In den letzten Jahren entstand eine große Diskussion bezüglich des aktuellen Schulmodells in Deutschland. Dies geht darauf zurück, dass die deutschen Schüler im „PISA-Test“ schlechter abschnitten, als manche andere der europäischen Länder. Nun überlegt man das Konzept der Ganztagesschule, wie es zum Beispiel schon in Frankreich benutzt wird, zu übernehmen. Allerdings stellt sich die Frage ob dies für Deutschland wirklich eine Erfolg bringende Methode wäre.
Eine überzeugende These ist, dass der Unterricht in Ganztagesschulen gelockert abläuft und der Tagesplan nicht nur aus Fachstunden besteht. Dies führt dazu, dass die Konzentration der Schüler nicht so schnell nachlässt wie in Standard-Gymnasien, da Abwechslung herrscht.
Auch aus Internaten, in welchen man zum Beispiel Hausaufgabenbetreuung zwischen die Stunden einschiebt, hört man überwiegend positive Kritik. Zusätzliche Arbeitsgemeinschaften, in welchen die Schüler ihre Interessen ausleben, können diese Lockerung ebenfalls erzielen.
Ein weiterer positiver Gesichtspunkt der Ganztagesschule ist, dass das Gemeinschaftsverhalten der Schüler gestärkt wird. Die Schüler lernen sich in Gruppen einzufügen und sich entsprechend zu verhalten. Deswegen werden auch Gruppenarbeiten im momentanen Unterricht immer mehr gefördert. Des Weiteren verbringen die Jugendlichen die meiste Zeit des Tages in der Schule und treten somit ständig mit vielen anderen Schülern in Kontakt. So lernen sie gut mit Konflikten umzugehen und sich zu integrieren.
Ein ebenfalls durchdachter Einwand ist, dass die Schüler den ganzen Tag über betreut werden. Das entlastet die Eltern und diese brauchen sich nicht um ihre Kinder sorgen. Viele nehmen dies gerne in Anspruch, wie man ebenfalls bei Horten sehen kann. Auch die Aufgabe ihre Kinder mit einem gesunden Mittagessen zu versorgen wird den Eltern abgenommen.
Doch trotz der Befürworter sprechen sich Experten aus verschiedenen Gründen auch gegen die Einführung der Ganztagesschule aus.
Eine Schwierigkeit bei der Einführung der Ganztagesschule ist, dass hohe Kosten damit verbunden sind. Allein der Umbau der heutigen Schulgebäude zu Ganztagesschulen mit mehr Platz, auch für Ruhephasen der Schüler, und mit Kantinen kostet viel Geld. Doch wenn die Schule dann in Betrieb genommen werden kann, müssen mehr Ausgaben getätigt werden als bei Halbtagesschulen, da zum Beispiel auch mehr Lehrkräfte, höhere Nebenkosten, mehr Reinigungskräfte und natürlich das Mittagessen bedacht werden müssen. Auch in schon bestehenden privaten Ganztagesschulen sind die Kosten höher, deshalb müssen oft die Eltern zusätzlich zahlen, weil die Schule sonst nicht finanziert werden könnte.
Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt der gegen die Ganztagesschule spricht ist, dass die Schüler nur gering Selbstständigkeit lernen. Dies führt dazu, dass sie sich in ihrem späteren Berufsleben und auch in der Ausbildung in wichtigen Angelegenheiten oder auch alltäglichen Vorkommnissen nicht selbst zu helfen wissen. Beispielsweise wenn die Schüler einer Halbtagesschule nachmittags mal alleine zu Hause sind, müssen sie sich selbst versorgen oder auch im Haushalt Aufgaben erledigen. Kinder einer Ganztagesschule dagegen haben keine Zeit für derartige Erledigungen und um das Mittagessen müssen sie sich nicht kümmern. Dies ist vergleichbar mit Kindern, die von ihren Eltern rundum die Uhr verwöhnt werden und sich um nichts selber kümmern müssen.
Eine jedoch ebenfalls wichtige Gegenthese ist, dass die Schüler nicht besser lernen als in Halbtagesschulen. Somit wird der gesamte Grundgedanke der hinter der Ganztagesschule steckt in Frage gestellt. Durch Müdigkeit und Überanstrengung lässt nämlich die Konzentration nach. Zusätzlich ist kein Ausgleich zum Schulalltag, wie zum Beispiel die Ausübung eines Hobbys, geboten. Folglich lernt man nicht unbedingt entspannter und somit nicht besser als in der Halbtagesschule, da der Schultag sich in die Länge zieht und schnell in Langeweile übergeht. Auch viele Schüler schon bestehender Ganztagesschulen können dies bestätigen.
Alles in allem ist meiner Meinung nach die Einführung der Ganztagesschule nur dann Erfolg bringend, wenn die Schüler trotzdem eine gute Ausgleichmöglichkeit haben. Des Weiteren kommt es immer auf den Schülertypus selber an, ob er besser lernt, wenn er eine Ganztagesschule besucht oder eine Halbtagesschule.
Ich persönlich würde nicht auf eine Ganztagesschule gehen wollen, da ich meine Freizeit vermissen würde, in der ich Abstand vom Schulalltag und dessen Tücken bekomme und mit meiner Familie und mit meinen Freunden zusammen sein kann.
Das Fazit dieser Erörterung soll sein, dass man sich das Konzept der Ganztagesschule gründlich durch den Kopf gehen lassen sollte. Wenn man das Modell dann schließlich verwirklichen will, müsste die detaillierte Durchführung zum Wohl der Schüler durchdacht sein, damit diese optimal lernen können.
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