Der Antisemitismus der NSDAP

Kategorie: Geschichte
Eingesendet: 15.06.2008
Wörter: 13012
Autor: Mac002
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Der Antisemitismus der NSDAP

Der Antisemitismus der NSDAP
Gliederung:
I) Einleitung
II) Maßnahmen zur Aussschaltung der Juden
1) Züchtung arischer Menschen
2) Juden als Sündenbock
3) Ahnenpass
4) Einsatz von SA-Trupps
5) Verlauf bis zu den "Nürnberger Gesetzen"
6) Deportation – Endlösung
III) Fazit

In der Hitlerzeit von 1933 - 1944 wurden im gesamten Europa
ca. 4,5 Millionen Juden in Konzentrationslagern umgebracht.
(Hier ein Bild aus dem Konzentrationslager Buchenwald)

I) Einleitung
Der Antisemitismus wurde von den Nationalsozialisten zur offiziellen "Bewegung gegen die
Beherrschung des geistigen und wirtschaflichen Lebens durch das Judentum" erklärt. Sie war
zentrales Anliegen der NS-Ideologie und unterschied sich von faschistischen Bewegungen
anderer Länder.
Melanie Bachmann
Die Judenfeindschaft geht aus von dem starken Zusammengehörigkeitsgefühl einer Minderheit,
die gegenüber der Mehrheit der Gesellschaft ein sich unterscheidendes religiöses, kulturelles
sowie wirtschaftliches Leben führt.
Wirtschaftlich gesehen: Juden durften beim Geldverleih Zinsen nehmen
Religiös gesehen: Verfolger Christi
Zu Anfang wurden getaufte und in die Gesellschaft integrierte Juden nicht verfolgt.
Durch ihre Intelligenz hatten viele Juden Positionen als Wirtschaftsführer übernommen. Ihnen
wurde deshalb nachgesagt, dass sie für Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
verantwortlich waren. Dies führte in der Gesellschaft zu soialem und intellektuellem Neid. Man
machte sie verantwortlich für die Weltwirtschaftskrise.
Zitat "Hitlers Tischgespräche"(Picker): "Der Jude, der sich als "Schmarotzer" bei fremden
Völkern einnistet und sie nach und nach zugrunde richtet, wird als minderwertiges Gegenbild des
Ariers hingestellt. Aus Gründen der "Rassenhygiene" müsse man deshalb Juden aus dem
Volksganzen eliminieren."

II) Maßnahmen zur Ausschaltung der Juden
1) Züchtung arischer Menschen
Um für eine "Rassenreinheit2 sorgen zu können, die nach Meinung der Nazis zum Aufstieg zur
Weltmacht führen würde, wurde die deutsche Familie durch Verleihungen von
"Mutterehrenkreuzen" ermutigt, für Nachkommen zu sorgen. Dies galt für Familien mit drei oder
mehr Kindern. Der von Himmler gegründete Verein "Lebensborn", der für Kinderreichtum sorgen
sollte, diente durch Einrichtung von Entbindungsheimen der Züchtung arischer Menschen. Dort
wurden circa 11000 (meist nichteheliche) Kinder geboren, die von besonders "rassenreinen"
Erzeugern stammten.
Familien, die kinderlos waren oder blieben, mußten ihren Vorgesetzten Rechenschaft ablegen.
2. Juden als Sündenbock
Durch die rassentheoretischen Thesen der NSDAP wurden juden als "Sündenbock" für alle
Fehlentwicklungen hingestellt. Man verbreitete die Anschuldigungen, Juden würden eine
Weltherrschaft anstreben, die so zum Weltuntergang führen würde. Dem Arier der Gesellschaft
wurde also zur Funktion gegeben, dies zu verhindern, und somit als "Retter der Weltkultur" zu
gelten bzw einen Dienst an der Menschheit zu vollbringen.
3. Ahnenpass
Der Ahnenpass, der vom Reichsbund der Standesbeamten Deutschlands erstellt wurde, gab genau
Auskunft über die Abstammung der Personen. Der Stammbaum wurde sogar bei Bauern, deren
Hof verkauft worden war, bis zum Jahre 1800 zurückverfolgt. Bei SS-Angehörigen bis ins Jahr
1750. Um Juden als Juden deklarieren zu können, galt es meist nur die Religionszugehörigkeit zu
verfolgen, denn die NS-Ideologie hatte keinen exakten Rassenbegriff ausgearbeitet.
Das NS-Regime grenzte Juden, Sinti und Roma, Asoziale, geistig und körperlich Behnderte
sowie Homosexuelle aus der Gesellschaft aus.
Melanie Bachmann
4. Einsatz von SA-Trupps
Am 10. Januar 1933 begannen erste Aktionen der SA (Sturmabteilung) gegen die jüdischen
Mitbürger und ihr Eigentum. Es begann mit dem Ausruf an die Gesellschaft, nicht mehr bei Juden
zu kaufen oder überhaupt mit ihnen in Kontakt zu treten.
Am 1. April befanden sich SA-Posten vor allen jüdischen Geschäften, die sie plünderten und ihre
Inhaber quälten.
Die ausländischen Reaktionen veranlassten Goebbels, der seit 13. März 1933 als Reichsminister
für Volksaufklärung und Propaganda im Kabinett war, zu einer Geiselaktion. Er wollte mit dem
Boykott jüdischer Geschäfte erreichen, "dass sich die ausländischen Juden eines Besseren
besinnen, wenn es ihren Rassengenossen in Deutschland an den kragen geht."
Hitler begründete seine Aktionen als "Abwehrreaktion" und behauptete, "dass diese Abwehr habe
organisiert werden müssen, weil sie sonst aus dem Volk heraus von selbst gekommen wäre und
leicht unerwünschte Formen angenommen hätte." Somit unterstellte er von Anfang an den
Ariern, dass sie diesen Terror und die Ausrottung der Juden sowieso gewollt hätten.
5) Verlauf bis zu den Nürnberger Gesetzen
Weiterhin nutzte er die Möglichkeit, Juden aus ihren Berufen zu vertreiben, die sich ihm durch
das “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 07.04.1993 bot.
Bis zum April 1934 hatten einige hundert jüdische Hochschullehrer, etwa 4000 jüdische
Rechtsanwälte, 300 Ärzte, 2000 Beamte und ebenso viele Schauspieler und Musiker ihre
Arbeitsplätze verloren. Einzig und allein in den Wirtschaftsbereichen wurden sie nicht entlassen,
denn dort wollte man noch von ihnen profitieren.
Es begann somit eine antisemitische “Säuberung” des öffentlichen Dienstes in Reich, Länder und Gemeinden.Im
Frühjahr 1933 wurden schon die ersten Konzentrationslager (Dachau, Oranienburg) von insgesamt 22 errichtet.
Am 22. September 1933 kam es zum Reichskulturkammergesetz, das die Juden aus dem deutschen Kulturleben
ausschloß. Einige Juden flohen daraufhin nach Palästina, oder in andere Teile der Welt. Bis 1934 hatten 37000
jüdische Flüchtlinge Deutschland verlassen, obwohl die Politik der jüdischen Verbände, z.B. der jüdische Kulturbund
(Sommer 19323) auf Bleiben und nur im Ernstfall Emigration ausgerichtet war.
Da es öfters einmal schwache Anzeichen für das Abklingen der Ausgrenzungs- und Verfolgungsmaßnahmen gab,
blieben die meisten Juden in Deutschland.
Flüchtlinge fanden in folgenden Ländern Asyl:
- Vereinigte Staaten 102.222
- Palästina 33.399
- Argentinien 63.500
- Südafrika 26.100
- Shanghai 20.000
In Europa fanden die meisten Juden in den Jahren 1933-38 in Großbritannien, Frankreich, Hollan
und Polen Asyl.
Im Jahr 1935 kam es zur weiteren Eindämmung der Juden. Am 06. August wurden alle jüdischen
Kulturschaffenden im “Reichsverband jüdischer Kulturbünde“ unter Aufsicht des
Sonderbeauftragten Hans Hinkel zusammengefaßt. In jenem Sommer kam es nun zu verstärkten
Aktionen, wie “Juden unerwünscht“. Es wurden Schilder an Ortseingängen, Badeanstalten, Cafés
und Geschäften angebracht. Im Sommer 1936, in dem die olympischen Spiele stattfanden,
wurden aus Rücksicht auf ausländische Besucher die Schilder entfernt.
Melanie Bachmann
Die NS-Propaganda fand in den “Nürnberger Gesetzen“ vorläufig ihren Höhepunkt. Diese
Gesetze dienten dem “Schutze des deutschen Blutes und der deutsche Ehre“ (15.09.1935).
Durch diese wurden allen Nicht-Ariern (Juden) das Bürgerrecht entzogen. Sie galten nun nicht mehr als
Reichsbürger, sondern lediglich als Staatsangehörige. Als äußerliches Kennzeichen mußten sie von nun an den
Judenstern auf ihrer Kleidung tragen. Außerdem untersagte man es den Juden, Deutsche zu heiraten. Die Gesetze
trennten die Menschen zu Deutschblütigen, Juden und Mischlingen 1. Und 2. Grades. Ebenfalls diskriminiert wurden
Geisteskranke und Behinderte, denn sie wurden unter eine strenge Bewachung gestellt. Unternehmern wurde
untersagt, Juden unter 45 Jahren einzustellen. Einige der Juden wurden 1939 unter dem Vorwand rassenhygienischer
Überlegung als Versuchsopfer für Gas als Vernichtungsmittel benutzt.
Das Ausland reagierte hierauf mit scharfen Zeitungsartikeln, Flugblättern und Briefen an Hitler, doch das lies in kalt.
Einen weiteren Höhepunkt stellt die “Reichskristallnacht“ (1938) dar, in der Synagogen angesteckt, jüdische
Geschäfte geplündert und Juden ermordet wurden. Arier bezogen nun die noch gefüllten Häuser der Juden (siehe
Film “Schindlers Liste“). Über 20.000 Juden wurden in Konzentrationslager verfrachtet, nachdem sie sich zunächst in
völliger Armut in Ghettos (Warschau) zusammengepfercht aufhalten mußten.
Immer neue Verordnungen verdrängten die Juden aus dem
öffentlichen Leben.
Am 23. Juli 1938 wurde die Kennkarte für Juden eingeführt, die
ab Januar 1939 jeder Jude mit sich führen mußte. Wenn man auf
der Straße ohne die Kennkarte erwischt wurde, war es SS-Leuten
erlaubt sie sofort zu erschießen.
Weiterhin wurde am 17. August 1938 die allgemeine Einführung
der Vornamen Israel oder Sarah für alle Juden verboten. Am 05.
Oktober kennzeichnete man alle Reisepässe der Juden mit “J“.
Fulda, den 27.Oktober 1938, Regierung Kassel:
“Sofort in großem Umfang gegen Juden polnischer
Staatsangehörigkeit Aufenthaltsverbot für das Reichsgebiet
erlassen und Verbotsverfügung sofort zustellen.
Aufenthaltsverbote sind mit Frist bis zum 29.10. auszusprechen.
.
Es sind alle Vorkehrungen zu treffen, ggf. sind andere Aufgaben
zurückzustellen.
Ortspolizei Fulda, Landräte Hersfeld und Hünfeld sofort
fernmündliche entsprechend benachrichtigen.“
Bis 1942 kamen noch weitere Verbote für Juden hinzu, wie z.B. Einstellung des Unterrichts für jüdische Kinder und
Ausgehverbot.
6) Die Deportation / Endlösung
In den Jahren 1941/42 begann man mit der Deportation der Juden in Konzentrationslager oder Vernichtungslager, in
Europa gab es davon insgesamt sechs. Dies wurde zunächst nur als “Ersatzlösung“ bezeichnet.
Diese “Endlösung“ wurde in der “Wannseekonferenz“ von mehreren höchsten Dienststellen des III. Reiches am
20.01.1942 beschlossen. Somit stand der Vernichtung des jüdischen Volkes nichts mehr entgegen.
Bereits am 08.12.1941 erfolgte die erste Deportation Fuldarer Juden in das Todeslager Salaspils bei Riga. Die Juden
wurden in Gruppen von ca. 100 Leuten, eingeschlossen Kinder, in Zügen verfrachtet. Die deportierten Fuldarer Juden
ahnten nicht, daß sie den Todesweg angetreten hatten, aber die Furcht belastete sie. Es war ein erschütterndes
Schweigen und Ächzen.- keine Unterhaltung zwischen den zusammengepferchten Juden, jedoch stille Gebete zu
Gott.“
Dort angekommen mussten sie wie Tiere bei 45 Grad Kälte arbeiten. Sie lebten unter grausamsten Bedingungen. 24hlanges
Arbeiten ohne jeglichen Lohn.
Wenn man sich widersetzte, wurde man gefoltert. Man erhielt pro Tag eine Scheibe Brot, Wassersuppe und
schwarzen “Kaffee“. Allein diese Bedingungen ließen circa 1500 männliche Personen täglich verhungern. Kranke
wurden von Monitionswagen abgeholt und im Wald erschossen.
Natürlich gab es auch Vorzeigelager, in denen Juden ihre eigenen Wohnungen hatten und ihre Berufe ausüben
durften. Diese wenigen Lager durften von dem Roten Kreuz und der ausländischen Presse begutachtet werden.
Karikatur im ”Stürmer”: die Juden erhalten,
was sie verdient haben
Melanie Bachmann
Im Jahre 1941 wurden dann die ersten größeren Vergasungen durchgeführt. Diese galten gegenüber den
Erschießungen und den Verbrennungen als effektiver.
Wenn Juden nun in ein Lager kamen, wurden sie sofort ihrer Kleidung entledigt und in die Duschen gebracht. Dieses
grausame Sterben dauerte zwischen 3 und 15 Minuten.
Ab 20.1.1942 begann die Ausrottung der Juden in allen von Deutschland besetzten Gebieten. Juden, die noch in
Ghettos lebten wurden ebenfalls in KZs gebracht und vergast.
Dieses Verfahren wurde durch das Einsetzen von Blausäuregaszyklon B (aus dt. Erfindung und Produktion)
perfektioniert.
Am 19.4.1942 schrieb Himmler: “Ich ordne an, das die Umsiedlung der gesamten jüdischen Bevölkerung des
Generalgouvernements bis zum 31.12.1942 durchgeführt und beendet ist.“
Daraufhin liefen die Züge mit peinlicher Genauigkeit in die Mordfabriken. Alle Ghettos wurden geleert. Bis Ende
1942 waren ¾ der polnischen Juden ermordet.
Auf die Tötung der polnischen Juden folgte die der niederländischen, dann der französischen und der belgischen.
Hier wehrte man sich vehement bis 1944, worauf sich die Judentötung verlangsamte. Von 52000 in Belgien lebende
Juden starben 24000. In Frankreich überlebten 80%.

III) Fazit
Durch das sinkende Kriegsglück Hitlers und die Bekanntmachung der Wahrheit über die “Judenumsiedlung“, die in
der ganzen Welt verbreitet wurde, wurde es immer schwieriger, das Vernichtungsprogramm zu verwirklichen.
Allerdings wurden Anfang 1945 noch 5000 Juden vergast.
Diese Tragödie fand am 30. April 1945 durch sowjetische Infanteristen, die in den Reichstag in Berlin einzogen, ihr
Ende.
Durch die peinlich genaue Durchstrukturierung der “Judenumsiedlung“ durch Hitler, wurden in den Jahren 1933-
1945 in Europa über 5 Millionen Juden vernichtet.

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