Der erste Weltkrieg (Teil 10)

Kategorie: Geschichte
Eingesendet: 16.05.2005
Wörter: 22132
Autor: Olli1
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Der erste Weltkrieg (Teil 10)

Wirtschaftliches Umfeld

Deutsches Reich


Der Erste Weltkrieg unterschied sich in vielerlei Hinsicht von früheren europäischen Kriegen. Für das Deutsche Reich lag einer der Unterschiede darin, dass zum ersten Mal ein Krieg, der außerhalb der heimatlichen Region, sogar außerhalb des Staates geführt wurde, in seinen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen ganz unmittelbar und in unerwarteter Heftigkeit auf die heimatliche Region und auf den Staat durchschlug.

Die durch den Krieg bedingten Engpässe und Veränderungen machten sich sehr schnell bemerkbar. Neben der in dieser Größenordnung noch nicht dagewesenen Mobilmachung von Soldaten gehörte dazu auch das Problem der Finanzierbarkeit des Krieges. Die Kriegsausgaben des Reiches betrugen 1915 24 Milliarden, das heißt das Zehnfache der Steuereinnahmen des letzten Friedenshaushalts.

Da aus unterschiedlichen Gründen, unter anderem wegen der Aufrechterhaltung des sozialen Friedens, die Kriegsfinanzierung nicht durch Steuern, sondern durch Kreditaufnahmen erfolgen sollte, kam es von Anfang an zu massiven Eingriffen in die Finanzwirtschaft. Zudem zog dieses Vorgehen natürlich alle negativen Folgen nach sich, die man von einer auf Schulden basierenden Volkswirtschaft kennt.

Die Maßnahmen waren anfänglich noch unter der Voraussetzung getroffen worden, dass der Krieg – entsprechend den Erfahrungen von 1866 und 1870/71 – in wenigen Monaten beendet sein würde. Von dieser Überlegung ging ja auch die Armee aus. Man erwartete von der vorhandenen deutschen Rüstungsindustrie eine ausreichende Versorgung. Erst der Munitionsmangel Anfang November 1914, als nur noch Munition für sechs Tage zur Verfügung stand, zeigte die rüstungswirtschaftlichen Engpässe in aller Deutlichkeit auf.

Im Verlauf des Krieges blieben ja sowohl die schnellen militärischen Fortschritte und damit auch die Möglichkeit der Beschlagnahme von Rohstoffen im Feindesland aus. Zudem stürzte die englische Seeblockade die stark importabhängige deutsche Wirtschaft in größte Verlegenheit.



Auf Initiative namentlich von Walther Rathenau und Wichard von Moellendorff von der AEG wurde noch im August 1914 die Kriegsrohstoffabteilung (KRA) ins Leben gerufen. Diese Stelle, bis 1915 unter der Leitung Rathenaus, stand für eine enge Verzahnung von Privatwirtschaft und Staat, allerdings stieß sie schon seit ihrer Gründung auf heftiger Ablehnung von Teilen der Privatwirtschaft. Ihre Hauptaufgabe sah sie in der Versorgung der Privatwirtschaft mit den benötigten Rohstoffen, die daher zentral bewirtschaftet werden mussten. Zudem entstanden "Kriegsgesellschaften", die deren Zahl im Laufe des Krieges auf über hundert stieg. Diese waren ähnlich wie Aktiengesellschaften organisiert.

Im Frühsommer 1916 kam es zu einer massiven militärischen, politischen und wirtschaftlichen Krise, weil die Kriegskosten ins Gigantische stiegen: Mehr als 1/10 des Jahresvolkseinkommens 1913 wird zu dieser Zeit in einem Monat verpulvert. Ab der 5. Kriegsanleihe (September/Oktober 1916) können die Zeichnungsergebnisse nicht mehr mit dem Geldbedarf Schritt halten (zum Deckungsgrad durch die Kriegsanleihen vergleiche Tabelle im Artikel Deutsche_Inflation_1914_bis_1923). Darauf wurde das Hindenburg-Programm verkündet, das drastische Maßnahmen zur Steigerung der Wirtschaftskraft verlangte, sowie das "Kriegsamt" neu geschaffen. Die Folgen des Hindenburg-Programms waren aber nicht nur für die Wirtschaft spürbar, sondern auch für die Soldaten und Arbeiter. Denn zur Steigerung der Produktion war es unumgänglich, aus den Armeen eine Fülle von Facharbeitern herauszuziehen. Der Einsatz von Frauen in der Industrie stieg weiter an. Ein allgemeiner Arbeitszwang wurde eingeführt, Kriegsgefangene und (vielfach belgische) Zwangsarbeiter wurden in der Rüstungsindustrie eingesetzt. Nicht "kriegswichtige" Betriebe litten unter dem Entzug der für die Rüstungsindustrie benötigen Rohstoffe und Arbeitskräfte.

Der Erste Weltkrieg in der historischen Forschung

Während in Deutschland in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg ein umfangreiches apologetisches Schrifttum zur Abwehr der "Kriegsschuldlüge" (s. dazu: Kriegsschulddebatte) entstand, hielten Historiker der Siegerstaaten weitgehend an der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands und seiner Verbündeten fest. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Ansicht des britischen Premiers David Lloyd George durch, nach der die Völker Europas "in den Weltkrieg hineingeschlittert" seien. Erst die Arbeiten des Hamburger Historikers Fritz Fischer stellten dieses Geschichtsbild in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts vehement in Frage. Vor allem mit seinem Buch Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18 löste Fischer einen ersten "Historikerstreit" aus, der Geschichtswissenschaft und Öffentlichkeit jahrelang beherrschte. Gestützt auf umfangreiches Quellenmaterial (vor allem des Archivs des Auswärtigen Amtes) vertrat Fischer darin die These, dass Deutschland bewusst auf einen Krieg hingearbeitet habe, um die eigene Überlegenheit auszuspielen, bevor die Übermacht der Gegner zu groß würde. Mittlerweile hat sich eine vermittelnde Position durchgesetzt, nach der die deutsche Führung zwar nicht bewusst nach der Weltmacht gestrebt habe, aber einen großen Krieg in ihr Kalkül einbezogen habe. Der Anteil des Deutschen Reiches an der Kriegsschuld muss aber im Kontext mit den anderen europäischen Großmächten betrachtet werden. So wurde auch in Frankreich ein Krieg in Kauf genommen, um dem Deutschen Reich nicht nur das Elsass, sondern auch die Vormachtstellung auf dem europäischen Festland wieder zu entreißen. Die Ermordung des bekannten Kriegsgegners Jean Jaurès am 31. Juli 1914 war Ausdruck einer am Vorabend des Krieges in Teilen der französischen Gesellschaft herrschenden Stimmung.

Die jüngste Forschung konzentriert sich darauf wie der Krieg im Alltag der Menschen erfahren wurde. Regionalgeschichtliche Forschungen konnten auch die Annahme einer allgemeinen Kriegsbegeisterung im August 1914 widerlegen.

Lange Zeit hatte sich die Forschung stark auf die Folgen des Krieges für die Mittelmächt konzentriert. In jüngster Zeit befassen sich vor allem Britische Historker mit den Folgen für Großbritannien und die USA. (z.B. Ferguson, Keegan) Es wird die nicht ganz von der Hand zu weisende These vertreten, dass Großbritannien der eigentliche Verlierer sei, da das Britische Empire von den USA praktisch "übernommen" wurde (Mit dem 2. Weltkrieg dann endgültig).

Die „vergessene“ Front: Zur Ostfronthistoriographie des Ersten Weltkrieges

Dieser Abschnitt soll einen kurzen Überblick über die Historiographie der Ostfront, mit Blick auf das Land Ober Ost, geben. Sucht man in den Geschichtsbüchern des 20. Jahrhunderts nach Beschreibungen der Ostfront zwischen 1915-1918, findet sich zwar Material, doch beschränken sich diese Darstellungen fast ausschließlich auf den militärischen Ablauf und die strategischen Erwägungen des Krieges im Osten. Literatur mit dem Schlagwort Ober Ost im Titel ist kaum vorhanden. In Darstellungen zur deutschen Ostpolitik wurde Ober Ost höchstens kurz erwähnt oder ganz ausgelassen.

Die erste umfassende und gute Darstellung der Geschehnisse an der Ostfront lieferte der Engländer Norman Stone im Jahre 1975 mit seinem Buch The Eastern Front 1914-1917. Stone betont die Wichtigkeit der Schlachten an der Ostfront für den militärischen Gesamtverlauf des Krieges und es gelingt ihm, einige interessante Schlussfolgerungen zu ziehen. Er beschränkt sich aber nicht auf eine Rekonstruktion der ereignisgeschichtlichen Ebene des Krieges im Osten, sondern dekonstruiert auch den bis dato vorherrschenden Mythos eines wirtschaftlich gelähmten Russischen Reiches. Er belegt, dass sich das Zarenreich in einer für russische Verhältnisse noch nicht da gewesenen Phase wirtschaftlichen Aufschwungs befand. Die Schwäche Russlands liegt für Stone vielmehr in der veralteten Administration, welche schließlich in Materialknappheit und in eine ineffiziente Armee mündete. Über die deutsche Besatzung sowohl auf dem Gebiet der heutigen EU- Staaten Litauen und Lettland als auch auf Teilen Weißrusslands, schweigt sich Stones Darstellung gänzlich aus.

Damit steht er allerdings nicht allein da. Immer noch sind „Verdun“, „Somme“, „Grabenkrieg“, „Stellungs- und Gaskrieg“ charakteristische Schlagwörter und gleichzeitig die ersten Assoziationen zum Ersten Weltkrieg. Allerdings beschreiben diese nur den Westen. Die Zustände an der Ostfront werden kaum charakterisiert. Kriegsromane wie Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neues" verklärten dieses Bild weiter und so lag die Ostfront nicht im Fokus der westlichen Weltkriegsforscher. Felix Kellerhoff, Journalist für „Die Welt“, trifft mit der Formulierung, „aber wer weiß schon, dass es die relativ gesehen höchsten Verlustraten dieses Völkerschlachtens keineswegs im Stellungskrieg in Belgien und Ostfrankreich gab, sondern in der Karpatenschlacht?“, ziemlich genau den Kern des Problems.

Seit Stones Ausführungen dürfte klar sein, dass sich der Krieg im Osten markant von den Ereignissen an der Westfront unterschied. Als im Westen die Fronten bereits erstarrt waren, herrschte im Osten immer noch eine von Bewegung geprägte Kriegführung vor. Die Gründe hierfür liegen bei den spärlichen Kommunikationsmöglichkeiten und der schlechten Verkehrserschließung der Ostfront. Folglich konnten aufgebrochene Lücken in den Verteidigungslinien lange nicht so schnell gefüllt werden, wie dies in Frankreich der Fall war. Die räumliche Ausdehnung der Ostfront mit mehreren tausend Frontkilometern, ganz abgesehen von den landschaftlichen Unterschieden, kontrastierte mit der Westfront und ihren 630 Kilometern Frontlinie.

Erst in den neueren und neuesten westlichen Darstellungen und Forschungen zum Ersten Weltkrieg erscheint die Ostfront zunehmend auch als Thematik. Das Militärgeschichtliche Forschungsamt (MFGA) in Potsdam führte im August 2004 eine Konferenz über „Die vergessene Front“ durch. Führende Militärhistoriker aus acht Ländern kamen dort zusammen. Unter anderem war auch der US-amerikanische Historiker Vejas Gabriel Liulevicius auf dieser Konferenz dabei. Mit seinem Buch Kriegsland im Osten, lieferte er 2002 die erste umfassende westliche Darstellung der deutschen Besatzungsherrschaft im Baltikum während der Zeit des Ersten Weltkriegs Ober Ost und markierte so eine Forschungslücke.

Im Buch und einigen kurz darauf geschriebenen Artikeln beschreibt er nicht nur Wesen und Charakter der deutschen Militärbesatzung im Lande Ober Ost, sondern versucht auch die Ursachen des Wandels des deutschen Bildes vom Osten zu analysieren und Verbindungslinien zwischen den Vorstellungen der Militärverwaltung von Ober Ost und denen der späteren NS-Elite nachzuzeichnen. Auch im Spiegel-Artikel Der vergiftete Sieg geht Liulevicius auf diese Thematik ein. Der Versuch eine Kontinuitätslinie zur Zeit des NS Regimes zu ziehen dürfte wohl noch einige Reaktionen in der Geschichtswissenschaft hervorrufen, zumal Liulevicius damit eine Brücke über die Zeit zwischen 1918 und 1933 zu schlagen versucht. Er sieht im Ostfronterlebnis der deutschen Soldaten das verborgene Vermächtnis des Ersten Weltkrieges.

Ein gewichtiges Problem bei den Ausführungen bezüglich der Frontwahrnehmung der Soldaten und des Wandels der Kategorien in welche der Osten gefasst wurde (Land und Leute vs. Raum und Volk), liegt in der einseitigen Quellenbasis des Werkes Kriegsland im Osten. Liulevicius berücksichtigt offenbar vorwiegend Tagebücher und Memoiren von Militärs in höheren Rängen. Feldpostbriefe von Soldaten, beispielsweise, fehlen fast ganz. In der Konsequenz muss das entstehende Bild als elitär gefärbt betrachtet werden.

Stellenweise läuft Liulevicius` Werk Gefahr eine national Litauische Sicht auf die deutsche Besatzung einzunehmen wie sie sich auch in anderen Werken zur litauischen Geschichte findet. Dies zeigt sich wiederkehrend in der Wortwahl, wenn er von „krankhaften Auswüchsen der Macht“ (S.217) und einer „rücksichtlosen Jagd nach Steuern“ (S.87) schreibt. Solche und ähnliche Formulierungen verhelfen dem Werk nicht unbedingt zu mehr Objektivität. Gleichzeitig, dürfen die Ungerechtigkeiten, welche durch die deutschen Besatzer an der Bevölkerung Litauens begangen worden sind, nicht verharmlost werden.

Wie der Historiker Eberhard Demm festhielt, verzichtet Liulevicius ferner auf polnische und französische Quellen und Darstellungen. Als Beispiel ist die ausführliche 700 Seiten starke zeitgenössische Dokumentation La Lithuanie sous le joug allemand 1915-1918. Le plan annexioniste allemand en Lithuanie von C. Rivas zu nennen. (Pseudonym für Yvonne Pouvreau).

Frühere Untersuchungen über Ober Ost, stellen die Werke des litauischen Historikers Abba Strazhas dar. In seiner Monographie Deutsche Ostpolitik im Ersten Weltkrieg. Der Fall Ober Ost 1915-1917, berücksichtigte Strazhas im speziellen auch die litauische Seite der Besatzung. Ein weiterer, erwähnenswerter Aufsatz von Strazhas ist „The Land Oberost and Its Place in Germany`s Ostpolitik 1915-1918“. Strazhas Ausführungen wurden in später geschriebenen Werken über die Geschichte Litauens oftmals übernommen. Seine Darstellungen können als die Weiterführung von in Fritz Fischers kontroversem Werk Griff nach der Weltmacht gemachten Aussagen bezüglich der deutschen Ostpolitik gesehen werden. Fischer beschreibt Deutschlands annexzionistische Absichten im Baltikum. Weiter stellt er gar eine gewisse Kontinuität zwischen den Zielen des Kaiserreiches und jenen des nationalsozialistischen Regimes her. Solche Linien sind in der Geschichtswissenschaft nicht unumstritten und lösen eine Diskussion über Kontinuität in der Geschichte aus.

In Artikeln wie der litauische Landesrat als Instrument der deutschen Ostpolitik, nimmt Strazhas stellenweise eine national litauische Sichtweise ein, welche von Autoren wie Liulevicius scheinbar kritiklos aus der Sekundärliteratur übernommen wurde. Doch wo liegt die Problematik der Ostfront und speziell von Ober Ost als praktisch unbeschriebenes Blatt in der Geschichtswissenschaft? Der Schatten des Zweiten Weltkrieges lag lange über jenem des Ersten. Sicher muss auch der Kalte Krieg und der damit erschwerte Zugang zu den Archiven, als ein entscheidendes Kriterium genannt werden. Des Weiteren, galt Jahre lang der Schwerpunkt jeglicher Forschung im östlichen Raum der Russischen Revolution. Unter Lenin wurden Soldatenfriedhöfe des Zarenreiches zerstört und so der Versuch unternommen, gewisse Ereignisse aus dem Geschichtsbewusstsein der Menschen auszulöschen. Über das Verhältnis von Politik und Geschichtswissenschaft, in Bezug auf den Osten in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, machte Norman Stone, in dem Vorwort zur zweiten überarbeiteten Version seines Buches, folgende Bemerkungen:

„Whatever you said about the Tsarist Russian army might give you trouble. If you wrote in a positive, patriotic way about it, you might offend against the Communist orthodoxy, by which everything Tsarist was condemned. If, on the other hand, you concentrated on the negative side, you could offend against the nationalist line which emerged with Stalin and which flourished under Brezhnev. Even the obvious sources were quite difficult to obtain; I was told, some years later, that The Eastern Front was listed in an German catalogue, but could not be read without permission. […] the subject was still, in the seventies, taboo“.

John Keegan verleiht mit dem Argument, dass rund 80 Prozent des Russischen Heeres aus Analphabeten bestand (also ohne Schreibgehilfen keine persönlichen, schriftlichen Quellen hinterlassen konnten) der Quellenlage eine weitere Dimension. Nicht zu vergessen ist auch die sprachliche Barriere für viele westliche Historiker. Die Erweiterung der Europäischen Union um die Baltischen Staaten vom 1. Mai 2004, wird in Zukunft sicher auch für ein zunehmendes Interesse an der Geschichte dieser Länder sorgen.

Vgl.

Liulevicius, Vejas Gabriel, Kriegsland im Osten. Eroberung, Kolonisierung und Militärherrschaft im Ersten Weltkrieg 1914-1918, Hamburg 2002

Kellerhoff, Felix, Die vergessene Front, Internet: http://www.welt.de/data/2004/06/02/285589.html (Mai 2004)

Stone, Norman, The Eastern Front 1914-1917, London 1998

Zitate

Friedrich Engels im Jahre 1887:

"Und endlich ist kein anderer Krieg für Preußen-Deutschland mehr möglich, als ein Weltkrieg, und zwar ein Weltkrieg von einer bisher nie geahnten Ausdehnung und Heftigkeit. Acht bis zehn Millionen Soldaten werden sich untereinander abwürgen und dabei Europa so kahl fressen, wie noch nie ein Heuschreckenschwarm. Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges zusammengedrängt in drei bis vier Jahre und über den ganzen Kontinent verbreitet; Hungersnot, Seuchen, allgemeine, durch akute Not hervorgerufene Verwilderung der Heere wie der Volksmassen; rettungslose Verwirrung unseres künstlichen Getriebes in Handel, Industrie und Kredit, endend im allgemeinen Bankrott; Zusammenbruch der alten Staaten und ihrer tragenden Staatsweisheit, derart, dass die Kronen zu Dutzenden über das Straßenpflaster rollen und niemand sich findet, der sie aufhebt; absolute Unmöglichkeit, vorherzusehen, wie das alles enden und wer als Sieger aus dem Kampf hervorgehen wird; nur ein Resultat absolut sicher: die allgemeine Erschöpfung und die Herstellung der Bedingungen des schließlichen Siegs der Arbeiterklasse."

Literatur

Sammelrezension von H-Soz-u-Kult (http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2004-2-101)

Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Hrsg. von Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz in Verbindung mit Markus Pöhlmann, Ferdinand Schöningh : Paderborn 2003, 1002 S., zahlreiche Karten und Abbildungen, ISBN 3506739131

Wolfgang J. Mommsen, Die Urkatastrophe Deutschlands. Der Erste Weltkrieg 1914–1918 (Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte 17), Stuttgart 2002 ISBN 3608600175

Fritz Klein u.a.: Deutschland im ersten Weltkrieg (3 Bände), Berlin (Ost), 1968-1970

Peter Kielmansegg: Deutschland und der Erste Weltkrieg, 2. Aufl., Stuttgart, 1980

Manfried Rauchensteiner: Der Tod des Doppeladlers: Österreich-Ungarn und der Erste Weltkrieg, Graz, Wien, Köln 1993 ISBN 3-222-12116-8

John Keegan: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie., rororo Sachbuch, ISBN 3499611945

Barbara Tuchman: August 1914. Fischer Taschenbuch, ISBN 3596153956 (Pulitzer-Preis 1963)

Richard F. Hamilton, Holger H. Herwig: "The Origins of World War I", Cambridge 2004, ISBN 0521817358

Jay Winter (Hg.): Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert, Hamburg, 2002, ISBN 3-930908-76-X

Sönke Neitzel: Blut und Eisen, Zürich 2003, ISBN 385842448X

Künstlerische Verarbeitung

Literatur

Henri Barbusse: Le Feu (deutsch: Das Feuer), 2004 (erstmals 1916), ISBN 3937738088

Roland Dorgelès : Les Croix de bois (frz. EA 1919, dt. Die hölzernen Kreuze)

Timothy Findley: The Wars (engl. EA 1977, dt. Der Krieg und die Kröte)

Ernst Jünger: In Stahlgewittern, Stuttgart 2001 (erstmals 1920), ISBN 360895208X

Edlef Köppen: Heeresbericht, München 2004 (erstmals 1930), ISBN 342105777X

Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit (EA 1918)

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues (EA 1929), Roman im Dritten Reich verboten

Ludwig Renn: Krieg, Berlin 2002 (erstmals 1928), ISBN 3360009762

Dominik Richert: Beste Gelegenheit zum Sterben. Meine Erlebnisse im Kriege 1914-1918 (EA 1989), Tagebuchaufzeichnungen eines Elsässers, der zur deutschen Armee einzogen wurde

Adrienne Thomas (Pseudonym von Hertha Strauch): Die Katrin wird Soldat (EA 1930), Roman im Dritten Reich verboten

Arnold Zweig: Erziehung vor Verdun (EA 1935)

Filme

Bekannte Filme, die nachweislich auf Kriegsereignisse des 1. Weltkrieges zurückgehen:

Westfront 1918 (Vier von der Infanterie), Regie: G. W. Pabst, Deutschland 1930

All Quiet on the Western Front (dt.: "Im Westen nichts Neues"), Regie: Lewis Milestone, USA 1930

Der Soldat, der sein Gedächtnis verlor

Paths of Glory (dt.: "Wege zum Ruhm"), Regie: Stanley Kubrick, USA 1957

Johnny Got His Gun (dt.: "Johnny zieht in den Krieg"), Regie: Dalton Trumbo, USA 1971

Das verlorene Bataillon - Zwischen allen Linien, Regie: Russell Mulcahy, USA 2001

Un long dimanche de fiançailles (dt. "Mathilde - eine große Liebe", eng. "A very long engagement"), Regie: Jean-Pierre Jeunet, Frankreich 2004

Anmerkung des Einsenders: Alles Gute, Oliver Gergel aus Stade

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Kommentare

  • bluemooncat
    Mon, 31 Aug 2009 17:33:41 GMT OMG!!!!! von bluemooncat

    Wenig langer Text....
    Bis ich teil 1 bis 10 gelesen hab, bin ich knacker...
    Aber scheint interessant zu sein, also fang ich doch gleich mal an.
    Danke für die Mühe!
    (Lass mich raten: 10 mal "einfügen" gedrückt?)
    Trozdem merci

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