser Zeit zu einer Gegenüberstellung der Kunst wegen einer Aussage (l'art engagée) und der Kunst um der Kunst willen (l'art pour l'art).
Auch die Zinkfarbtuben wurden zu dieser Zeit entwickelt und ermöglichten damit das malen auch unter freiem Himmel (plain-air-painting). Man malt die Farbtöne nun nebeneinander, und schichtet sie nicht mehr übereinander wie z.B. im Barock (alla prima). Das vermögende Bürgertum wird nun zum neuen Adressat der Kunst, wobei sozialkritische Themen ein wenig vernachlässigt werden.

Anmerkung des Einsenders: Bekam dafür ne 14...

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  • unbekannt
    Sun, 15 Jan 2012 16:26:34 GMT hmm.. von gulli (Gast)

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