| Kategorie: | Gedichtsinterpretationen |
|---|---|
| Eingesendet: | 29.05.2006 |
| Wörter: | 10444 |
| Autor: | Lizzie91 |
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Interpretation zu „The Kinslayer“ von Nightwish
Dem Song „The Kinlayer“ aus dem Album „Wishmaster“ der finnischen Metal - Band Nightwish aus dem Jahr 2000 liegt das Schul-Massaker an der Columbine High School in Littleton, Colorado zugrunde. Er stellt die Umstände und sogar die Gespräche der Attentäter (von Augenzeugen angegeben) dar.
Hört man das Lied zum ersten Mal gibt es mehrere Sachen die einem zuerst auffallen. Zum einen die auffällige und völlig untypische Betonung , zum anderen der Aufbau. Der Text kann in drei Teile eingeteilt werden: In dem ersten Teil befinden sich zunächst 3 gleichlange Strophen (4 Verse) dann eine mit 3 Versen. Der 2.große Teil beginnt mit einer Strophe von 2 Versen, dann eine Strophe mit 4 Versen und eine mit nur einer Zeile. Danach wieder eine längere Strophe (3 Verse) und 2 mit jeweils einem Vers. Der 3. Teil besteht aus 2 gleich langen Strophen (4 Verse).
Diese Einteilung macht in sofern Sinn, dass der Stil der Teile unterschiedlich ist. Der 1 und 3 Teil sind vom Stil her gleich. Zu den einzelnen Teilen ist folgendes zu sagen: Im ersten Teil handelt es sich bei den ersten 3 Strophen um eine einfache Aufzählungen, in der 4. Strophe wird genannt was darauf folgt.
Dann beginnt im 2 Teil ein Dialog der 6 Strophen umfasst. Dieser spiegelt die ganze Situation sehr eindrucksvoll wieder, vor allem durch die Zitate, die von den Attentätern verwendet sein sollen.
Zu guter Letzt der 3. Teil, dies sind zwei weitere Strophen die ein Fazit aus dem ganzen Text darstellen.
Wie bereits erwähnt fällt einem eine ungewöhnliche Betonung auf, die im ersten und dritten Teil zu finden ist, der zweite Teil, der Dialog ist normal betont. Diese auffällige Betonung ist meiner Meinung nach als der Wahnsinn der Attentäter zu interpretieren.
Der Dialog in der Mitte, der eine Konversation zwischen den Opfern und den Attentätern darstellen soll, wird durch verschiedene Aspekte verdeutlicht. Am auffälligsten ist, dass sich Tarja Turunen und Marco Hietala abwechseln. Es kommt einem vor als ob sie gegeneinander singen, der Kontrast wird durch die Operstimme Tarjas im Vergleich zu der wesentlich tieferen Stimme Marcos noch einmal schärfer.
Der Text offenbart die Gründe, die überhaupt zu einer solchen Tat des Wahnsinns geführt haben, nämlich die Ignoranz der Menschen und das Verlieren von jeglichen ethischen Richtlinien, die Menschen an so etwas hindern. Auch wird im Text die Tat an sich durch Bilder beschrieben.
Wenn man die Länge des Textes bedenkt, sind recht wenig Bilder vorhanden, diese haben jedoch eine extreme Wirkung und bestimmen die einzelnen Strophen beachtlich. Zunächst in der aller ersten Strophe „the prey weeps“. Hierbei handelt es sich um eine Personifizierung, was in diesem Fall wörtlich zu nehmen ist, da die Beute in diesem Fall tatsächlich Menschen waren. Als nächstes das meiner Meinung nach wichtigste, vielseitigste und meistaussagenste Bild „Orchid kids“. Wenn man es so ließt, ergibt es keinen Sinn, wenn man sich jedoch mehr Gedanken darüber macht, fällt einem auf, dass Orchideen nicht nur wie in den meisten Fällen für „schön“ oder „selten“ stehen, sonder auch für „spöttisch“. Wenn man dies vor dem Hintergrund, der bereits bekannt ist, betrachtet, ist es naheliegend, dass damit die Schüler gemeint sind, die sich über die beiden Attentäter, die zu Schulzeiten Außenseiter waren, lustig gemacht haben. Aber auch die anderen beiden Bedeutungen der Orchidee kann man zuordnen, denn die jungen Männer hatten es bei ihrem Attentat ins Besonders auf ihre sportlichen Mitschüler, Farbige und auf Jungen, die Erfolg bei Mädchen haben, abgesehen. Das Schöne der Orchidee kann man als das Athletische der anderen auslegen und das Seltene könnte man als die farbigen Mitschüler, die eine Minderheit darstellen, interpretieren. Als drittes fällt einem das direkt darauf folgende „blinded stare“ auf, was an sich ein Widerspruch in sich ist, denn wer geblendet ist starrt nicht. In diesem Fall ist jedoch damit gemeint, dass die Personen trotz des Starrens etwas nicht sehen, erkennen können, sie sind durch etwas verblendet. Als viertes und letztes ist noch der Vergleich von „unbearable fear“ und „old friend“ zu finden, der verdeutlicht wie man der „unerträglichen Angst“ begegnen soll, nämlich wie einem „alten Freund“.
Dies alles beschreibt die Gesamtsituation. Das, was uns der Autor damit vermitteln möchte, wird erst klar, wenn man sich einige Schüsselstellen im Text und den Titel näher ansieht: Durch den Titel und das erste Bild wird zunächst klar um was es geht und gleich darauf wird der Krieg mit Religion verglichen womit man gleich auf die Problematik stößt. Als nächstes wird die Ignoranz der Menschen in „Kill your friend, I don’t care“ und „blinded stare“ dargestellt und das, was daraus folgt, nämlich, dass sämtliche Werte verloren gehen („No truth no sense left to be followed“). Gleich darauf wird die
ganze Situation die daraus folgt dargestellt und auf religiöse Differenzen zurück geführt („"In this world of a million religions everyone prays the same way" "Your praying is in vain, It`ll all be over soon"“) auch werden andere Aspekte angesprochen, die zu einer solchen Tat führen können („Not a hero unless you die“ „Lust for fame, a deadly game“). Am Ende wird das Resultat noch einmal dargestellt in Form der „15 candels“, die für die insgesamt 15 Opfer stehen. Auch hier wird wieder ein Vergleich zur Religion hergestellt, da die Attentäter wie damals Jesus die Welt wach gerüttelt haben, ob nun beabsichtigt und auf die richtige Weise sei dahin gestellt („Redeemers of this world“).
Unter dem eigentlichen Songtext befindet sich außerdem eine Widmung, die Erklärung bedarf. Diese Widmung ist folgendermaßen aufzufassen: Mit „4 pink once“ sind 4 Mädchen gemeint, mit „9 blue once“ sind 9 Jungen gemeint und mit „2 black once“ die Attentäter an sich, die, da sie sich das Leben zu guter letzt genommen haben, auch zu den Opfern zählen. So ergeben sich wieder 15 Tote (als 15 candels im Text zu finden). Der Autor bezeichnet hier die Attentäter als „Redemeers“ und vergleicht sie so mit Jesus.
Wenn man jedoch einen Song interpretieren will, reicht es nicht sich nur den Text anzusehen, deswegen hab ich mir auch über die Musik Gedanken gemacht: Der Melodieverlauf weist einige interessante Aspekte auf, die Melodie verläuft folgendermaßen:
Der Song beginnt mit einem lauten Schlag, darauf folgt ein instrumentaler Teil, in dem ein Violinenchor dominiert. Nach einem weiteren Schlag setzt die E-Gitarre ein, diese spielt bis zu einem weiteren Schlag in dem instrumentalen Teil nach den ersten Strophen. Innerhalb der ersten Strophen wird bei dem Gesang jeweils das letzte Wort einer Zeile durch Schlagzeug betont. Die E-Gitarre setzt wieder bei Tarjas Part ein, bleibt jedoch jeweils bei Marcos Part aus. Die nach dem Dialog folgenden Strophen werden auf die gleiche Weise gespielt, wie die anderen Strophen und am Ende gibt es ein abruptes Ende in Form eines Schlags.
Ich meine, dass zweierlei einen enormen Teil zum Gesamteindruck beisteuert:
Der E-Gitarre, die nur in Tarjas Part des Dialoges spielt, dient dazu noch einmal hervorzuheben, dass es sich dabei um die „Guten“ handelt. Dies wird natürlich auch durch den Kontrast ihrer hohen Stimme zu Marcos tiefer Stimme verdeutlicht. Außerdem handelt es sich bei der Melodie, die von der E-Gitarre gespielt wird um immer die gleiche, was hervorhebt, dass es für den Betrachter all diese Zeilen an sich das Gleiche bedeuten. Das abrupte Ende lässt auf den Tod der Schüler schließen, der so plötzlich und unerwartet kommt.
Ansonsten ist vielleicht noch zu der sprachlichen Gestaltung einiges zu sagen, zumindest zu der Wortwahl und dem Satzbau, da auch dies bei näherem Betrachten heraussticht:
Bei Nightwish Songs generell fallen viele Worte wie „blood“, „dead“, „wound“ ect. auf, was bei diesem Song nicht anders ist, hier mag es vielleicht auch mit dem brutalen Thema zusammenhängen. Ansonsten fällt auf, das viele religöse Begriffe verwendet wurden wie „religion“, „to pray“, „God“, „creed“ ect. Außerdem wurden Sätze oder zumindest Teilsätze verwendet, die die Attentäter laut Augenzeugen verwendet haben sollen, diese sind im Text durch Zeichen der wörtlichen Rede gekennzeichnet.
In Teil 1 und 3 sind kurze Sätze verwendet worden, die in den seltensten Fällen mehr als einen Verse lang sind. Teilweise handelt es sich gar nicht um vollständige Sätze. Im Dialog-Teil findet man, im Vergleich, lange Sätze, jedoch nur parataktischer Art und grundsätzlich nicht länger als 1 Vers was zur Folge hat, dass die Verse an sich länger sind als in den anderen Teilen.
Die Wortwahl stellt noch einmal die Brutalität der Tat dar und stellt die Verbindung zur Religion her. Der Satzbau hingegen zeigt meiner Meinung nach noch einmal die Gedankenwelt der Attentäter. Die kurzen, abgehackten Sätze lassen auf Wahnsinn und kein klares Denken schließen.
Es handelt sich dabei um ein Lied, in dem anhand eines Ereignisses ein Appell ausgesprochen wird.
Der Song entspricht dem üblichen Stiel der Band, er steht jedoch nicht in irgendeiner Verbindung zu einem anderen Werk. Es ist in sofern einer zeitlichen Epochen zuzuordnen, dass das Werk als Reaktion auf den Amoklauf am 20.4.1999 geschrieben und umgesetzt wurde.
Meine Meinung ist, dass es der Band hervorragend gelungen ist diese Situation darzustellen, besonders durch den Dialog. Tarjas Stimme und dazu die harten Metal-Beats haben perfekt zu dem Text gepasst. Sie haben es geschafft ihre Massage den Menschen näher zu bringen, ohne, dass man denkt „Oh man könnt ihr mal aufhören, uns für alles Schlechte in dieser Welt verantwortlich zu machen?“ „The Kinslayer“ ist einer meiner absoluten Lieblingssongs der Band und das hat sich durch diese aufwändige Analyse nicht geändert.
Anmerkung des Einsenders: Solltet ihr das abgeben wollen müsst ihr natürlich eure eigene Meinung verwenden ;)
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