die 12 geschworenen

Kategorie: lektüre
Eingesendet: 26.10.2006
Wörter: 2925
Autor: BlondKizz
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die 12 geschworenen

Nach mehrtägiger Verhandlung eines New Yorker Gerichts ziehen sich zwölf Geschworene in totale Abgeschlossenheit zurück, um das Urteil in einem Mordprozeß zu fällen. Die Aufgabe der zwölf Bürger in der Funktion ziviler Richter ist es nun, über Schuld oder Unschuld und damit über Leben oder Tod des Angeklagten eine einstimmige Entscheidung zu treffen. Zu Beginn der Beratungen ist man erschöpft und möchte die unangenehme Angelegenheit möglichst schnell hinter sich bringen, um sich wieder den eigenen Interessen zuwenden zu können. Die Indizien sprechen scheinbar eindeutig gegen den 19jährigen Angeklagten, der bereits wegen verschiedener Delikte vorbestraft ist und nun seinen eigenen Vater brutal erstochen haben soll: Sein Alibi für die Tatzeit ist unglaubwürdig, und zwei Augenzeugen wollen ihn eindeutig am Tatort gesehen haben. Elf von zwölf Anwesenden halten ihn für den Mörder _ nur eine Frau hat Skrupel: Sie will den Jungen nicht lediglich aufgrund des Verfahrens zum Tod verurteilen und sucht das Gespräch, um die Motivation für die Tat zu ergründen. Die übrigen Geschworenen reagieren vielfältig auf ihre Weigerung, sich dem allgemeinen Konsens anzuschließen. Sie schwanken zwischen Vorurteilen und Desinteresse am Schicksal des Beschuldigten, Hilflosigkeit gegenüber Manipulation durch ihre Mitmenschen und kritiklosem Hinnehmen dessen, was vor Gericht als klare Beweislage dargelegt wurde. Während hitziger Diskussionen beginnt man, die Aussagen der Zeugen genauer zu analysieren _ und stößt dabei auf Details, die deren Glaubwürdigkeit in Frage stellen. Infolge dessen stehen sowohl Staatsanwalt als auch Verteidiger plötzlich in dem Licht, nicht an einem fairen Verfahren für den Angeklagten interessiert gewesen zu sein. Doch reichen fundierte Spekulationen aus, sämtliche Geschworenen an der Schuld des jungen Mannes zweifeln zu lassen?
Reginald Rose schrieb 1954 das Fernsehspiel mit dem Titel "Twelve angry Men", das drei Jahre später aufgrund seiner Beliebtheit bereits zum zweiten Mal mit Henry Fonda und Lee J. Cobb in den Hauptrollen verfilmt wurde. Für die deutsche Bühne bearbeitet hat es Horst Budjuhn, und seit seiner Uraufführung 1958 an den Münchner Kammerspielen ist es an über hundert deutschsprachigen Bühnen erfolgreich gezeigt worden.
"Die zwölf Geschworenen" konfrontieren unweigerlich den Zuschauer mit seiner persönlichen Vorstellung von Wahrheit und Gerechtigkeit und damit letztendlich mit sich selbst. Auch er muß sich fragen, ob er die Entscheidung über Leben und Tod ohne Bedenken treffen könnte und tritt so in den Kreis der Charaktere auf der Bühne - ein fesselndes Theaterstück, das unter die Haut geht.

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