Szenenausschnitt Analyse "Die Räuber"

Kategorie: Deutsch
Eingesendet: 09.01.2010
Wörter: 6101
Autor: Paul1293
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Szenenausschnitt Analyse "Die Räuber"

# Einleitungssatz #

Der vorliegendes Szenenausschnitt stammt aus der dritten Szene des zweiten Aktes aus dem Drama "Die Räuber" von Friedrich Schiller aus dem Jahre 1781. Das Thema des Auszuges ist die Verachtung Karls von Moor gegenüber der christlichen Kirche.

# Einordnung in die gesamte Handlung, Inhaltsangabe #

Unmittelbar vor dem Szenenausschnitt wird von dem Überfall der Räuber auf eine Stadt berichtet, um ihren Kameraden Roller vom Galgen zu befreien. Bei dem Übergriff geraten die Räuber in Raserei und es werden viele unschuldige Bürger ermordet. Der Ausschnitt beginnt mit dem Auftreten eines Paters, der von der Armee bewacht wird, bei den Räubern, der geschickt wurde um mit ihrem Hauptmann über eine friedliche Lösung des Konflikts zu verhandeln, er bietet trotz sichtlicher Verachtung Karls gegenüber an, dass, wenn er sich freiwillig stellt, er nur das Rad als Strafe zu erwarten hat. Schweizer und Roller wollen den Pater daraufhin umbringen, doch Karl hält sie auf und spricht nun mit dem Pater über seine Taten. Er begründet, warum er all das Blut vergossen hat, und beteuert, dass er es nicht bereue, da er aus Vergeltung handle. Direkt nach dem Ausschnitt versucht der Pater die Räuber zu überreden, ihren Hauptmann auszuliefern. Als diese jedoch verneinen, kommt es zur Schlacht zwischen der Armee und der Räuberbande.

# Leitgedanken #

Das Hauptthema des Ausschnitts ist Karls Hass auf die Kirche und im weiteren Sinne auch auf die gesamte Gesellschaft.

# Interpretation #

Karl stellt sich selbst so dar, als wäre er "kein Dieb" (Z. 87), er handle nicht wie die anderen aus der Räuberbande wegen materieller Gründe oder aus reiner Brutalität wie zum Beispiel Schufterle und Spiegelberg (Vgl. S. 61). Karl ist ein Idealist, dessen Beweggründe die Ideologie einer in seinen Augen besseren Gesellschaft sind. Er beraubt bestimmte, unmoralische Menschen, wie zum Beispiel einen "Minister", der "sich aus dem Pöbelstaub zu seinem ersten Günstling emporgeschmeichelt"(Z. 57ff.)hat, einen "Finanzrath [!] (...), der Ehrenstellen und Ämter an die Meistbietenden verkaufte" (Z. 60ff.) oder einen "Pfaffen", der "auf offener Kanzel geeweint hatte, daß [!] die Inquisition so in Zerfall käme" (Z. 63ff.). Er will diese Gesellschaft revolutionär umkrempeln, samt den Konventionen des Adels, an die er aus väterlicher Sicht gebunden war, und der absoluten Herrschaft der allmächtigen Obrigkeit, die "das Ungeheuer am Nilus erschaffen hat" (Z. 83). Damit wiederholt Karl seine Aussage aus der zweiten Szene des ersten Aktes, wo er von einer "heuchlerischen Krokodilbrut" als Menschheit redet.
In Karls Verhalten spiegeln sich viele Charakterzüge und Pläne des jungen Schiller wider. Auch er war an die adeligen Konventionen an der Karlschule gebunden, die ihm keine Verwirklichung seiner Lebenspläne zuließ, sondern ihn zum Medizinstudium zwang. Karls Hass auf den Pater spiegelt sich in dem sarkastischen Kommentar wider, dieser habe "seine Predigt so brav auswendig gelernt" (Z. 12/13). Karl begründet seine Kritik an ausgewählten Beispielen: Die christliche Kirche hasst die Heiden, hat sie "wie Zugvieh vor ihre Wagen gespannt" (Z. 74), doch bringt sie "dem [ihrem] Gott der Liebe Menschenopfer, wie einem feuerarmigen Moloch" (Z. 71ff.). Die Kirche predigt von Nächstenliebe, doch die Christen "fluchen den achtzigjährigen Blinden von ihren Türen hinweg" (Z. 72ff.). Die Gläubigen fragen sich, wie eine Person wie Judas hätte Jesus verraten können und "würden den dreieinigen Gott um zehn Silberlinge verrathen [!]" (Z. 76). Sie verachten die Habsucht, doch "haben Peru um goldener Spangen willen entvölkert" (Z. 74ff.). Die Kirche steckt also voller makaberer Widersprüche, aus diesem Grund will er mit den "erbärmlichen Verwesern" (Z. 89) kein Wort mehr reden. Er bezeichnet die Vertreter der Kirche als "Pharisäer", "Falschmünzer der Wahrheit" und "Affen der Gottheit" (Z. 77).

Vor dem geschichtlichen Hintergrund betrachtet waren Äußerungen wie diese sicher ein Hauptgrund für den enormen Schrecken, den das Drama in den Theater, wo nur gläubiger Adel anwesend war, ausgelöst hat, da genau diese Zuschauer das Feindbild des Räuberhauptmann Moor verkörpern.
Im Vergleich zu seinem Bruder Franz, der genau wie Karl gegen die Unterdrückung des Vaters und für die Freiheit kämpft, hat Karl weitaus schlimmere Verbrechen begangen. Franz, der als Materialist nur im privaten Umfeld gewütet hat, erscheint dem Zuschauer trotzdem als der Bösewicht, man identifiziert sich eher mit Karl, der eher nach Emotionen und nicht wie Franz mit dem Verstand ( also rational ) handelt, obwohl Karl der weitaus schlimmere Verbrecher ist. Beide sind in ihrer Weise Extremisten, die für ihre Freiheitsziele die falschen Mittel zur Umsetzung wählen. Karl mit seiner Räuberbande und Franz mit seinen übertriebenen Intrigen. Beide scheitern, wmoit Schiller zeigen will, das dieser Extremismus der falsche Weg ist.
Die sprachliche Gestaltung in dem Szenenauszug ist pathetisch ausgefallen. Vor allem der Pater hat enorm viele, bilderreiche Beschreibungen für die Räuberbande (Vgl. Z. 8-10 und Z. 14-15). Auch Karl wirft mit vielen biblischen Fremdwörtern umsich, wie "Rotte Korah" (Z. 68) oder den vieläugigen Riesen "Argus" (Z. 69). Das passt mit der Charakterisierung Karls als junger, intelligenter Idealist zusammen, der, anders als der Rest der Räuberbande nicht bloß stumpfsinnig plündert. Auffallend sind außerdem die vielen medizinischen Beschreibungen, wie "daß [!] ihm der rote Saft aus allen Schweißlöchern sprudelt" (Z. 42). Sie sind damit zu erklären, dass Schiller parallel zu den Räubern an seiner Doktorarbeit für Medizin geschrieben hat.

# persönliche Meinung #

Auf mich persönlich wirkt der Szenenausschnitt gelungen, die emotionalen und gut begründetetn Reden Karls erscheinen mir perfekt inszeniert. Bei all der vorkommenden Härte kann man auch verstehen, warum das Stück damals so für Furore gesorgt hat und warum Friedrich Schiller acht Jahre später bei der Vollversammlung der französischen Revolution zum Ehrenbürger Frankreichs gekürt wurde.

Anmerkung des Einsenders: 2. Klausur Grundkurs 11 Deutsch in NRW
Zeit: 2 Stunden
Note: 1+

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Kommentare

  • unbekannt
    Thu, 19 Jan 2012 10:25:53 GMT Gelungene Kommunikationsanalyse! von Flo (Gast)

    Eine 1+ ist es vielleicht nicht, aber trotzdem gut gelungen - die Einordnung in
    die gesamte Handlung hätte zwar ausführlicher sein können und auch der
    Leitgedanke hätte weiter ausgebaut werden können, aber deine Interpretation an
    sich beleuchtet verschiedene Gesichtspunkte der Szene! x

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