Das Gedicht Herbsttag wurde (zur Zeit des Symbolismus?) am 21. September 1902 von Rainer Maria Rilke in Paris verfasst. In diesem Gedicht äußert das lyrische Ich eine Sehnsucht, einen Wunsch nach Vollendung und Veränderung. Das lyrische Ich möchte sich zur Ruhe begeben und sein Leben genießen, bis die nächste Lebensphase, der Tod, eintritt.
Das Metrum ist der Jambus. Das Gedicht besteht aus 12 Zeilen. Die Versanzahl der Strophen steigert sich von Strophe zu Strophe. Die erste Strophe beinhaltet drei Verse, die zweite Strophe vier und die dritte Strohe fünf Verse. Möglicherweise hat die Steigerung der äußeren Form eine Verbindung mit der Steigerung des Inhalts. Dies werde ich später analysieren. Die Reime stehen im Vers immer am Ende und sind somit Endreime. Die Reimschemen sind in jeder Strophe unterschiedlich. In Strophe eins ist das Reimschema aba. Womöglich ist dies ein nicht vollendeter Kreuzreim. In Der zweiten Strophe ist das Reimschema leicht zu bestimmen, es ist ein umarmender Reim (abba). In der letzten Strophe liegt auch ein umarmender Reim vor, jedoch wird noch ein Vers hinten herangehängt (effef). Zu beobachten ist, dass der Kreuzreim in der ersten Strophe nicht vollendet ist, Strophe drei jedoch einen Vers „zu viel“ für einen umarmenden Reim ausweist.
Es ist Zeit und der Sommer war sehr lang. Der Schatten des Herrn soll über die Sonnenuhren gelegt werden und der Wind soll über die Wiesen losgelassen werden. Früchte sollen noch zwei Tage Zeit bekommen, um sich zu vollenden. Wer noch kein Haus besitzt wird im Herbst auch keines mehr bauen und wer alleine ist, wird es lange bleiben. Die Menschen werden wachen, lesen, lange Briefe schreiben und durch Alleen wandern.
In der ersten Strophe äußert das lyrische Ich Wünsche an einen Herrn. Dieser Herr kann sowohl Gott sein, als auch ein göttlicher „Lebensgrund“. Der erste Vers ist eine Andeutung an die folgenden Wünsche. „Es ist Zeit“ drückt die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach Erfüllung aus. Wenn man davon ausgeht, dass der Sommer ein Symbol für eine Lebensphase, die Lebenszeit, des lyrischen Ichs ist, könnte „Der Sommer war sehr groß.“ bedeuten, dass die Lebenszeit lang genug war und dass nun Zeit für eine neue Jahreszeit, den Herbst, ist. Der Herbst ist ein Symbol für die Zeit, in der sich das lyrische Ich zur Ruhe bzw. in die Rente begibt. Die neue Lebensphase wurde auch als Überschrift für das Gedicht verwendet („Herbsttag“). Es folgt der erste Wunsch, dass der Herr seinen Schatten über Sonnenuhren legen soll. Sonnenuhren arbeiten nur durch Bestrahlung von Licht. Wenn dieses Licht nun durch den Schatten wegfällt, so bleibt die Funktion der Sonnenuhr aus. Die Sonnenuhr verkörpert womöglich das lyrische Ich und der Schatten die neue Lebensphase. Die Sonnenuhr könnte das Licht verkörpern, aber auch die Aktivität (die Zeit der Arbeit), die bei Sommer vorhanden ist. Der Herr hat scheinbar die Gewalt über das Wetter (Z. 1 „Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren“, Z. 3, Z. 5 „gieb ihnen noch zwei südlichere Tage“). Die Früchte werden personifiziert (Z. 4 „Befiehl den letzten Früchten voll zu sein“), indem der Herr den Früchten Befehle erteilen soll. Die Früchte kann man mit dem lyrischen Ich in Verbindung setzten. Somit könnte die Reife der Früchte (Z. 6 „dränge sie zur Vollendung hin…“, Z. 4 „Befiehl den letzten Früchten voll zu sein“) beschreiben, dass das lyrische Ich eine bestimmte innere Reife erlangt hat. Der Herbst ist für das lyrische Ich zwar noch nicht eingetreten, doch die Überschrift „Herbsttag“ ist schon danach benannt. Die ersten zwei Strophen wurden im Imperfekt geschrieben, jedoch wandelt sich das sprachliche Bild in der dritten Strophe. Das lyrische Ich spricht nicht mehr zu dem Herrn, sondern zu einer dritten Person, dem Menschen. Vorher wurde beschrieben, wie die Wandlung in der Natur erfolgen soll und nun wird beschrieben, wie der Menschen im Herbst leben wird. Die Steigerung in den Strophen wird nun nachvollziehbar. Das lyrische Ich ist sich sicher, dass die Ruhezeit sehr bald eintreffen wird, denn es spricht in Bezug auf die Menschen in Futur. Für das lyrische Ich hat der neue Lebensabschnitt positive, als auch negative Seiten. In der Zeit der Ruhe kann man lesen und lange Briefe schreiben (Z. 10 „wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben“), da man nicht mehr arbeiten muss und mehr Freizeit hat. Man soll, wenn man noch kein Haus gebaut hat, keines mehr bauen. Vielleicht da man in höherem Alter innerlich nicht mehr bereit ist. Und auch wenn man noch keinen Partner/in has und alleine ist, soll man nicht krampfhaft danach suchen. Dies würde nur zusätzlich Kraft kosten. Zwei Anaphern kommen zum Einsatz (Z. 8-9 „Wer jetzt…“, „Wer jetzt…“, Z.10-11 „wird“, „und wird“). Durch „Wer jetzt“ wird deutlich, dass die Chance vertan ist und dass die Lebenszeit im nächsten Augenblick vorbei sein wird. Die Wiederholung zeigt dem Leser, dass eine Vollendung ganz sicher stattfinden wird.
Anmerkung des Einsenders:
Ich denke für Anregungen reicht dies
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