,,Metamorphose des Narziss´´ von Salvador Felipe Jacinto Dal

Kategorie: Kunst
Eingesendet: 27.01.2006
Wörter: 29967
Autor: EmbraceOfDeath
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,,Metamorphose des Narziss´´ von Salvador Felipe Jacinto Dal



HAUPTTEIL


1.a) Hintergrund:
Das Bild ist dargestellt wie eine Traumwelt.
Im Hintergrund ist eine große Berglandschaft mit vielen rot-braunen Felsen zu sehen.
Der schöne, blaue Himmel ist mit schwarzen Wolken bedeckt.

1.b) Mittelgrund:
Im Mittelgrund werden 8 aus Stein geformte Figuren und eine Einzelfigur,
die auf einen Sorckel steht, dargestellt. Diese Figuren drücken alle einen
unterschiedlichen Gesichtsausdruck aus.

1.c) Vordergrund:
Der Vordergrund ist eine großen, maskulienen Gestalt zu sehen,
welche einem Menschen ähnelt. Dies kann der schöne Sohn Afrodites sein,
welcher verrückt von seiner Schönheit war und sich immer selbst anschaute
Die Gestalt hat lange blond-goldene Haare und ihren Kopf auf ihr Knie gestützt.
Daneben befindet sich eine knochige Hand aus Stein, die in gleicher Form gestaltet ist.
Mit den Fingern hält sie ein zerbrochenes Ei, aus dessen Rissen eine
weiße Narzisse gedeiht.
Rechts von ihr ist gerade ein Hund dabei ein Stück Fleisch zu verzehren.

2. Das Original des Bild ,,Metamorphose der Narziss´´ ist 50,8 x 76,2 cm groß
und wurde mit Öl auf leinwand gemalt.
Es ist hauptsächlich in dunklen Tönen wie zum Beispiel braun gemalt,
wobei gelb, rot und Blautöne, sowie weiß zwar vorhanden sind,
jedoch die dunkleren Töne überwiegen. Dalí benutzt starke Farben,
versucht durch sie jedoch nichts hervorzuheben,
weil dies nicht nicht im Sinne des Surrealismus war.



3.Die Gruppe von Menschen, welche nackt ist und zu tanzen scheint,
präsentiert ihre dünnen Körper, wie die Person im Hintergrund in der rechten Bilhälfte,
die auf einem Sockel steht, welche auf einem Spielbrett steht und ihren Körper anschaut.
Selbst der Hund im Vordergrund in der rechten Bildhälfte ist bis zu den Knochen abgemagert,
wie alle anderen Bildfiguren, um scheinbar dem Ideal der Mitmenschen zu entsprechen.

Die Steinfiguren im Vordergrund machen den Eindruck, der wichtigste Bildgegenstand zu sein,
weil sie größer als alles andere im Bild sind. Schon der Titel des Bildes
„Metamorphose des Narziß“ gibt Antworten darauf,
was diese zwei Steinfiguren zu bedeuten haben.
In der griechischen Mythologie war Narziß der Sohn der Göttin Afrodite.
Genauso schön wie seine Mutter war auch er.
Er war besessen von seiner Schönheit und nahm jede Gelegenheit wahr,
sich im Spiegel oder im Wasser zu betrachten.
Er beschäftigte sich nur mit sich selbst und tat nichts anderes,
als sich den ganzen Tag zu betrachten. Eines Tages,
schaute er sich so intensiv sein Spiegelbild im Wasser an, dass er sich selber anfassen wollte,
verblüfft von seiner unsterblichen Schönheit.
Er beugte sich so tief ins Wasser, dass er hinein fiel und ertrank. An der Stelle,
wo er starb wuchs einige Zeit später eine Blume, welche so schön war wie er und seinen Namen
„Narzisse“ bekam. Die Figur in der linken Bildhälfte soll also Narziß sein,
der sich sein Spiegelbild im See anschaut und die Menschen im Hintergrund nicht beachtet,
weil er nur an sich und seine Schönheit denkt.
Die Hand mit der Narzisse soll das Denkmal an der Stelle sein,
wo Narziss durch seine Selbstsucht zu Tode kam.
Es scheint die Menschen im Hintergrund nicht zu interessieren,
denn auch sie denken nur an sich und an ihre Schönheit.

Die Surrealisten bezogen sich auf Werke und Themen der Vergangenheit,
wobei sie die Gegenwart kritisch kommentierten.

Dalí nimmt den Mythos des Schönlings Narziß und wandelt ihn in eine andere Gestalt.
Dabei kritisiert er die Menschen von heute,
welche nur an sich denken und Tod und Gewalt völlig vernachlässigen,
denn sie wollen keinen Gedanken daran verschwenden. Mit seinem Traumbild versucht er zu zeigen,
welche Folgen der Egoismus und die Selbstverliebtheit der Menschen hat.




Das Gedicht "Narziß"

Salvador Dali verfaßte 1936 in Paris über das Bild "Die Metamorphose des Narziß"
ein Gedicht mit dem Titel "Narziß". Das Gedicht ist mit einer Bildbeschreibung zu vergleichen.
Dali umschreibt z.B. das surrealistische Szenarium des Narziß
oder seine Verwandlung in die Narzisse, die zu Gala wird.
Es ist eine Art Schlüssel für den Betrachter,
der dadurch angeregt werden soll das Bild näher zu analysieren.
Damit wollte Dali den Betrachter zu einer objektiven Deutung lenken,
die das Ziel seiner paranoisch-kritischen Methode darstellt.

Narziß

Der Dichter muß allen gegenüber beweisen,
was er sagt.
Erster Fischer von Port Lligat. - Warum
betrachtet sich denn der Junge da den lieben langen Tag im Spiegel ?
Zweiter Fischer.- Wenn du´s unbedingt
wissen willst (spricht leiser): Er hat eine Zwiebel im Kopf.
"Zwiebel im Kopf" entspricht im Katalanischen
genau dem psychoanalytischem Begriff des "Komplexes"
Wenn man eine Zwiebel im Kopf hat, kann
sie jeden Augenblick aufblühen, Narziß!

Unter dem Riß der immer ferneren schwarzen Wolke
schwankt
die Waage des Frühlings unsichtbar
am reinen Aprilhimmel.
Auf dem höchsten Berg
neigt der Schneegott
sein blendendes Haupt über den schwindelnden Raum der Spiegelbilder
und schmilzt vor Verlangen
zu senkrechten Tauwasserfällen,
bis er brausend vergeht im schreienden Kot des Gesteins
oder
zwischen schweigendem Moos
hin zum fernen Spiegel des Sees,
wo er eben,
die Schleier des Winters sind weg,
den leuchtenden Blitz
entdeckt hat,
sein genaues Ebenbild.
Als ob die entgottete Hochebene ganz sich
leerte,
senkte, zugrunde ginge
in Einsamkeit und unheilbarer Stille der Eisenoxyde,
während ihr Eigengewicht
die Tiefebene insgesamt
wimmelnd und apotheotisch
anhebt,
artesische Grasspringbrunnen
schießen dort schon in den Himmel,
und es wachsen empor
gerade
zart
und hart
zahllose Blumenlanzen
betäubender, keimender Narzissenarmeen.

Schon erwägt die heterosexuelle Gruppe in
den berüchtigten einleitend - erwartungsvollen Haltungen bewußt die drohende
sinnliche Katastrophe, das fleischfressende Aufblühen ihrer latenten morphologischen Atavismen.

Zur heterosexuellen Gruppe
in dieser milden Zeit des Jahres
(doch ohne Übermaß geliebt und auch nicht mild)
gehört
der Inder,
herb, ölig, zuckrig,
wie eine Augustdattel,
der Katalane mit dem ernsten Rücken
in schöner Haltung
an einer Steilküste,
im Gehirn ein fleischliches Pfingsten,

der blonde Raubtiergermane
mit braunen Nebeln
der Mathematik
in den Grübchen
seiner Wolkenknie,
gehört die Engländerin,
die Russin,
die Schwedin,
die Amerikanerin
und die große düstre Andalusierin,
starkdrüsig und grün vor Angst.

In der Landschaft, fern von der heterosexuellen Gruppe, wachsen die späten Nachmittagsschatten,
und Kälte befällt den nackten Jüngling, der am Rande des Wassers verweilt.

Wenn die klare, göttliche Anatomie des Narziß
über den dunklen Spiegel des Sees
sich neigt,

wenn sein vorgebeugter weißer Torso
in der hypnotischen Silberkurve seines Verlangens
eisig erstarrt
und die Zeit verfließt
auf der Sandblumenuhr seines eigenen Fleisches,

vergeht Narziß im kosmischen Taumel,
in dessen Tiefen
die kalte, dionysische Sirene seines Ebenbildes
singt.
Der Körper des Narziß wird leer und verliert sich
im Abgrund seines Spiegelbildes
wie eine Sanduhr, die man umdreht.

Narziß, du verlierst deinen Körper,
entführt, verwischt vom tausendjährigen Spiegelbild deines Verschwindens,
dein vom Tod gezeichneter Körper
sinkt hin zum Topasabgrund, zum gelben Strandgut der Liebe,
dein weißer, versunkener Körper
folgt dem Gefälle des wilden, steinigen Sturzbachs
schwarzer Edelsteine mit ätzenden Düften,
dein Körper...
bis zu matten Mündungen der Nacht
an deren Ufern
es schon funkelt
von all dem roten Silberzeug
der Morgendämmerung mit den geplatzten Adern an den < Landungsstellen des
Blutes>

Narziß,
begreifst du ?
Die Symmetrie, göttliche Hypnose der Geometrie des Geistes, krönt schon dein
Haupt mit jenem unheilbaren, pflanzlichen, atavistisch trägen Schlag,
der das Gehirn ausdörrt
in der ledernen Substanz
des Kerns deiner nahen Metamorphose.

Der Samen deines Hauptes ist gerade ins Wasser gefallen.
Der Mensch kehrt zur Pflanze zurück

Wie die Götter
durch deren schweren Schlaf der Ermüdung
durch die transparente Hypnose der Leidenschaften.
Narziß, reglos bist du,
man könnte denken, du schläfst.
Von Herkules, dem rauhen, braunen,
würde man sagen: Er schläft wie ein Stamm
in der Haltung
einer herkulischen Eiche.
Du aber, Narziß,
der durchscheinenden Jugendlichkeit schüchternes, duftendes Blühen,
du schläfst wie eine Wasserblume.
Jetzt naht das große Geheimnis,
jetzt tritt die große Metamorphose ein.

Narziß, der reglose, von seinem Spiegelbild mit der verdauungsfördernden
Langsamkeit fleischfressender Pflanzen aufgesaugt, wird unsichtbar.

Von ihm bleibt nur
das halluzinierende weiße Oval seines Kopfes,
sein Kopf, von neuem zart,
sein Kopf, Kokon biologischer Hintergedanken,
sein Kopf, von den Fingerspitzen des Wasser gestützt,
von den Fingerspitzen
der sinnlosen Hand
der schrecklichen Hand,
der kotfressenden Hand,
der tödlichen Hand
seines eigenen Spiegelbildes.

Wenn dieser Kopf zerspringt,
wenn dieser Kopf zerplatzt,
wenn dieser Kopf aufbricht,
wird er zur Blume werden,
ein neuer Narziß,
Gala -
Mein Narziß. 3 Salvador Dali, Paris, 1936

Die Metamorphose des Narziss

Peter V. Brinkemper
Zum 100. Geburtstag Salvatore Dalis
Salvador Dali, der 1989 verstarb, wäre am 11. Mai. 2004 hundert Jahre alt geworden. Die bei Schirmer und Mosel erschienene Autobiographie "Das geheime Leben des Salvador Dali" beweist, dass Dali ein bedeutender Schriftsteller war. Das Werk ist mehr als eine Lebensbeichte mit vielen bisher nur aus zweiter Hand bekannten Anekdoten. Vielmehr hat Dali hier auch seine visuellen Obsessionen in beeindruckend anschauliche literarische Bilder und Metaphern ausformuliert, um sein eigenwilliges Programm der Metamorphose surrealistischer Objekte ästhetisch und philosophisch zu begründen. Hier einige Bruckstücke eines mythomanischen Panoramas.

Salvador Dalis berühmtes programmatisches Werk ist die "Metamorphose des Narziss" aus dem Jahre 1937. Es hängt heute in der Londoner Tate Gallery. Zeit seines Lebens hat sich Dali, wie aus seiner Autobiographie hervorgeht, mit der Figur der Doublierung, des Doubles und der Wiederholung beschäftigt. Mit ihr hat er nicht nur ein autobiographisches, sondern auch ein kosmologisches Modell behandelt, das in der Geburt und dem Tod seines zwillingshaften Bruders erstmals zum Thema wurde.

Mein Bruder starb mit sieben Jahren an einer Gehirnhautentzündung, drei Jahre vor meiner Geburt. Sein Tod stürzte meine Eltern in tiefe Verzweiflung; sie fanden Trost nur dadurch, dass ich zur Welt kam. Mein Bruder und ich ähnelten einander wie ein Ei dem anderen, aber wir dachten verschieden. Wie ich besaß er die unverkennbare Gesichtsmorphologie eines Genies. Er zeigte Symptome beängstigender Frühreife, doch sein Blick war verschleiert von der Melancholie, die für unüberwindliche Intelligenz kennzeichnend ist. Ich dagegen war viel weniger intelligent, dafür reflektierte ich alles. Ich sollte der Prototyp par Excellence des phänomenal zurückgebliebenen 'Polymorph-Perversen' werden, der sich die Erinnerung an die erogenen Paradiese des Säuglings fast ganz bewahrt hat. Mit hemmungsloser, egoistischer Gier griff ich nach der Lust, und beim geringsten Anlass wurde ich gefährlich. Eines Abends kratzte ich meinem Kindermädchen mit einer Sicherheitsnadel brutal in die Wange, obwohl ich sie liebte -, bloß weil der Laden, zu dem sie mich mitnahm, um Zuckerzwiebeln zu kaufen, um die ich gebettelt hatte, schon geschlossen war. Mit anderen Worten, ich war lebensfähig. Mein Bruder war wahrscheinlich eine erste Ausgabe meiner selbst, nur zu sehr im Absoluten konzipiert.

Kritisch-paranoische Methode und mythologisches Panorama

Dali hat damit nicht nur ein Stück Psychoanalyse und Écriture automatique für seine Zwecke bearbeitet, er hat mit seiner kritisch-paranoischen Methode das mythologische Panorama der Traumwelt des Narziss in philosophischer Weise ausgedeutet, um die Möglichkeiten einer Grenzüberschreitung der subjektivistischen Ästhetik des modernen Menschen in ein neues Zeitalter eines jesuitischen Katholizismus in der Epoche des ausgehenden frankistischen Faschismus zu sondieren: .

Wir wissen heute, dass Form immer das Produkt eines inquisitorischen Prozesses der Materie ist - die spezifische Reaktion von Materie, die dem schrecklichen Zwang des Raumes unterworfen wird, der sie von allen Seiten würgt, presst und ausquetscht und die Beulen hervortreibt, die sich aus ihrem Leben bis exakt zu den Grenzen der strengen Konturen ihrer Reaktionseigenart entladen. Wie oft verlöscht Materie, die einen zu absoluten Impuls aufweist; während ein anderes Stück Materie, das nur zu tun versucht, was es kann, und besser der Lust angepasst ist, sich angesichts des tyrannischen Drucks des Raumes durch individuelles Schrumpfen zu gestalten, eine eigenständige Lebensform zu erfinden vermag. (....) Gerade wie Männer mit einseitigem, einsinnigen Geist vom Feuer der Heiligen Inquisition verbrannt wurden, so fanden vielgestaltige, anarchistische Geister - eben deshalb - im Licht dieser Flammen die Blüte ihrer individuellsten spirituellen Morphologie. (...) Mit äußerster Beweglichkeit reflektierte ich alle Bewusstseinsgegenstände. Alles modifizierte mich, nichts änderte mich; ich war weich, feige und elastisch; der kolloide Umraum meines Geistes sollte in der einzigartigen inquisitorischen Strenge des spanischen Denkens die endgültige Form der blutigen, jesuitischen und verzweigten Achate meines merkwürdigen Genies finden. Meine Eltern tauften mich auf denselben Namen wie meinen Bruder - Salvador: Ich war, wie mein Name andeutet, für nichts Geringeres bestimmt, als die Malerei aus der Leere der modernen Kunst zu erretten, und dies in der abscheulichen Epoche automatischer und zweitklassiger Katastrophen, in der wir das Unglück und die Ehre haben zu leben. Wenn ich in die Vergangenheit blicke, erscheinen mir Wesen wie Raffael als wahre Götter; ich bin vielleicht heute der einzige, der weiß, warum es fortan unmöglich sein wird, sich dem Glanz der raffaelesken Gestalten auch nur entfernt noch einmal anzunähern.
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Das Double als ästhetisches und transästhetisches Problem

Dali hat früh erkannt, dass im Phänomen des Doubles ein spezifisches ästhetisches, aber auch transästhetisches Problem vorliegt: Denn jede Wiederholung beschränkt und entgrenzt zugleich den Vorstellungswert einer ersten Figur durch eine zweite, ihr ähnliche Gestalt. Einerseits wird die konkrete Existenz eines vermeintlichen Originals durch Replikation und Variation relativiert und eingeklammert. Die Doublierung leitet das imaginative Spiel einer rein ästhetischen Konkurrenz ein und setzt es auch wiederum durch die faktische Setzung eines doppelten Daseins außer Kraft.

In der spiegelförmigen Doublierung der Figuren ist auch der phantasmatische Kampf um den Eigenwert, um den ausschließlichen Anspruch auf den Eigensinn der Existenz angelegt. Darin liegt die transästhetische Verstörung von Doublierungen und Spiegelungseffekten, wie sie etwa Claude Lévi-Strauss in "Mythos und Bedeutung" hervorgehoben oder Jacques Lacan, der Dali persönlich begegnete, in der frühen Genese des ausgehenden infantilen Selbstbewusstseins ausgemacht hat: Die Identifikation mit dem eigenen Spiegelbild erweist sich zugleich als erster synthetischer Entwurf, als früher visueller Vorschein der zukünftigen Vollkommenheit eines komplett erfahrbaren Körpers für das noch am Boden krabbelnde Krümelmonster, für das senso-motorisch zersplitterte Kleinkind.

Ich werde später noch einige Denkmaschinen, die ich erfand, erklären und genau beschreiben. Eine davon basiert auf der Idee des wunderbaren 'essbaren Napoleon', worin ich jene beiden wesentliche Phantome meiner frühen Kindheit - nutritiv-orales Delirium und blendenden geistigen Imperialismus - materiell verwirklichte.

Das vom Kind oder Jungen bejubelte Bild gilt nicht als Abbild, nicht als bloße Bestätigung einer vorhandenen Identität, sondern als virtuelle Konstitution einer neuen Identität. Bejubelt wird in dem Bild das eigene Ich als ein Anderer, in dessen plastische Rollen-Existenz das Gegenüber gerade erst eintritt.

Dalis malerisches Werk hält den entscheidenden Moment der Transformation und des Übergangs fest, überträgt dabei die Erfahrung der Photographie, der Versammlung von kontingenten raumzeitlichen Momenten und Spuren in eine mediale Transfiguration, eine Verkunstung des Augenblicks wie auf Widerruf.

Schnecken, Spiralen, Gemmen und Nüsse in Malerei, Photographie und Film

Von Photographie und Film schaut Dali für sein bildnerisches Werk die Erfahrung ab, das Flüchtige zu fixieren und es genüsslich in seine mikrologischen Elemente zu zerlegen. Nicht umsonst hat er die Effekte von Halsmanns bewegtem Dali-Porträt wiederum malerisch festgehalten. Dabei basiert das moderne Kunstwerk nicht nur auf einer modernen technischen Reproduktion, die zu jener reproduktiv-visuellen Glätte eines dynamisierten Spiegels führt. Dali hält zugleich jene durchaus taktile Tiefe fest, das massenhaft vermittelte Echo des Motorischen, in dem das Sprengpotential einer neuen sozialen Praxis des öffentlichen Raumes steckt. Dabei ist Dalis morphologischer Moluskenblick in der Lage, die berühmten Köpfe seiner Zeit und früherer Epochen auf eine naturhafte Konstruktionsformel zu bringen, wie man sie nur von Hannibal Lecter erwartet hätte:

Freuds Schädel ist eine Schnecke! Sein Gehirn hat die Form einer Spirale - mit einer Nadel herauszuziehen. (...) Raffaels Schädel ist exakt das Gegenteil von Freuds; er ist achteckig wie eine Gemme, und sein Hirn gleicht Adern im Stein. Leonardos Schädel gleicht jenen Nüssen, die man knackt: das heißt, er sieht eher nach einem eigentlichen Gehirn aus.

Die spekulative Virtualität eines morphologischen Echos

Salvador Dalis programmatisches Gemälde "Métamorphose de Narcisse" zeigt die anamorphotische Transformation des Narziss in einem mit Spiegelstrukturen operierenden Vexierbild: In der für den Bildbetrachter linken Bildhälfte hockt Narziss als glühender, gesichts- und individualitätsloser Körper über seinem Spiegelbild im Wasser, die vorgeneigte Stirn auf das linke Knie gestützt, die linke Hand unterhalb der spiegelglatten Wasseroberfläche; rechts wird das Motiv in seiner äußerlichen Gesamtgestalt wiederholt, mutiert dabei aber zu etwas anderem: zur Kunst, zum Detail einer skulptural versteinerten rechten Hand, die - gefühllos - ein Zwiebel-Ei festhält, aus dem eine Narzisse entspringt.

Die Skulptur der Hand rechts im Bild ist das visuelle Double, durch das die linke Figur selbst zum schwankenden, sichtbar-unsichtbaren Vexierbild wird: Der Blick des Betrachters oszilliert zwischem Ganzem und Teil, Körper und Hand, Leben und Artefakt, Ego und Alter. Die spekulative Virtualität des gesamten Bildes wird nur erfahrbar, wenn man die Tiefenperspektive, Nähe und Ferne der Gegenstände als "Morphologisches Echo" mitliest, wie Dali ein anderes Gemälde aus jener Zeit (1936) genannt hat. Auch dort transformiert Dali figural ähnliche Elemente durch den perspektivischen Kontext in verschiedenartige, surreal verabsolutierte Objekte, deren stofflicher Realismus zum bühnenwirksamen Phantasma wird - durch ihre Position auf dem anamorphotisch illuminierten Tisch des Begehrens am unendlichen Strand des Unbewussten. Mit dem Echo wird zugleich die temporale Dimension der Wahrnehmung und Lektüre des Bildraums markiert.
Die Metamorphose des Narziss (Bild: Tate Gallery, London)

New York, deine enthaupteten Schaufensterpuppen schlafen schon und vergießen all ihr 'ewiges Blut', das wie aus dem 'Operationsspringbrunnen der Reklame' in die von elektrischem Licht strahlenden, von 'lethargischem Surrealismus' angesteckten Warenauslagen fließt. Und auf der Fifth Avenue hat Harpo Marx gerade die Zündschnüre angesteckt, die aus den Hintern einer explosiven, mit Dynamit ausgestopften Giraffenherde hervorlugen. Sie laufen in alle Richtungen, verursachen Panik und zwingen jeden, sich Hals über Kopf im Innern der Geschäfte in Sicherheit zu bringen. Man hat zwar gerade die städtische Feuerwehr alarmiert, aber es ist bereits zu spät.

Quelle: telepolis.de




Salvador Dalí Biographie (1904-1989)

Salvador Dali zählt zu den bedeutendsten Surrealisten.
Sein künstlerisches Schaffen weist ihn zu einem der kreativsten Maler seines Jahrhunderts aus.
Sein kybernetisches Spätwerk von realistischerscheinenden Traumwelten,
welche in präziser illusorischer Detailgenauigkeit entstanden,
gehört zu seiner wichtigsten Hinterlassenschaft...

1904 Am 11. Mai wird Salvador Dalí in Figueras, Spanien geboren.

1918 Erste Ausstellung im Alter von 14 Jahren im Stadttheater von Figueras.

1919 veröffentlicht Dali in Lokalzeitschriften mehrere Artikel über
die großen Meister der Malerei und eigene Gedichte.

1921 Tod von Dalís Mutter, der den 17 jährigen tief erschüttert.
Im Oktober 1921 wird Dali an der Kunsthochschule San Fernando in Madrid aufgenommen.
Er befreundet sich mit dem Dichter Federico Garcia Lorca und Luis Bunuel.

1923 Dali wird für ein Jahr von der Akademie verwiesen.
35 Tage Haft in Gerona aus politischen Gründen.

1925 Dalí verbringt die Ferien mit Federico Garcia Lorca in Cadaques.
Im November wird seine erste Einzelausstellung in der Galerie Dalman in Barcelona eröffnet.

1926 Dalí reist zum erstenmal nach Paris. Bevor er die obligatorischen Besuche
in den Museen vornimmt, besucht er Pablo Picasso( siehe Computergarten am 25. Oktober)
und schenkt ihm ein Bild. Dali ist von Picasso tief beeindruckt.
Von der Kunsthochschule wird er endgültig im Oktober 1926 verwiesen.

1927 Von Februar bis Oktober leistet er seinen Militärdienst ab.
Er veröffentlicht "Der heilige Sabastian" und entwickelt die Ästhetik der Objektivität.

1928 Mit Lluis Montanyá und Sebastiá Gasch schreibt er "Das Gelbe Manifest".

1929 Bunuel und Dalí drehen den Film "Ein andalusischer Hund".
Dadurch werden sie in die Pariser Surrealistengruppe aufgenommen.

1929 lernt er bei den Dreharbeiten Tristan Tzara und Paul Eluard und
dessen Frau Gala Eluard kennen. Zwischen Dali und Gala entwickelt sich eine Liebesbeziehung.

Gala verlässt Paul Eluard und lebt mit Dali bis zu ihrem Tod zusammen.
1931 Bei den "Editions Surréalistes" erscheint "Liebe und Gedächtnis".

1932 Dalí nimmt an der ersten Ausstellung von Surrealisten in den USA teil.
Er schreibt "Babanouo", das Drehbuch zu einem Film, der nie realisiert wurde.
Es kommt zur Gründung der Sammlergruppe "Zodiaque",
diese Gruppe kauft regelmäßig Werke von Dali.

1933 In der Zeitschrift "Minotaure", Ausgaben 3 und 4, veröffentlicht er einen hinreißenden
genialen Artikel zur Verteidigung des Jugendstils und Gaudis.

1933 erregt Dali aber auch den Ärger der Surrealisten,
da er aus seiner Sympathie für Hitler kein Hehl macht.
Dali malt erheblich weniger als in den Jahren davor.
Dali beschäftigt sich hauptsächlich mit der Reklame für seine eigene Person.
Gala ist ihm dabei behilflich. Andre Breton sagt über Dali:
"katalanischer Intelligenzfürst, ungeheuer reich".

1934 Anlässlich der Ausstellung des Bildes "Das Rätsel Wilhelm Tells"
kommt es zu Auseinandersetzungen mit den Surrealisten. Andre Breton wendet sich von ihm ab.
Dalís Ausstellung in New York erlebt einen triumphalen Erfolg.

1936 In Spanien bricht der Bürgerkrieg aus.
Im Dezember erscheint er auf der Titelseite der Zeitschrift "Time", mit einem Foto von Man Ray.

1937 Im Juli malt und schreibt er parallel Metamorphose des Narziss,
eine umfassende Anwendung der paranoisch-kritischen Methode.

1938 besucht er Sigmund Freud in London und zeichnet mehrere Portraits des
Psychoanalytikers, der ihn in seinen Schriften stark beeinflusst hat.

1939 kommt es zum endgültigen Bruch mit der Surrealistengruppe. Dali veröffentlicht
"Die Unabhängigkeitserklärung der Phantasie und die Erklärung
der Rechte des Menschen auf seine Verrücktheit".
Salvador Dali schreibt ein Libretto und entwirft das Bühnenbild zu dem Ballett "Bacchanal",
es wird im November 1939 in der Metropolitan Opera New York uraufgeführt.

1940 Dali und Gala besuchen Paris, dann kehren sie nach New York zurück,
wo sie bis 1948 im Exil leben. Dali bejaht das siegreiche Franco - Regime.

1941 Die Gesamt - Ausstellung von Dalí im Museum of Modern Art, New York,
verlief sehr erfolgreich.

1942 In den USA erscheint das Buch "Das geheime Leben des Salvador Dalí",
eine Autobiographie.

1946 Dalí zeichnet mehrere Entwürfe für ein Trickfilmprojekt mit Walt Disney.
Er entwirft Bühnenbilder für "Spellbound, einem Film von Alfred Hitchcock.

1949 Rückkehr nach Europa. Dali beginnt mit der Serie der Madonna von Port Lligat.
Es sind Neuschöpfungen nach Piero della Francesca ( Madonna mit Kind, 1470 -1475).
Die Madonna bei Dali bekommt die Gesichtszüge von Gala.
Die in dieser Periode entstandenen Bilder erscheinen manchen Kunstkritikern zu glatt,
zu sehr auf den Publikumsgeschmack abgestimmt. Eine gewisse Kühle ist zu erkennen.
Vom eigentlichen Surrealismus
( "Diktat des reinen Denkens ohne jegliche Überwachung durch die Vernunft“)
hat Dali sich entfernt. Die Kompositionen werden durchkalkuliert, sind alles andere als spontan.
Er entwirft 1949 außerdem Bühnenbilder für Brook und Visconti.

1951 Er veröffentlicht sein "Mystisches Manifest" und beginnt seine korpusklare Periode.

1952 Ausstellungen in Rom und Venedig, Thema : Nukleare Mystik.

1953 Vortrag im Dezember an der Sorbonne über "Die phänomenologischen Aspekt
der paranoisch-kritischen Methode". Bereits 1935 hatte Dali "Die paranoisch -
kritische Geistestätigkeit" veröffentlicht.

1960 Er malt großformatige mystische Bilder wie "Das ökonomische Konzil“.
Dali malt sich in diesem Bild beim Malen. Gala ist die beherrschende Figur im Bild.
Das Bild befindet sich als Leihgabe im Salvador Dali Museum,
es gehört E. und A. Reynolds Morse.

1961 findet in Venedig die Uraufführung des Balletts "Ballett de Gala" statt.
Das Libretto und das Bühnenbild war von Dali.

1963 beginnt Dali, dem Bahnhof von Perpignan als den Mittelpunkt des
Universums zu betrachten.

1964 findet in Tokio im Seibu - Museum eine Retrospektive der Dali - Arbeiten statt.

1964 veröffentlicht Dali "Das Tagebuch eines Genies".

1971 Eröffnung des Salvador- Dalí - Museums, Cleveland (Ohio),
das 1982 nach Saint Petersburg (Florida) verlegt wurde.

1978 findet im Guggenheim - Museum eine Ausstellung statt. Im Mai 1978
wird er in der Academie des Beaux - Arts in Paris aufgenommen.

1979 in Paris findet im Centre Georges Pompidou eine Retrospektive von Dalis Arbeiten statt.
Sie wird anschließend in der Tate - Gallery in London gezeigt.

1982 Am 10. Juni stirbt seine Frau Gala.

Im Juli 1962 wird Dalí der Titel Marquis de Pubol verliehen;
er lebt von nun an in dem Schloß Pubol, das er Gala geschenkt hatte.

1983 In Madrid wird eine Dalí- Retrospektive gezeigt,
die anschließend in Barcelona gezeigt wird
Im Mai 1983 malt Dalí sein letztes Bild "Der Schwalbenschwanz".

1984 erleidet Dali bei einem Zimmerbrand im Schloß Pubol schwere Brandverletzungen.

Am 23. Januar 1989
stirbt Dalí an Herzversagen im Torre Galatea im Alter von 84 Jahren.
Er wird auf seinen Wunsch in der Krypta seines Theater-Museums in Figueras beigesetzt.
Er vermachte in seinem Testament sein gesamtes Vermögen und
sein Werk dem spanischen Staat.





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Kommentare

  • pen2
    Wed, 09 Aug 2006 22:00:26 GMT Mir fällt nix ein XD von pen2


    also nicht schlecht
    Metamorphose ist mein lieblingsbild von Dalí
    aber ich mag so ziehmlich alles von dem kranken Vogel^^
    nicht zuletzt dass ich für einen tag Zeitgenosse von ihm war
    (er ist an meinem Geburtstag gestorben)

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