Andreas Gryphius (Menschliches Elende)

Kategorie: Gedichtsinterpretationen
Eingesendet: 16.07.2008
Wörter: 4441
Autor: try
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Andreas Gryphius (Menschliches Elende)

Das Gedicht „Menschliches Elende“, welches zum Zeitalter des Barocks von Andreas Gryphius verfasst wurde, zeigt das Leben der Menschen als elendig, angstvoll und schmerzvoll. Die Hauptthemen sind die Angst, das Leid, der Tod und die Vergänglichkeit.

Die Gedichtsform ist ein Sonett, welches in der Barockzeit oft verwendet wurde. Das Sonett besteht aus 14 Versen, welche in vierzeilige Quartette, mit umarmendem Reim, und dreizeilige Terzette, mit übergreifendem Reim, eingeteilt sind. Das Metrum ist der Alexandriner, welcher aus sechsfüßigen Jamben besteht.

Am Anfang des Gedichts steht ein Ausruf („Was sind wir Menschen doch!“), worauf das ganze Gedicht und besonders die erste Strophe aufgebaut sind, da der Ausruf von dem lyrischen Ich erklärt und verstärkt wird. Sogleich folgt eine Aufzählung. Der Mensch ist ein Wohnhaus grimmer Schmerzen. Dies ist eine Metapher und soll verdeutlichen, dass der Mensch von Schmerz erfüllt ist. Das Wohnhaus ist der Mensch, indem die Schmerzen wohnen als sei der Mensch nur für dieses Gefühl zugänglich. Der Mensch wird als Ball des falschen Glücks beschrieben. Diese Metapher soll verdeutlichen, dass die Menschen kein Glück mehr empfinden kann und an sein Schicksal gebunden ist. Es gibt kein wahres Glück. Die Menschen sind ein Irrlicht dieser Zeit. Ein Irrlicht ist etwas, das jeden Moment verschwinden kann. Und wenn etwas ohne Grund auftaucht und wieder verschwindet, ist es unbedeutend. Durch das Irrlicht wird auch die Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit verdeutlicht. Eine weitere Metapher ist „Ein Schauplatz herber Angst, besetzt mit scharfem Leid“. Der Schauplatz beschreibt, dass die Menschen ungeschützt und machtlos sind, alles, was sie fühlen, ist Angst. Die Angst wird durch herb und das Leid durch scharf beschrieben. Herb und scharf sind Geschmacksrichtungen, welche vielen Menschen unangenehm sind. Etwas, was scharf ist, schneidet ein und verletzt. Die Angst der Menschen ist bitter und nun wird diese noch mit scharfem Leid besetzt, wodurch das Elend verstärkt wird. Im letzten Vers der Strophe wird der Mensch als bald verschmelzter Schnee und abgebrannte Kerzen dargestellt. Das Leben ist vergänglich und unbedeutend wie schmelzender Schnee oder eine Kerze, die abbrennt. Die Strophen des ersten Verses sind durch eine Anapher („Ein“) gedanklich verbunden. Die Verse sind eine Aufzählung, die das Menschliche Sein behandelt.

Das zweite Quartett beginnt mit einem Vergleich („Das Leben fleucht davon wie ein Geschwätz und Scherzen.“). Das Leben ist vergänglich wie Geschwätz und Scherzen. Geschwätz ist etwas, was unbedeutend ist, da es morgen schon vergessen sein kann. Geschwätz und Scherze nimmt man nicht ernst. Das Verb „fleuchen“ wirft das Bild von Nebel auf, welcher in der Luft liegt und langsam verschwindet. Der schwache Leib („Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid“) verkörpert die Lebensumstände zu der damaligen Zeit. Es herrschte Krieg und Hungersnot, wodurch die Menschen sehr geschwächt wurden. In Vers 7-9 wird geschrieben, dass die, die in das Totenbuch der großen Sterblichkeit eingeschrieben sind, aus Sinn und Herzen sind. Das bedeutet, dass die Verstorbenen keinen Einfluss auf die Menschen hatten und die Menschen den Verstorbenen keinen Gedanken würdigten. Vielleicht wurde der Tod verdrängt, um nicht noch mehr Elend vor Augen zu sehen und das Leben wenigstens noch so gut es ging zu genießen.

Das erste Terzett wird durch einen Vergleich und eine Metapher eingeleitet. Die Menschen träumen noch, doch sind dies bloß Träume, was durch das Adjektiv „eitel“ gezeigt wird. Im 17. Jahrhundert war kein Raum für Träume, da diese leicht wieder „zerplatzten“ und nicht in Erfüllung gingen („Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinfällt“). Es folgt ein Vergleich. Der Name, das Lob, die Ehre und der Ruhm der Menschen werden schwinden, sowie man einen „verschleußenden“ Strom nicht aufhalten kann.

Im zweiten Terzett gibt das lyrische Ich einen Blick in die Zukunft frei. Wie auch im ersten Quartett sind die Verse im zweiten Terzett Anaphern. Die Vergänglichkeit des Lebens ist das Hauptthema der vierten Strophe. Alle Menschen, welche geboren werden, werden den schon Verstorbenen ins Grab folgen. Es gibt kein Entkommen. Im Endvers stellt das lyrische Ich eine Rhetorische Frage („Was sag ich?“), um gleich danach auf den Kernpunkt des Gedichts zu kommen. Die Menschen vergehen äußerlich, aber auch innerlich.

Anmerkung des Einsenders: Ich denke man kann meinen Interpreationen halbwegs vertrauen, da ich Deutsch-LK hatte mit sehr gutem Ergebnis.

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