Das Gedicht „Alles ist eitel“, welches von Andreas Gryphius geschrieben wurde, handelt von der Vergänglichkeit. Das Gedicht ist aus der Epoche des Barocks (1600 – 1720). Andreas Gryphius möchte zeigen, dass alles, was im Moment Wert hat, morgen schon nutzlos sein kann, doch, wenn man sich auf Sachen, die endlos sind, konzentriert kann man sich so besser fühlen.
Die Gedichtsform ist das Sonett, welches in der Barockzeit oft verwendet wurde. Das Sonett besteht aus 14 Versen, welche in vierzeilige Quartette, mit umarmendem Reim, und dreizeilige Terzette, aus Schweifreimen, eingeteilt sind. Das Metrum ist der Alexandriner, der aus sechsfüßigen Jamben besteht.
In der ersten Strophe verdeutlicht das lyrische Ich dem Leser das Thema des Gedichts, die Vergänglichkeit. Alles irdische, die ganze Welt, wird als nutzlos, nichtig und vergänglich beschrieben.
Der erste Vers greift das Thema der Überschrift, dass alles eitel sei, erneut auf und hebt den zentralen Gedanken somit hervor. Die Vergänglichkeit ist allgegenwärtig und gehört zum Leben. Auch ist dieser Vers eine Feststellung. Der Leser wird durch die zweite Person Singular („du“) direkt angesprochen. In dem zweiten Vers werden Beispiele genannt. Das, was heute gebaut wird, ist morgen nicht mehr da. Das, was heute Wert hat und nützlich ist, ist morgen schon wertlos, nutzlos und nichtig. Durch den Gegensatz „heute“ - „morgen“, „baut“ – „reißt…ein“ werden die Ausmaße der Vergänglichkeit besonders deutlich dargstellt. Wo jetzt Städte stehen, wird eine Wiese sein. Die Stadt ist ein Bezug auf „baut“. Das, was man schafft und selber errichtet, vergeht mit der Zeit. Die Stadt wurde gebaut und bald wird sie, durch Umwelteinflüsse oder durch einreißen, nicht mehr da sein. Alles ändert sich und so spielt ein Landkind auf der Wiese und die Stadtmenschen sind verschwunden (Str. 1, V. 4 „Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.“). Der Müll (die Stadt) verschwindet und eine Landschaft, eine Idylle (das Schäferskind steht für Land) entsteht. Liest der Leser die letzten beiden Zeilen, so wird er normalerweise denken, dass auf Wiesen Städte gebaut werden. Nun ist dies im Gedicht umgekehrt. Schließlich kann eine Wiese nicht zu einer Stadt zerfallen.
In der zweiten Strophe wird die Vergänglichkeit als unaufhaltsam beschrieben. Das lyrische ich erklärt dem Leser, dass nicht nur Gegenstände vergänglich sind, sondern auch Gefühle.
Was jetzt blüht, ist schon dafür vorbestimmt, dass es zertreten wird (Str. 2, V. 1 „Was itzund prächtig blüht. Soll bald zertreten werden.“). Im zweiten Vers wird der Mensch angesprochen. Mit „pocht“ ist das Herz des Menschen gemeint und mit „trotzt“ könnte gemeint sein, dass der Mensch Mittel gefunden hat, die den Zerfall verlangsamen. Doch der Tod ist unumgänglich (Str. 2, V. 2 „,… ist morgen Asch und Bein.“). Der Mensch selbst hält sich für ein starkes Wesen, der für vieles Mittel und Wege gefunden hat, doch es gibt kein Gegenmittel für den Tod. Vers zwei ist eine Kontrastmetapher. Selbst die Dinge, die der Mensch für stark und unvergänglich hielt, vergehen (Str. 2, V. 3). In Vers vier wird eine neue Ebene angesprochen, die Gefühle. Selbst wenn man glücklich ist und unendlich viel Glück verspürt, wird dieses schon morgen zu Beschwerden und Pech (Str. 2, V. 4). Die Quartette beschreiben den Zustand der Dinge.
So folgt in den Terzetten eine Art „Lösung“ und Antwort.
Nicht nur Gegenstände und Gefühle vergehen, sondern auch ideelle Werte. Der Mensch selber ist tot, doch er vollbrachte rumvolle Taten, mit welchen er den Nachkommen im Gedächtnis blieb (Str. 3, V. 1). Irgendwann vergeht selbst das Gedankengut, da es vergessen wird. Es folgt eine rhetorische Frage (Str. 3, V. 2 „Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?“). Der Leser denkt sich aufgrund der vorherigen Strophen, „nein“. In Vers 3 drückt das lyrische Ich seine Hoffnungslosigkeit und seinen Pessimismus durch eine Ach-Klage aus (Str. 3, V. 3 „Ach, was ist alles dies, was wir vor köstlich achten.“). Das lyrische Ich bedauert die Vergänglichkeit, denn alles was gut für den Menschen ist ist, ist bald nicht mehr vorhanden.
In der vierten Strophe folgt für den Leser eine Mahnung und für das lyrische Ich eine Lösung aus der Hoffnungslosigkeit zu entkommen. „Schatten, Staub und Wind“ wird als „schlechte Nichtigkeit“ benannt. Für die Natur sind diese sehr wichtig, doch der Mensch weiß „Schatten, Staub und Wind“ nicht zu schätzen und achtet somit nicht auf Dinge, welche für immer bestehen bleiben. Eine Wiesenblume wird nicht so schön angesehen wie eine Blume, die gezüchtet wurde und in einer Vase steht. Nun vergisst der Mensch, dass die Wiesenblume länger lebt als die abgeschnittene Blume in der Vase. Somit sieht man nur zu, wie die Blume in der Vase verwelkt und achtet nicht auf die Wiesenblumen, die länger blühen. Der Schlussvers ist die Bewertung der Menschen.
Ein Bestandteil des Barocks war der Gedanke an Vanitas, „Momento mori“ und „Carpe diem“. Vanitas bedeutet Nichtigkeit und Eitelkeit, was so viel wie Vergänglichkeit bedeutet. In dem Gedicht werden die Bestandteile des Barocks sehr deutlich. „Momento Mori“ bedeutet „Gedenken, dass du sterben musst“. Das lyrische Ich zeigt die Vergänglichkeit („Vanitas“) der Menschen auf, doch es sagt auch, dass man sein Leben genießen soll und seinen Blick auf das Ewige richten soll. Man soll den Tag leben („Carpe diem“). Der 30-jährige Krieg war ein Grund für das Befinden der Menschen.
Andreas Gryphius lebte von 1616 bis 1664, was bedeutet, dass dieser den 30-jährigen Krieg durchlebte. Als der Krieg herrschte, erfuhr Gryphius in seinem Leben einige Niederlagen. Er verlor Mutter und Vater, zwei seiner Schulen wurden wegen Feuerbrand und Pest zerstört und geschlossen. Alles, was in seinem anfänglichen Leben eine große Rolle spielte, wurde zerstört. Alles ist vergänglich. Erst als bereits 20 Jahre Krieg herrschten, nahm sein Leben einen guten Lauf.
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