| Kategorie: | lektüre |
|---|---|
| Eingesendet: | 15.11.2006 |
| Wörter: | 14189 |
| Autor: | danimausiii |
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Aussage:
Patrick Süskind wollte mit seinem Roman Das Parfum zeigen, wie leicht sich die Menschen manipulieren lassen. Wahrscheinlich wollte Süskind mit seiner Massenorgie auf Hitler deuten, der genauso in der Lage war Menschenmassen den Verstand zu rauben. Der Autor dieses Buches will wahrscheinlich die Menschen warnen, sich nicht leichtgläubig zu sein und sich blenden zu lassen.
Themen, Motive:
Er erfasst die Welt anhand ihrer Gerüche und sieht in Menschen nur Träger von Duftstoffen, da sie ohne Gerüche wertlos wären. Seine Folgerung daraus ist, dass Grenouille nicht als Mörder geboren wird, sondern er fällt den Umständen zum Opfer, die ihn in diese Rolle drängen.
Eines der wichtigsten Themen, die dieses Buch behandelt, ist die anscheinend sehr leicht durchzuführende Manipulation der Menschen.
Wie im Buch dargestellt, war damals im 18.Jahrhundert im stinkenden Paris die Aufnahme von Eindrücken des Menschen schon auf das Visuelle fixiert. Heute übertrifft die visuelle Informationsübertragung alle anderen Arten. Die Welt ist mit Bildern überflutet, die andere Möglichkeiten der Sinneswahrnehmung verkümmern lassen und unsere visuelle Wahrnehmung schließlich extrem abstumpft. Genau dieses Unbewusstsein der Menschheit nützt Grenouille aus, um die Menschen nach seinem Willen zu manipulieren. Anfangs ist es sein Wunsch, die Liebe der Menschen zu gewinnen. Als ihm das mit Hilfe eines „primitiven“ Duftes, einem Parfum, auf sehr umständliche Weise gelingt, muss er es festhalten, dass dies ein rein narzisstisches Verlangen gewesen ist, das seinem Charakter gar nicht gleich kommt, da er sich selbst in der Rolle des Genies sieht. Somit hält Grenouille sich für allmächtig und sein einziges Lebensziel ist es, die Menschen zu betrügen, indem er sich durch die Hilfe der Düfte beweist, wie mächtig er ist. Jean-Baptiste führt selbst zu seinem Tod, indem er sich mit seinem Parfum überschüttet, als er sein Lebensziel erreicht hat und trotzdem unglücklich ist. Die Geschichte findet ihren Höhepunkt im Tod von Grenouille.
Sprache und Stilmittel:
Das Parfum ist recht einfach geschrieben, jedoch gibt es oft lange Passagen, die aus sehr vielen aneinander gehängten Sätzen und Satzteilen bestehen, was das Verstehen etwas erschwert. Patrick Süskind benutzt, um die Wirklichkeit des Geruches bzw. Duftes den er gerade beschreibt, Vergleiche die zur näheren Definierung dienen. „Es stanken die Straßen nach Mist, es stanken die Treppenhäuser nach fauligem Holz und nach Rattendreck, …“¹ Er veranschaulicht die Unterschiede eines Duftes aber auch durch Kontraste. „Es war frisch, aber nicht reißerisch. Es war blumig, ohne schmalzig zu sein.“² Ein auffallendes Stilmittel ist die Wiederholung einzelner Wörter oder Wortgruppen. Das Wort „stinken“ kommt auf Seite 6 insgesamt 14 Mal vor. Trotz dieser häufigen Wiederholungen, wirkt die Sprache weder abgehackt noch störend. Die Aufzählungen verdeutlichen das wirklich umfassende Geruchsgefühl von Grenouille. „Bald roch er nicht mehr bloß Holz, sondern Holzsorten, Ahornholz, Eichenholz, Kiefernholz, Ulmenholz, Birnbaumholz, altes, junges, morsches, modriges, moosiges Holz, …“³ Patrick Süskind verwendet Steigerungen wie z.B. „Paris ist der allerstinkendste Ort“ oder „Grenouille treibt es zum Magnetpol der größtmöglichen Einsamkeit.“ Mit diesen Superlativen weist Süskind auf das Genialität Grenouilles hin.
Zeitebenen:
Der Roman besitzt eine einsträngige und chronologisch erzählte Handlung, die immer beschreibt was Grenouille macht, wo er ist und die auch seine Gedanken erläutert. Es gibt jedoch auch kurze Einblicke (Raffungen) auf die Leben der anderen Personen, die jedoch immer mit der Hauptperson in Verbindung gebracht werden.
Schauplätze:
Jedes Mal wenn Grenouille einen Schub in der Persönlichkeitsentwicklung hat, gibt es einen Ortswechsel. Zuerst der stinkende Marktplatz, dann das Haus seiner Aufziehmutter. Als er erkennt, dass er sich der Parfumherstellung widmen will, verlässt er Grimal und kommt zu Baldini. Nach einer inneren Krise verlässt er Baldini und reist nach Plomb du Cantal. Nach diesem wichtigen Schritt zur Selbsterkenntnis, führt es ihn zu Marquis de la Taillade-Espinasse. Nach dem auch der „Prozess der Zivilisation“, also die Einführung in das normale gesellschaftliche Leben vorbei ist, macht sich Grenouille wieder auf die Reise und zieht zum südlichsten Punkt, der auch am weitesten von seinem Geburtsort entfernt ist. Sein letzter weg führt ihn zu seinem Ausgangspunkt zurück, wo er den Prozess der Selbsterkennung abgeschlossen hat und stirbt.
Erzählhaltung:
Der auktoriale Erzähler berichtet über Ereignisse, Figuren, Schauplätze und Zeit, von einem allwissenden Standpunkt aus. Er beschreibt Ereignisse, Figuren und Räum,, genauso wie die Gedanken und Empfindungen der Personen. Die verwendeten Mittel sind direkte oder indirekt wiedergegebene Äußerungen oder Gedanken der handelnden Figuren, innerer Monolog und Montagetechnik fehlen fast vollständig. (Ausnahme: innerer Monolog Baldinis S.79 – 81)
Titelbezug:
Der Titel in sich weist schon ein bisschen das komplizierte Leben und die Verwirrungen in Grenouille auf; „Parfum“ wird mit dem Ästhetischen, Schönen und der Erotik assoziiert, dagegen „Mörder“ mit dem Bösen, Hässlichen, Gemeinen und Dunklen. Der Untertitel des Romans, Geschichte eines Mörders, deutet auf einen Kriminalroman hin, Grenouille hat ja 26 Morde begangen.
Zielgruppe, Medium, Wirkungsgeschichte:
Der Roman wurde sehr schnell zu einem Bestseller, der die breite Masse anspricht. Das Buch im Diogenes Verlag war zuerst im deutschsprachigen Raum bekannt und wurde nachher in Französisch und Englisch übersetzt. Auf das Bestsellerpublikum wirkten vor allem das anzügliche Titelbild und der Untertitel Die Geschichte eines Mörders. Den gebildeten Leser sprachen Patrick Süskinds überaus eindrucksvolle Ausdrucksvermögen und stilistische Individualität.
Persönliche Rezeption:
Der Roman Das Parfum gefällt mir sehr gut, jedoch musste ich mich erst an die vielfältigen Beschreibungen und auch die für mich recht ungewöhnliche Fäkalsprache gewöhnen. Durch die detaillierte Beschreibung seines Lebens, fühlt man mit Grenouille mit und sieht ihn eigentlich gar nicht als einen Außenseiter. Die Vielzahl der Umschreibungen und der Möglichkeiten einen Geruch zu definieren, überraschte mich jedoch immer aufs Neue.
Manchmal jedoch schockierte mich diese Fäkalsprache so, dass ich mir überlegte ob ich nicht vielleicht doch aufhören sollte zu lesen. Doch der Roman faszinierte mich so, dass ich ihn zu Ende las und jetzt bin ich auch auf die Verfilmung des Buches gespannt. (Regie: Tom Tykwer, Hauptrollen: Ben Whishaw, Dustin Hoffman u.a.)
Primärliteratur: Patrick Süskind. Die Geschichte eines Mörders. Diogenes Verlag 1985 Zürich
Sekundärliteratur: Das Parfum. Königs Erläuterungen und Materialien. Bange Verlag ³2004
Quellen:
Meyers Grosses (!) Taschenlexikon Band 19
http://parfum.sockenpaarung.de/index2.htm
Zitatbelege:
¹ Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. Diogenes Verlag Zürich 1985 S.5
² Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. S.79
³ Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. S.32
Anmerkung des Einsenders: Bearbeitung, noch bevor der Film herausgekommen ist. Keine verbesserte Version.
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