Ulla Hahn "Ich bin die Frau"

Kategorie: Gedichtsinterpretationen
Eingesendet: 24.09.2006
Wörter: 3812
Autor: rotessternchen
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Ulla Hahn "Ich bin die Frau"

In Ulla Hahns Gedicht  « Ich bin die Frau » bringt ein lyrisches Ich seine Charaktereigenschaften mit der Verhaltensweise anderer ihm gegenüber in Verbindung.

 

Das Gedicht besteht auf fünf dreizeiligen Strophen, ist also relativ kurz. Inhaltlich beziehen sich die Strophen jeweils im zweiten Vers auf einzelne Abschnitte einer Beziehung: Anrufen, Einladen, Heiraten, ein Kind bekommen, für immer zusammenbleiben. Der dritte Vers jedoch negiert diese Beziehung immer wieder und macht klar, dass das lyrische Ich deswegen sehr traurig und niedergedrückt ist. Abgerundet wird das Gedicht durch die trockene Selbstaussage, das lyrische Ich sei keine Frau „fürs Leben“.

 

Der erste Vers „Ich bin die Frau“ ist allen Strophen gemeinsam. Es handelt sich hierbei um einen Parallelismus, der verwendet wird, um die Kontinuität der Beziehungslosigkeit des lyrischen Ichs zu betonen.

Es wird weder ein bestimmtes Reimschema noch eine besondere Form verwendet. Durch den auffällig kurzen dritten Vers nach dem längeren zweiten Vers wird in jeder Strophe erneut eine Spannung aufgebaut und dann mit dem letzten Vers wieder aufgelöst. Dies weist zusammen mit dem fehlenden Reimschema auf die Verlorenheit und das ständige Auf und Ab der Gefühle des lyrischen Ichs hin.

Der iterative Gebrauch des unpersönlichen „man“ drückt auch eine Einsamkeit aus, die vermutlich aus dem Fehlen einer Bezugsperson für das lyrische Ich resultiert.

Ebenfalls auffällig ist das Paradoxon der letzten Strophe „ich bin die Frau die keine Frau ist“. Sieht der Leser diese zwei Verse ohne das abschließende „fürs Leben“, erkennt er unweigerlich das stark verletzte Selbstwertgefühl des lyrischen Ichs, da er vermutet, dass es vor lauter Verzweiflung sogar sein Geschlecht verneint. Und obwohl der dritte Vers dieser Strophe die Aussage des Paradoxons etwas abschwächt bleibt die zunächst vermutete Intension dieser Zeilen im Gedächtnis.

Das einzige Satzzeichen des Gedichts ist ein Punkt am Ende der fünften Strophe. Dieser eine Punkt bekräftigt die Aussage der dritten Strophe und gibt ihr etwas Letztgültiges.

 

Das Gedicht gefällt mir sehr gut, allerdings weniger wegen des Inhalts, sondern vielmehr wegen des in sich abgerundeten Gebrauchs von Stilmitteln. Die äußere Form gibt den Inhalt mindestens so gut wie die verwendeten Worte wieder, das Gedicht steigert sich nicht nur innerhalb der Strophen, sondern auch über die Strophen hinweg. Für mich stellt dieses Gedicht eine außergewöhnliche literarische Leistung dar.

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Kommentare

  • unbekannt
    Wed, 14 Jan 2009 21:25:16 GMT SUPER von MAiA (Gast)

    Ich hab grad im Internet nach Gedichtsinterpreationen gesucht & deines hat mir
    echt wieter geholfe, da ich morgen eine KLassenarbeit schreibe weiss ich jetzt
    wie (:
    Schöne Grüße

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