Ethologie - Frei lebende Tiere

Kategorie: Biologie
Eingesendet: 22.07.2006
Wörter: 4782
Autor: Adrian87
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Ethologie - Frei lebende Tiere

Ethologie - Verhaltensbiologie
Methodik zur Erforschung des Verhaltens frei lebender Tiere

Referat in Biologie GK 12/2, 2005/06
Adrian Leyser und Lars Schreiner


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1. Allgemeine Methodik



Um das Verhalten einer bestimmten Tierart zu erforschen, müssen im optimalen Falle alle Faktoren und Aspekte des Verhaltens in Betracht gezogen werden, es muss das komplette Verhaltensinventar (Ethogramm) zusammengestellt werden. Dies wirft jedoch einige Probleme hervor, denn in die Beobachtung müssen beide Geschlechter, die verschiedenen Altersstadien und alle Tages- und Jahreszeiten hineinfließen. Des Weiteren muss (im Idealfall) gewährleistet sein, dass die jeweiligen Tiere von den Untersuchen nichts bemerken. Außerdem sollten die Untersuchungen und Beobachtungen möglichst detailliert dokumentiert werden. Dies kann zu einem sehr aufwendigen, fast zur physischen Erschöpfung führenden Projekt werden. Dabei ist zu beachten, dass wir trotz großer Anstrengungen nur einen Bruchteil des gesamten Ethogramms erfassen können, da viele Signale und versteckte Verhaltensweisen für den Menschen unsichtbar sind. Dabei sind vor allem chemische Signale zu nennen (Pheromone). Diese sind im Freiland schwer festzustellen und nachzuvollziehen, sie spielen eine große Rolle. Da ein Beobachten des Verhaltens über 24 Stunden, was für eine vollständige Zusammenstellung des Ethogrammes notwenig sein müsste, praktisch nicht möglich ist, sollte der Beobachter seine Beobachtung und gewonnenen Erkenntnisse in „wichtige“, welche dokumentiert werden, und „unwichtige“ Erkenntnisse (werden nicht dokumentiert) unterteilen.
Eine Möglichkeit Zeit zu sparen ist von dem Freilandbeobachten abzuweichen und das Tier in ein Labor zu bringen, um somit eine kontinuierliche Beobachtung zu ermöglichen (Zoo, Voliere, Aquarium usw.). Nun befindet sich das Tier in einer „künstlichen“ Umgebung oder einer Umgebung, die dem natürlichen Lebensraum des Tieres in der Natur nachgebildet worden ist, somit enthält sie alles, was in den Augen des Menschen für das Tier wichtig ist. Nachteilig ist, dass sich in dieser Umgebung sicherlich nicht der ganze Aktionskatalog des Tieres aufstellen lässt, d.h. es nicht alle in der Natur vorhandenen Verhaltensweisen abruft. Denn wenn z.B. für das Verhalten relevante Aspekte, wie Feinde und/oder Beute, fehlen, dann kann das Tier das Verhalten für die in der Natur entsprechen Situationen natürlich nicht abrufen. Einen Ausweg, der allerdings nicht bei allen Tierarten angewendet werden kann, bietet die von K. Lorenz (1903 - 1989) in seinem Buch "Vergleichende Verhaltensforschung" beschriebene Methode.
"Ein bei manchen hoch organisierten Wirbeltieren möglicher Kompromiss zwischen Freilandbeobachtung und Gefangenhaltung kann dadurch erzielt werden, dass man in einem geeigneten Biotop Jungtiere sozialer Arten großzieht und diese zahmen Individuen in Freiheit beobachtet. Das methodische Ideal der Beobachtung hoch organisierter Lebewesen ist dann erreicht, wenn es gelingt, frei lebende Tiere so an den Beobachter zu gewöhnen, dass ihr Verhalten durch seine Gegenwart nicht verändert wird, ja, dass er sogar mit ihnen in natürlicher Umgebung Experimente anstellen kann.“
Bei der Dokumentation der erforschten Erkenntnisse über ein Tier ist zu beachten, dass sie nicht nur aus Film- und Tonbandaufnahmen besteht, was natürlich auch wichtig ist, aber man kommt nicht um eine „wörtliche“ Beschreibung und Ausformulierung der gewonnen Erkenntnisse herum. Dabei können sich schnell Fehler einschleichen, denn der Beobachter neigt dazu, das Verhalten der Tiere durch bestimmte Wortwahl zu „vermenschlichen“ und er ungewollt Deutungen einfließen lässt, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht erwünscht sind.
Um ein Ethogramm zu erstellen, werden häufig einzelne Verhaltenselemente nach ihren Funktionen benannt (Fressen, Laufen, Fliegen, Flucht, Balz usw.) oder zu Funktionskreisen (Fortbewegung, Fortpflanzung usw.) zusammengefasst.

Wenn man schließlich mit großer Sorgfalt ein Ethogramm erstell hat und man sich aller Schwierigkeiten und Gefahren bewusst ist, heißt das nicht, dass es ein vollständiges, ideales Ethogramm ist. Es muss weiter an diesem Ethogramm gefeilt werden, um ein möglichst genaues, detailliertes und dem tatsächlichen Verhaltenskatalog des Tieres entsprechendes Ethogramm zu erhalten.

Anmerkung des Einsenders: Note: 12 Punkte (2+) ... mündlicher Vortrag inbegriffen.

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